„Pfau – bin ich echt?“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der Spielfilm „Pfau – bin ich echt?“ (OT: „Pfau – bin ich echt?“, Österreich/Deutschland, 2025) ist der erste Langfilm des österreichischen Filmemachers Bernhard Wenger, der das Publikum auf Festivals bereits mit vielen Kurzfilmen wie „Aufnahmen einer Wetterkamera“ oder „Guy Proposes to His Girlfriend on a Mountain“ begeistern konnte. Er blieb in seinem Kino-Debüt nicht nur seinem Stil treu, sondern konnte auch noch Albrecht Schuch für die Hauptrolle gewinnen.

Matthias (Albrecht Schuch) leitet zusammen mit David (Anton Noori) eine Rent-a-Friend-Agentur. Er selbst ist der beste Mann für alle Aufträge und schlüpft mühelos in alle Rollen, sei es der Piloten-Vater, der Musik-Connaisseur oder der perfekte Sohn, um den Vater auch politisch voranzubringen. Doch im Privaten weiß Matthias kaum noch, wer er ist, weshalb ihn seine Freundin Sophia (Julia Franz Richter) auch verlässt. Hinzu kommt, dass die neueste Klientin Vera (Maria Hofstätter) indirekt ihren Mann auf ihn hetzt und er sich immer öfter fragt, wer er eigentlich ist. Vielleicht kann ihm eine norwegische Bekanntschaft Ina (Theresa Frostad Eggesbø), die ihm überall begegnet, helfen, das herauszufinden?

und Albrecht Schuch

Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Bernhard Wenger erzählt in seinem ersten Langfilm von einem Mann, der sich verloren hat. Dabei schuf er die Figur Matthias nicht eindimensional. Das Publikum hat Mitleid mit ihm, möchte ihn aber auch von Zeit zu Zeit schütteln. Der Wunsch, dass er sich aus allen befreit, ist genauso groß wie der, dass am Ende alles wieder gut wird. Albrecht Schuch („Systemsprenger“ (2019), „Berlin Alexanderplatz“ (2020)) ist dafür genau der richtige Darsteller. Er weiß alle Ambivalenzen genauso gut einzufangen, wie er mühelos in alle Rollen, die Matthias verkörpert, schlüpft. Wunderbar ist, dass sein zerknirschtes Gesicht so viel über sein Inneres preisgibt, und die Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit verdeutlicht. So fühlt sich der finale Akt des Sich-Luft-Machens, der ein Befreiungsschlag ist, wie ein Happy End an. 

Julia Franz Richter und Albrecht Schuch

Inszeniert ist der Film fantastisch. Die Räume – vor allem das sehr aufgeräumte und kühl wirkende Haus von Matthias – sind perfekt arrangiert und spiegeln viel von den Persönlichkeiten wider. Die Menschen wirken zum Teil wie Fremdkörper darin, vor allem, wenn sie selbst nicht so recht wissen, wohin mit sich. Die Kameraarbeit ist präzise und arbeitet sehr gut mit dem Kontrast von Nahaufnahmen und Totalen und baut auch interessante Blickwinkel mit ein. Die Besetzung ist auch in den Nebenrollen sehr gut ausgewählt, sei es Roland Silbernagl als Retreat-Guru oder Anton Noori als sympathischer Freund und Geschäftspartner. Auch Julia Franz Richter („Rubikon“ (2022)) und Maria Hofstätter („Des Teufels Bad“ (2024)) spielen ihre Rollen sehr gut und haben sich zu einer festen Größe der österreichischen Schauspielbesetzung gemausert.

Albrecht Schuch

Durch und durch ist Wenger hier ein stylischer Film gelungen, der eine wahre Freude daran hat, das Seelenleben seiner Protagonist:innen der Ausstattung gegenüberzustellen. Wie schon bei seinem großartigen Kurzfilm „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ schafft er es, einen Spannungsraum zwischen Architektur und den Menschen zu entwickeln, der hier auch vollends zum Tragen kommt. Hinzu kommt, dass alles von feinstem Humor durchwoben ist, auch wenn man nicht schallend lachen muss, bringt einen Wenger immer wieder zum Schmunzeln und bringt so Leichtigkeit in seinen doch eher melancholischen Film.

Anton Noori und Albrecht Schuch

Fazit: „Pfau – bin ich echt?“ ist der erste Langfilm des österreichischen Filmemachers Bernhard Wenger. Er schuf eine perfekt inszenierte und hervorragende besetzte Tragikomödie und baute ein gelungenes Spannungsfeld zwischen der eigenen Darstellung, der Umgebung und dem Wie-man-sich-fühlt auf und gibt Albrecht Schuch in der Hauptrolle die perfekte Bühne.

Bewertung: 9/10

Kinostart: 20. Februar 2025

Trailer zum Film „Pfau – bin ich echt?“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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