“The Florida Project” (2017)

Poster des Films "The Florida Project"Filmkritik: Der Newcomer-Regisseur Sean Baker machte mit modernen Filmen, die den Finger auf die richtigen Stellen legen, auf sich aufmerksam. Seine Inszenierung ist dabei bunt und laut wie in seinem komplett mit dem Smartphone gedrehten Film “Tangerine L.A.” (2015). Auch sein neuestes Werk “The Florida Project” (OT: “The Florida Project”, USA, 2017) ist vieles auf einmal und wurde mit seinem bekannten Nebendarsteller Willem Dafoe sogar mit einer Oscarnominierung bedacht.

In dem Motel ‘Magic Kingdom’, einige Kilometer vor dem Disney-Resort in Orlando (Florida), wohnen viele Dauergäste. Der Manager Bobby (Willem Dafoe) hält das Motel am Laufen und ist dabei oft Vater, Bruder, Hausmeister und guter Geist für viele Bewohner. Darunter auch für die sechsjährige Moonee (Brooklynn Prince) und ihre Mutter Halley (Bria Vinaite). Für Moonee und ihre Freunde, darunter die kleine Jancey (Valeria Cotto), ist das Motel ein großer Abenteuerspielplatz und sie halten die Bewohner mit ihren Streichen auf Trab. Ihre Mutter dagegen schlägt sich jeden Tag aufs Neue durch, um die Miete zusammenzubekommen, und vergisst dabei von Zeit zu Zeit auch, eine Mutter zu sein.

Zusammen mit dem Autor Chris Bergoch schuf der Regisseur Sean Baker (*1971) das Drehbuch zu seinem sechsten Film. Bergoch hatte die grundlegende Idee dazu, als er in Florida mit dem Auto an vielen Motels dieser Art vorbei fuhr und sich fragte, wer die Bewohner sind. Trotz der Nähe zu Disneyland wohnen in diesen kunterbunten Motels keine Touristen, sondern Menschen am Rande der Gesellschaft. Obwohl die Mieten horrend teuer sind und im Monat genauso viel oder gar mehr kostet als eine Mietwohnung, leben hier viele Menschen, da sie die Miete nur tagtäglich abgeben müssen. Sean Baker fängt die Geschehnisse durch die Augen von Kindern ein. Für sie ist die bunte Motel-Welt mit all ihren besonderen Bewohnern ein großer Abenteuerspielplatz, an dem sie viele Streiche spielen können. Diese Sicht dominiert die Bilder, doch verschleiert sie nicht, was in der Gesellschaft schief gehen kann. So thematisiert Baker viele schwierige Themen, wie Prostitution, Pädophilie und Drogensucht. Doch indem er stets den Blick von Mooney wählt, sieht der Zuschauer die Welt durch die kindliche Brille der Unschuld. Der Zuschauer bildet sich seine Meinung und muss sich unweigerlich fragen, was aus Kindern, welche in so einem Umkreis aufwachsen, werden wird.

Das Ganze wurde in kunterbunten, sommergeschwängerten Bildern eingefangen, die das perfekte Abbild von Mooneys Welt sind. Diese wird von Brookyln Prince mit viel Authentizität und unbekümmerter Spielwut wiedergegeben. Aber auch die Nebenrollen wie Bria Vinaite und natürlich dem großartigen Willem Dafoe (“Die Tiefseetaucher” (2004), “Beyond: Two Souls” (PS3, 2013)) passend ausgewählt. Durch den gewissen Starcharakter den Dafoe besitzt, konnte der Film einem größeren Publikum offeriert werden. Auch die Kamera, welche hier sehr klassische Arbeit leistet und im starken Gegensatz zu dem mit einem Smartphone gefilmten “Tangerine L.A.” steht, sowie die souveräne Musikuntermalung unterstützen eine breitere Kinoauswertung. Dadurch kann Baker und sein Team ein sperriges Thema vielen Menschen zugänglich machen. Er benutzt die schönen Bilder für wichtige, moralische Fragen und wählte dafür absichtlich einen klassischen Look. Diese Mischung funktioniert und überzeugt.

Fazit: Der amerikanische Spielfilm “The Florida Project” besticht mit seiner Mischung aus Authentizität, kindlicher Perspektive und souveräner Gestaltung. Dabei schaffen Baker und sein Drehbuchautor Bergoch eine Alltagsgeschichte, in der sie viele Themen und gesellschaftskritische Töne einbauen. Dies passiert aber nie aufdringlich, sondern meist fluffig und leicht. Zusammen mit den sehr guten Darstellern ergibt es einen überzeugenden, stimmigen Film, für den man sich freut, dass er sogar bei 90. Oscars erwähnt wurde.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 15. März 2018, DVD-Start: 2. August 2018

Der Trailer zum Film “The Florida Project”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.