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Interview: Im Gespräch mit der estnischen Regisseurin und Drehbuchautorin Alexandra Pärn konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Christmas Day“ (OT: „Jõululaupäev“) erfahren, der im Kurzfilmwettbewerb des 34. Cottbuser Filmfestival 2024 lief, wie die Geschichte als Uni-Film entstand, welche Herausforderung es war, eine Komödie zu schaffen und wie es nun nach dem Ende des Studiums bei ihr weitergeht.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Weihnachtsfilm entstanden?
Ich habe diesen Film während meines Studiums an der Baltic Film and Media School gedreht, wo ich Regie studierte. Dies war mein dritter von vier Filmen, die ich in der Schule gedreht habe, und die Vorgabe für den Kurs war, einen Film im Genre Komödie zu drehen. Das Genre war für mich anfangs sehr beängstigend, weil ich mich nicht wirklich als Komödienregisseurin sehe, aber als wir uns mit dem Drehbuchautor und dem Produzenten zum Brainstorming trafen, begann ich die Herausforderung zu mögen, etwas Lustiges zu machen und die komödiantischen Elemente mehr und mehr zu erforschen. Die Idee kam uns, als wir darüber nachdachten, wie wir eine Komödie drehen könnten, mit der sich jeder irgendwie identifizieren kann, und da beschlossen wir, den Film um den Weihnachtsabend herum zu drehen, wenn die Emotionen völlig durcheinander sind. Außerdem passiert immer etwas, wenn die ganze Familie und die Verwandten zusammenkommen, und das wollten wir auf der Leinwand zeigen, mit einem Hauch von Trauer, der das Gegenteil des Weihnachtstrubels ist.
Ich mochte besonders wie stimmig, Du den Weihnachtstumult und das Miteinander mit der Familie einfängst. Wie wichtig war Dir da auch ein authentisches Herangehen?
Da ich auch ein großer Fan von Dokumentarfilmen bin und Dokumentarfilme mache, mag ich immer den authentischen Ansatz, auch wenn ich Spielfilme mache. Ich mag es, einen Bezug herzustellen und manchmal sogar zu vergessen, dass ich einen Spielfilm sehe. Bei diesem Film war es für mich am wichtigsten, die richtige Besetzung auszuwählen, um diese realistische Atmosphäre zu schaffen. Alles andere ergab sich von selbst, während ich improvisierte und Spaß mit den Kinderdarstellern hatte.
Was lag Dir visuell am Herzen?
Ich wollte etwas schaffen, mit dem sich jeder identifizieren kann, aber auch ein wenig Weihnachtszauber in den Film bringen. Für mich und den Kameramann bestand die größte Herausforderung darin, diese beiden Welten zu trennen und gleichzeitig zu verbinden: das realistische Familienessen und die magische zweite Realität mit dem Großvater. Wir beschlossen, diese Welten visuell sehr unterschiedlich zu gestalten, sowohl in der Kameraführung als auch im Produktionsdesign. Während die reale Welt hektisch, voller Lichter und Farben war und mit einer Handkamera gefilmt wurde, war der magische Ort ruhig und friedlich und sehr statisch mit komponierten Bildern gefilmt.
Ich finde alle Rollen sind sehr gut besetzt. Wie hast Du Deine Schauspieler:innen gefunden?
Ich denke auch, dass die Besetzung und die Dynamik in der Familie die Hauptelemente waren, die diesen Film zusammengebracht haben. Die Hauptfigur Pia, die von Grete Jürgenson gespielt wurde, wurde von mir bei einem Theaterstück entdeckt, das ich gleich zu Beginn des Projekts gesehen habe. Ich hatte sofort das Gefühl, dass sie die perfekte Schauspielerin wäre, um diese chaotische Pia darzustellen, die auch eine tiefere Ebene hat. Sie war meine erste Wahl für die Rolle, und es hat perfekt geklappt, da sie auch sehr gerne bei dem Projekt mitmachen wollte. Auch für die Rolle des Großvaters habe ich meiner Meinung nach einen Volltreffer gelandet, denn Egon Nuter, der die Rolle gespielt hat, ist vielleicht der einzige Schauspieler in unserem Land, der genau der Typ für diese Rolle ist. In der Familie gab es einige professionelle Schauspieler, aber auch Freunde von Freunden, die bereit waren, sich dieser Familie für eine Nacht anzuschließen. Alle Darsteller haben sich am Set sehr gut verstanden und den ganzen Abend über Witze gemacht, und so kommt diese Atmosphäre auch auf der Leinwand rüber. Dafür bin ich wirklich dankbar!
Kannst Du mir noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich habe schon sehr früh angefangen, mich mit der Filmfotografie zu beschäftigen, als mein Großvater sie mir vorstellte. Von da an habe ich auch einige Erfahrungen mit 8-mm-Film gemacht, aber ich glaube, mein Interesse am Film blühte in der High School richtig auf, wo ich die Gelegenheit bekam, in einer Klasse mit Schwerpunkt Kino zu lernen. Wir drehten dort kurze Spiel- und Dokumentarfilme und hatten wirklich großartige und inspirierende Lehrer, die uns das europäische Kino und Regisseure vorstellten, auf die ich von allein vielleicht nicht gekommen wäre. Zu dieser Zeit arbeitete ich auch ehrenamtlich bei Filmfestivals mit und sah wirklich tolle Festivalfilme, die mich ebenfalls dazu inspirierten, diesen Weg weiterzugehen und an der Universität Film zu studieren. Im Frühjahr habe ich die Filmhochschule als Regisseurin abgeschlossen und arbeite jetzt bei einer Casting-Agentur als Casting-Direktorin, während ich gleichzeitig einige meiner eigenen Filmprojekte entwickle.
Sind schon neue Projekte geplant?
Auf jeden Fall! Ich habe gerade eine Finanzierung für mein erstes Projekt außerhalb der Schule erhalten. Es handelt sich um einen kurzen Dokumentarfilm über eine Sommerferienregion in Estland namens „Narva Venedig“, wo zwei sehr unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen und gemeinsam etwas schaffen müssen. Wir werden den Film im Sommer drehen.
Ich bin auch sehr daran interessiert, Filme für ein junges Publikum zu machen und mit Kindern zu arbeiten. Derzeit sind wir mit meinem Abschlussfilm „Happy Things“ auf Festivals unterwegs, der vor allem auf Kinder- und Jugendfilmfestivals läuft. Es ist so herzerwärmend, mit ihnen über meine Arbeit zu diskutieren und ihre Ansichten zu einem eher schwierigen Thema zu hören. Ich hoffe wirklich, dass ich diese Leidenschaft, Filme für ein junges Publikum zu machen und die Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, die die Sichtweise eines kleinen Menschen verändern könnten, fortsetzen kann. Aber insgesamt denke ich, dass es für mich wichtig ist, mutiger zu sein und aus meiner Komfortzone herauszutreten, wie ich glaube, dass ich das mit „Christmas Day“ getan habe. Indem ich etwas gemacht habe, von dem ich anfangs nicht dachte, dass es „mein Ding“ ist, konnte ich etwas schaffen, das am Ende tatsächlich sehr gut funktioniert.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Christmas Day“
Interview: In our interview with Estonian director and screenwriter Alexandra Pärn, we found out more about her short film „Christmas Day“ (OT: „Jõululaupäev“), which was screened in the short film competition of the 34th Cottbus Film Festival 2024, how the story came about as a university film, what a challenge it was to create a comedy and what her next steps are now that she has finished her studies.
How did the idea for your Christmas movie arise?
I made this film during my studies at the Baltic Film and Media School, where I studied directing. This was my third film out of four that I made in school, and the input for the course was to make a comedy genre film. The genre was very scary for me at first because I don’t really think of myself as a comedy director, but as we met up with the screenwriter and the producer to brainstorm, I started to like the challenge of making something fun and exploring the comedy elements more and more. The idea came to us when we were thinking about how to make a comedy that everyone could somehow relate to, and that’s when we decided to build the film around Christmas Eve, when emotions are all over the place. Also, when the whole family and relatives come together, something always happens, so that’s something we wanted to show on screen, with a touch of grief, which is the opposite feeling of the Christmas hustle and bustle.
I particularly liked how well you captured the Christmas hustle and bustle and the atmosphere of being together with the family. How important was an authentic approach to you?
As I’m also a really big fan of documentaries and making documentary films, I always like the authentic approach, even when making fiction. I like to relate and, at some point, even forget I’m watching a fiction film. For this movie, I think the most important part for me in creating this realistic atmosphere was choosing the right cast. Everything else happened naturally while improvising and having fun with the kid actors.
What was important to you visually?
I wanted to create something that everyone could relate to but also add a little Christmas magic to the film. For me and the cinematographer, I think the biggest challenge was how to separate but at the same time connect those two worlds: the realistic family dinner and the magical second reality with the grandpa. We decided to make those worlds visually very different from each other, both in camera work and production design. When the real world was hectic, full of lights and colors, and filmed with a handheld camera, the magical place was calm and peaceful and filmed very statically with composed frames.
I think all the roles are very well cast. How did you find your actors?
I also think that the cast and the dynamics in the family were the main elements that brought this movie together. The main character, Pia, who was played by Grete Jürgenson, was spotted by me at a theater play I saw just at the very beginning of the project. I immediately had the feeling that she would be the perfect actor to portray this chaotic Pia character, who also has a deeper level. She was my first choice for the character, and it worked out perfectly as she was also very keen on joining the project. For the grandpa role, I also think that I got a jackpot, as Egon Nuter, who played the role, is perhaps the only actor in our country who is the exact type for this character. In the family, there were some professional actors, as well as just friends of friends who were willing to join this family for a night. All the cast members bonded really well on set and made jokes the whole evening, and that’s how this same atmosphere also shows on screen. I’m really grateful for this!
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
I first started exploring with film photography at a very early age as my grandpa introduced it to me, from there, I started to also make some experiences on 8mm film but I believe my interest in film really bloomed in high school, where I got the opportunity to study in a class with a cinema focus. We made short fiction and documentary films there and had really great and inspiring teachers who introduced us to European cinema and directors that maybe wouldn’t have come to me on my own. I was also volunteering at film festivals at that time and got to watch really great festival films that also inspired me to continue down this road and go on to study film at university. I graduated from film school in the spring as a director, and now I’m working at a casting agency as a casting director, while also developing some of my own film projects.
Are there any new projects planned?
Definitely! I just got fundings for my first project outside of school, which is a short documentary about a summer holiday region in Estonia called “Narva Venice,” where two very different cultures meet and have to create something together. We are going to shoot that in the summertime. I am also very keen on making films for young audiences and working with children. Currently we are going to festivals with my graduation movie “Happy Things” which mostly travels at children’s and youth film festivals. It’s been so heartwarming to discuss my work with them and hear their views on a rather difficult topic. I really hope to continue this passion of mine for creating films for young audiences and bringing attention to topics that could somehow change the way a little human sees things. But overall, I think it’s important for me to be braver and step out of my comfort zone, as I believe I did with „Christmas Day„. By doing something that I didn’t think would be “my thing” at first, I was able to create something that actually works very well in the end.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Christmas Day„


