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20.-26. Januar 2025 / Cinestar, Filmhaus, Kino achteinhalb, Camera Zwo, Passage Kino
Festivalbericht: Die 46. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis 2025 fand hybrid in den Saarbrückener Kinos und als Online-Festival Ende Januar dieses Jahres statt. Unter der Leitung von Svenja Böttger und Sabine Dengel zeigte das Festival 151 Kurz- und Langfilme in 234 Veranstaltungen. Dabei konzentriert sich das Festival weiterhin auf den jungen Film und zeigt Erst- und Zweitwerke von Regisseur:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum ersten Mal nach der Pandemie haben sie mit ihrer Beitragsanzahl und auch mit den Publikumsbesuchen wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht.
Wettbewerb Spielfilm
Im Spielfilm-Wettbewerb war der Film „Ungeduld des Herzens“ von Lauro Cress der große Gewinner. Er gewann nicht nur die Auszeichnung Bester Spielfilm, sondern seine beiden Hauptdarsteller:innen Giulio Brizzi und Ladina von Frisching wurden als Bester Schauspielnachwuchs ausgezeichnet. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Stefan Zweig und erzählt von Mitleid und wie man das Miteinander bestimmen kann. Die Preise für die Beste Regie und das Beste Drehbuch gingen an den schweizer Film „Bagger Drama“ von Piet Baumgartner. Er erzählt über mehrere Jahre hinweg die Geschichte einer Familie, deren Mitglieder versuchen, sich nach einem Verlust wieder zu sich selbst zu finden.
Die Jugendjury zeichnete den schweizer Genrefilm „Sew Torn“ von Freddy Macdonald aus, der mit viel Fabulierlust eine dreifache Was-wäre-wenn-Geschichte erzählt. Auch „Rote Sterne überm Feld“ von Laura Laabs, der den Preis der Filmkritik – Bester Spielfilm erhalten hat, erzählt von einer jungen Frau, die sich ebenfalls mit ihren Taten auseinandersetzen muss, aber vor allem mit den Bewohner:innen ihres Heimatdorfes, in das sie als Unterschlupf zurückkehrt ist. Der Preis der Ökumenischen Jury ging an „Scham“ von Lukas Röder, der sich als ein Zwei-Personen-Kammerspiel mit Selbstwahrnehmung und den Wunden, welche die eigene Familie und Kindheit hinterlassen haben können, beschäftigt. Auch in „Lonig & Havendel“ geht es auch um eine Suche und ein schwieriges Ankommen einer jungen Frau im Erzgebirge. Das Thema Identität oder besser gesagt Identitäten ist auch der Motor für Bernhard Wengers ersten Langfilm: „Pfau – Bin ich echt?“. Darin spielt Albert Schuch einen Mann, der durch seinen Beruf viele Personen sein kann, aber welche davon ist er eigentlich selbst?
weitere Preise:
Publikumspreis Spielfilm
„Ich sterbe. Kommst Du?“ (Regie: Benjamin Kramme)
Preis für den Gesellschaftsrelevanten Film
„Ich sterbe. Kommst Du?“ (Regie: Benjamin Kramme)
Wettbewerb Dokumentarfilm
Als Bester Dokumentarfilm wurde der Film „The Life of Sean Delear“ von Markus Zizenbacher ausgezeichnet. Der mit dem portraitierten Künstler und Sänger befreundete Filmemacher schuf seinen Film mit dem Material, was ihm sein Freund vererbt hat und schafft es, ihm damit ein Denkmal zu setzen. Gleich zwei Preise erhielt der Film „To close your Eyes and see Fire“ von Nicola von Leffern und Jakob Carl Sauer. Er bekam den Preis Preis der Filmkritik – Bester Dokumentarfilm und der Komponist Hvob wurde mit Beste Musik in einem Dokumentarfilm ausgezeichnet. Das Regie-Gespann erzählt von Beirut, nachdem im dortigen Hafen ein Düngerlager explodiert war, von traumatisierten Menschen und dem Wiederaufbau.
Der Publikumspreis unter den Dokumentarfilmen ging an „Yumi – The Whole World“ von Felix Golenko, der sich darin zusammen mit den studentischen Aktivisten aus dem pazifischen Inselstaat Vanuatu auf eine Reise rund um die Welt begibt, um für den Klimaschutz zu kämpfen. Ebenfalls kämpfen muss Olga Kosanovic in ihrem autobiographischen Langfilm-Debüt „Noch lange keine Lipizzaner“, in dem sie von den bürokratischen Hürden erzählt, die sich auch in Österreich geborenen Menschen stellen, wenn diese die Staatsbürgerschaft erlangen wollen. Dabei verwendet sie verschiedene Erzählformen, fiktive und fantastische Szenen und schafft es, mit Scharfsinn und Humor die Schwachstellen aufzuzeigen. Moritz Müller-Preißer hat es in für neuesten Film nach Utah verschlagen, wo er in „God’s Other Plan“ von einer Familie von (ursprünglichen) Mormonen berichtet, die jetzt in einen besonderen Patchwork-Familie ihr Glück gefunden haben.
Wettbewerb Mittellanger Film
Auch in diesem Jahr bot der Wettbewerb Mittellanger Film spannende Beiträge unter einer Stunde Länge. Als Bester Mittellanger Film wurde Julia Ketelhuts „Garnelius“ ausgezeichet, der ganz realitätsnah von einem Vater und seinen zwei Söhnen erzählt, bis der Alltagstrott auf einmal durch ein besonderes Ereignis durchbrochen wird. Den Publikumspreis erhielt die traurige, queere Liebesgeschichte „Skin on Skin“ von Simon Schneckenburger, der darin mit einem hohen Realitätsanspruch gesellschaftliche und arbeitsrechtliche Missstände anprangert. Auch „Salty Tongues“ von Dyaa Naim erzählt authentisch vom Geflüchteten-Leben, doch verwendet er dann auch ein Genre-Element, um die Aussage seines Films zu verstärken. Die starken Beiträge des Wettbewerbs brauchten keine speziellen Settings oder mussten große Geschichten erzählen, sondern setzten einfach ihre Protagonist:innen ins Zentrum. So auch bei dem schweizer Film „Wie war Dein Tag?“ von Kim Gabbi, der den Tag einer Frau einfängt, die ihren bisherigen beruflichen Weg verlassen hat. Die beiden Protagonist:innen in „Short Notice“ von Athina Gendry haben nur 24 Stunden Zeit, um gemeinsam Leipzig zu erkunden und sich besser kennenzulernen. Mit viel Gefühl, Authentizität, einem tollen Bandauftritt (Kapatult) und dem Gefühl einer durchgemachten Nacht wird das Publikum dabei wunderbar abgeholt.
Wettbewerb Kurzfilm
Als Bester Kurzfilm wurde der in Großbritannien gedrehte Kurzfilm „God is Grey“ von Jennifer Drake, der von einer queeren Liebe, Verlust und einem nicht-stattgefundenen Coming-Out erzählt. Den Publikumspreis gewann Reza Rasoulis Film „Night of Passage“, der drei junge Menschen bei ihrer Flucht aus dem Iran begleitet und es schafft, die vielen Gefühle während dieser Flucht zu vermitteln. Beide Filme beschäftigen sich dabei mit dem Beginn eines neuen Lebens. Auch in anderen Kurzfilmen ging es um ein Aufbrechen und Veränderung. In „At Home I feel like Leaving“ fängt der Regisseur Simon Maria Kubiena ein, wie es sich anfühlt, in die Heimat (wenn auch nur für kurz) zurückzukehren. Der etwas überdrehte „La Passerella di Amelie“ von Jan Koslowski erzählt von dem Kontrast zwischen Stadt- und Landleben. In „Blutsschwestern“ von Benita Martins, Runa Schymanski und Hannah Rang gehen drei Freundinnen auf eine mystische Reise. Die beiden Kurzfilme „Taschengeld“ von Matteo Sanders und „1:10“ von Sinan Taner beschäftigen sich mit moralischen Fragen und verwenden dafür einen realistisches Setting. Der zweite Film verwendet dazu noch eine stets erhöhte Perspektive, was der Geschichte eine ganz eigene Dynamik verleiht. Auch die Kameraarbeit in „Neun Tage im August“ ist besonders, so dass die Regisseurin Elly Knorz ihre Geschichte über eine Abtreibung und dem Aufwand, der da durch entsteht, in einem schönen Stil erzählt. Aus der Vielzahl von realistisch inszenierten Geschichten stach der Kurzfilm „Anxiety Anthem“ von Diego Oliva Tejeda hervor. Er erzählt als Musical mit schwarz-weiß-Aufnahmen und einer Handpuppe von Depressionen und wie sich die betroffenen Personen dadurch fühlen.
Watchlist
Im Watchlist-Programm kann man in jedem Jahr aktuelle Arbeiten ehemaliger Festivalteilnehmer:innen sehen. In diesem Jahr liefen in diesem Programm Filme, die bereits auf anderen Festivals erfolgreich gelaufen sind, wie „Sparschwein“ von Christoph Schwarz und „Another German Tank Story“ von Jannis Alexander Kiefer, der im April in die Kinos kommt. Ebenfalls bald in die Kino kommt der neueste Film von Kurdwin Ayub („Sonne“): „Mond“ erzählt die Geschichte einer Kampfsportlerin, die ein attraktives Angebot erhält und im Privatunterricht in einer reichen arabischen Familie geben soll und nicht ahnen kann, in was sie vor Ort hinein gezogen wird. Die beiden Dokumentationen „Jenseits von Schuld“ und „Heute ist das Gestern von Morgen“ beschäftigen sich mit dem Umgang mit dem Grauen. Im kleinen Rahmen porträtiert der erste Film die Eltern eines Serienmörders und wie sie mit ihm und seiner Tat umgehen und wie sich ihr Leben dadurch verändert hat. Die zweite Dokumentation fragt nach den Aufgaben und der Rolle von Gedenkstätten der NS-Verbrechen anhand des Konzentrationslager Dachau bei München und bietet spannende Einblicke in die Erinnerungskultur- und mechanismen, gerade in Hinblick, dass es immer weniger Zeitzeugen gibt.
Nebenreihen und Sonderprogramme
Neben den Wettbewerben gehören zu dem Festival auch viele Nebenreihen und Sonderprogramme. So gab es auch in diesem Jahr wieder einen Film von Max Ophüls, einen Tribut-Film für Wolfgang Staudte und eine Filmreihe zu einem Filmemacher, der beim Festival seine Karriere begonnen: Dieses Mal Christian Petzold mit Filmen wie „Die innere Sicherheit“ (200) und „Transit“ (2018). Zum zweiten Mal gab es in diesem Jahr die Reihe ‚MOP-Serien‘ mit vier deutschen Serien. Auch gab es wieder einen Kinder- und Jugendfilmblock mit Kurzfilmen wie „Ummi und Zaki“ von Daniela Opp, „Schwarzmoll“ von Alessia Mandanici und Spielfilme wie „Mels Block“ und den albernen Kinderfilm „Akiko, der fliegende Affe“ von Veit Helmer („Gondola“ (2023)).
Auch der Austausch mit anderen Festivals gehört zum Max Ophüls Filmfestival zum festen Programm dazu. Das Filmfestival Cottbus steuerte einen seiner Wettbewerbsfilme („Our Lovely Pig Slaughter“) bei, das Bundesfestival Junger Film zeigte in seinem Gastprogramm eine schöne Auswahl an Kurzfilmen u.a. „Ins wilde Land“ und „Soma und Rasmus“. Der Regisseur Duc Ngo Ngoc präsentierte mit seinem ‚Dreh’s um‘-Programm eine Auswahl dokumentarischer Kurzfilme aus der deutsch-vietnamische Gemeinschaft. In der Reihe SaarLorLux, in der man sehr unterschiedliche Filme aus der namensgebenden Großregion sehen kann u.a. der Kurzfilm „Kannerspill“ von Eileen Byrne, lief auch die so ehrliche und mitreißende Dokumentation „Mutantin“ von Sonja Ortiz und Amor Schumacher. Darin berichten die beiden von der Entscheidung einer Frau, sich aufgrund eines hohen Krebsrisikos die Brüste entfernen zu lassen und gleichzeitig mit anderen lebensverändernden Fragen konfrontiert wird.
Fazit: Auch die 46. Ausgabe des Saarbrücker Filmfestival, das eine der wichtigsten Adressen für den deutschsprachigen Film ist und auch ein Sprungbrett für viele Regisseur:innen darstellt, war vollgepackt mit vielen starken Spiel- und Dokumentarfilmen. Dabei gibt das Festival allen Genren, Filmlängen und Erzählformen ein Zuhause und fängt so die Bandbreite und Vielfalt des Filmschaffens ein. So verwundert es nicht, dass in diesem Jahr die Vorstellungen so gut besucht wurden, dass Rekordzahlen verzeichnet wurden.
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Website des Filmfestival Max Ophüls Preis
- Wikipedia-Artikel über das Filmfestival Max Ophüls Preis