97. Oscarverleihung 2025

Doreen Kaltenecker
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2. März 2025 / Dolby Theatre in Los Angeles

© Academy of Motion Pictures and Art

Bericht: Am 2. März 2025 wurden im von den Waldbränden geschädigten Los Angeles im Dolby Theatre die Academy Awards of Merit, kurz die Oscars, verliehen. Zum ersten Mal moderierte der Late Night Talker Conan O’Brien die Gala. In der beinahe vierstündigen Verleihung wurden 23 Trophäen an 14 Filme verliehen. Dabei waren vor allem die Independent- und Low-Budget-Filme die großen Gewinner des Abends. 

Der amerikanische Spielfilm „Anora“ von Sean Baker, der bereits mit Filmen wie „Tangerine L.A.“ (2015) und „The Florida Project“ (2017) auf sich aufmerksam machte, hat vier der fünf Nominierungen gewonnen. Nur der Nebendarsteller Juri Borissow ging leer aus. Als ‚Bester Nebendarsteller‘ wurde zurecht Kieran Culkin in „A Real Pain“ von Jesse Eisenberg ausgezeichnet. Sean Bakers Film gewann nicht nur den Hauptpreis als ‚Bester Film‘, sondern überraschte auch mit dem Oscar für Mikey Madison als ‚Beste Hauptdarstellerin‘. Hier hatte man fest damit gerechnet, dass Demi Moore den Preis mit nach Hause nimmt, welche in „The Substance“ von Coralie Fargeat nicht nur eine beeindruckende Performance zeigte, sondern auch zum aller ersten Mal für einen Oscar nominiert war. Der Genre-Film aus Frankreich, der insgesamt fünfmal, u.a. die Regisseurin als einzige Frau in der Kategorie ‚Beste Regie‘, nominiert war, konnte nur den Oscar für ‚Bestes Make-up und beste Frisuren‘ gewinnen. Genrefilme haben es bei den Oscars generell immer etwas schwerer, außer sie wissen sich geschickt, als Drama zu verkleiden. Dass Genre-Filme übersehen werden, traf nicht nur „The Substance“ sondern auch den Vampir-Film „Nosferatu“ von Robert Eggers, der keine seiner vier Nominierungen mit nach Hause nehmen konnte. Noch überraschender ist aber, dass das Bob-Dylan-Biopic „A Complete Unknown“ von James Mangold komplett leer ausgegangen ist – galt es doch als einer der großen Favoriten dieser Verleihung. „Anora“ konnte noch drei weitere Trophäen gewinnen: ‚Bester Schnitt‘, ‚Beste Regie‘ und ‚Bestes Originaldrehbuch‘ gingen alle drei an Sean Baker selbst. In der letzten Kategorie waren Tim Fehlbaum mit seinem Drama „September 5“ und das bereits erwähnte Drama „A Real Pain“ ebenfalls nominiert. 

Auch der zweite Film, der in diesem Jahr drei seiner zehn Nominierungen gewinnen konnte, war ebenfalls ein Independent-Film: Das Einwanderungs-Drama „Der Brutalist“ von Brady Corbet. Die Kameraarbeit von Lol Crawley (hier war u.a. auch „Maria“ von Pablo Larraín nominiert) und die Filmmusik von Daniel Blumberg wurden ausgezeichnet. Als ‚Bester Hauptdarsteller‘ gewann Adrien Brody seinen zweiten Oscar nach „Der Pianist“ (2002). Obwohl es vorher viele Debatten um die AI-Verstärkung seines ungarischen Dialekts gab, konnte er sich gegen die starke Konkurrenz u.a. Colman Domingo in „Sing Sing“, der keine seiner drei Nominierungen gewinnen konnte, und Sebastian Stan als Donald Trump in „The Apprentice“ durchsetzen konnte. Auch Jeremy Strong wurde für den Film von Ali Abbasi mit der Nominierung als ‚Bester Nebendarsteller‘ bedacht. Auch ein weiterer Film mit Sebastian Stan war in einer Nebenkategorie nominiert: „A Different Man“. Adrien Brody hielt die längste Rede des Abends und schaffte es sogar, die Musik abzubrechen, die zwischendurch einsetzte. Die Botschaft seiner Rede war nicht direkt politisch, sondern spannte den Bogen von einer persönlichen Sicht zu dem Wunsch nach einem respektvollen, friedlichen und inklusiven Miteinander. 

Unglaubliche dreizehn Nominierungen hatte das französische Musical „Emilia Pérez“ von Jacques Audiard erhalten. Doch durch die Skandale rund um die Hauptdarstellerin Karla Sofía Gascón entwickelte sich der Film schon im Vorfeld zum Verlierer des Abends. Trotzdem konnte er noch zwei Oscars mit nach Hause nehmen. Als ‚Beste Nebendarstellerin‘ wurde Zoe Saldana ganz zurecht ausgezeichnet und lieferte eine sehr bewegte Rede und einen seltsamen Kommentar zu den Haaren ihres Mannes ab. Ebenfalls konnte der Film für den Song „El Mal“ den Oscar als ‚Bester Filmsong‘ gewinnen, hier war das Musical auch zweimal nominiert. Das andere Oscar-nominierte Musical war Jon M. Chus Broadway-Adaption „Wicked: Part 1“. Die beiden Hauptdarstellerinnen Cynthia Erivo und Ariana Grande-Butera eröffneten die Oscarverleihung mit einem Medley, bevor der Moderator Conan O’Brien in einer nachgestellten Szene aus „The Substance“ aus Demi Moores Rücken kroch, was ihm dann sichtlich unangenehm war. Wicked: Part 1“ war auch in zehn Kategorien nominiert und war, wie im letzten Jahr „Barbie“, ein Gute-Laune-Garant an den Kinokassen, aber kein großer Oscarfavorit. Gewinnen konnte er dann dennoch die beiden Preise für ‚Bestes Szenenbild‘ und ‚Bestes Kostümdesign‘. Mal sehen, ob uns im nächsten Jahr „Wicked: Part 2“ bei der Oscarverleihung wieder begegnen wird. Ebenfalls ein großer Blockbuster war der bereits Anfang 2024 in den Kinos gewesene „Dune: Part Two“ von Denis Villeneuve. Dieser ging mit fünf Nominierungen u.a. für den ‚Besten Film‘ an den Start und konnte ‚Bester Ton‘ und ‚Beste visuelle Effekte‘ gewinnen. Als Teil des SFX-Teams konnte der Schwabe Gerd Nefzer seinen dritten Oscar mit nach Hause nehmen und bedankte sich spontan auch auf Deutsch. In dieser Kategorie finden sich wie in jedem Jahr immer wieder Filme, die man sonst nicht bei den Oscars antrifft, so waren auch „Better Man“ – der Robbie-Williams-Affen-Film, „Alien Romulus“ und „Planet der Affen: New Kingdom“ hier nominiert. Der letzte Film, der viele Nominierungen erhalten hatte, war das spannende Papst-Drama-Kammerspiel „Konklave“ von Edward Berger. Am Ende konnte er von seinen acht Nominierungen nur den Oscar für ‚Beste adaptierte Drehbuch‘ gewinnen. In der Kategorie war auch die Romanverfilmung „Nickel Boys“ von RaMell Ross zu finden. 

In diesem Jahr war die Auswahl an Animationsfilmen äußerst stark. Es gab die zwei großen Studioproduktionen „Alles steht Kopf 2“ und „Der wilde Roboter“, der darüber hinaus auch noch in den Kategorien ‚Bester Ton‘ und ‚Beste Filmmusik‘ nominiert war. Weiterhin gab es zwei liebevoll geschaffene Stop-Motion-Filme: Der britische „Wallace und Gromit – Vergeltung mit Flügeln“ von den Aardman-Studios und der berührende „Memory of a Snail“ des Australiers Adam Elliot. Doch gegen all diese Filme konnte sich der mit der Software Blender geschaffene „Flow aus Lettland von Gints Zilbalodis durchsetzen. Der Film hatte bis dato schon eine unglaubliche Festivalkarriere hinter sich und ist auch der meistgesehene Film in Lettland und konnte das jetzt noch mit einem Oscargewinn abrunden. Er war ebenfalls in der Kategorie ‚Bester internationaler Film‘ nominiert. Der Preis ging nicht an den deutschen Beitrag „Die Saat des heiligen Feigenbaums“, sondern an den brasilianischen Film „Für immer hier“ von Walter Salles, der auch als ‚Bester Film‘ nominiert war. Das war der erste Oscar als ‚Bester Film‘ für Brasilien. Als ‚Bester animierter Kurzfilm‘ wurde der iranische „In the Shadow of the Cypress“ – eine Trauma-Familiengeschichte – ausgezeichnet. Doch hier tummelten sich noch vier weitere wunderbare Filme, die auf ihre Weise einfach mehr berühren konnten: Der japanische „Magic Candies“, der französische „Yuck!“ und der niederländische „Beautiful Men“ von Nicolas Keppens. Besonders in Erinnerung bleibt aber der „Wander to Wonder“ der niederländischen Regisseurin Nina Gantz. Als ‚Bester Kurzfilm‘ wurde „I’m Not a Robot“ von Victoria Warmerdam, der erzählt, wie eine Frau herausfindet, dass sie eigentlich ein Roboter ist, ausgezeichnet. Dies ist leichtfüßig inszeniert und setzt sich gegen eine Reihe sehr schwerer Stoffe durch wie Einwanderungsgesetze in den USA („A lien“), Kriegsverbrechen („Der Mann, der nicht schweigen wollte“), Kinderarmut („Anuja“) und illegale Wilderei („The last Ranger“) durch. Als ‚Bester Dokumentar-Kurzfilm‘ wurde die Netflix-Doku „Die einzige Frau im Orchester“ von Molly O’Brien ausgezeichnet. Der Oscar für den ‚Besten Dokumentarfilm‘ ging an „No Other Land“, der bereits auf der 74. Berlinale 2024 als ‚Bester Dokumentarfilm‘ ausgezeichnet wurde. 

Alle Preisträger-Filme 

Anora“ (2025, USA, Regie: Sean Baker)

  • Bester Film für Sean Baker 
  • Beste Regie für Sean Baker
  • Beste Hauptdarstellerin für Mikey Madison
  • Bestes Originaldrehbuch für Sean Baker 
  • Bester Schnitt für Sean Baker

Der Brutalist“ (OT: „The Brutalist“, 2024, USA, Regie: Brady Corbet)

  • Bester Hauptdarsteller für Adrien Brody
  • Beste Kamera für Lol Crawley
  • Beste Filmmusik für Daniel Blumberg

Emilia Pérez“ (Frankreich, 2024, Regie: Jacques Audiard)

  • Beste Nebendarstellerin für Zoë Saldaña
  • Bester Filmsong für „El Mal“ (Clément Ducol, Camille und Jacques Audiard)

Wicked“ (USA, 2024, Regie: Jon M. Chu)

  • Bestes Szenenbild für Nathan Crowley und Lee Sandales
  • Bestes Kostümdesign für Paul Tazewell

Dune: Part Two“ (USA, 2024, Regie: Denis Villeneuve)

  • Bester Ton für Gareth John, Richard King, Ron Bartlett, Doug Hemphill
  • Beste visuelle Effekte für Paul Lambert, Stephen James, Rhys Salcombe, Gerd Nefzer

A Real Pain“ (USA/Polen, 2024, Regie: Jesse Eisenberg)

  • Bester Nebendarsteller für Kieran Culkin

Konklave“ (OT: „Conclave“, USA/UK, 2024, Regie: Edward Berger)

  • Bestes adaptiertes Drehbuch für Peter Straughan

The Substance“ (USA/UK/Frankreich, 2024, Regie: Coralie Fargeat)

  • Bestes Make-up und beste Frisuren für Pierre-Olivier Persin, Stéphanie Guillon, Marilyne Scarselli

Flow“ (Lettland, 2024, Regie: Gints Zilbalodis)

  • Bester Animationsfilm

Für immer hier“ (OT: „Ainda estou aqui“, Brasilien, 2024, Regie: Walter Salles)

  • Bester internationaler Film

No Other Land“ (Palästina/Norwegen, 2024, Regie: Basel Adra, Rachel Szor, Hamdan Ballal, Yuval Abraham)

  • Bester Dokumentarfilm

Die einzige Frau im Orchester“ (OT: „The Only Girl in the Orchestra“, USA, 2024, Regie: Molly O’Brien)

  • Bester Dokumentar-Kurzfilm

I’m Not a Robot“ (Niederlande, 2023, Regie: Victoria Warmerdam)

  • Bester Kurzfilm

In the Shadow of the Cypress“ (Iran, 2023, Regie: Shirin Sohani und Hossein Molayemi

  • Bester animierter Kurzfilm

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über die Oscarverleihung 2025
  • 2025 Oscars Guide And What’s Making Us Happy, in: Podcast: NPR Pop Culture Happy Hour, 28.02.2025.
  • Anke Leweke & Antje Sieb: Oscar-Verleihung Wie die Dankesreden der Stars waren, in Podcast: Deutschlandfunk Kultur – Fazit, 03.03.2025.

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