„Blueberry“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der schwedische Kurzfilm „Blueberry“ von Emil Brulin und Hampus Hallberg sorgte für große Erheiterung in der Eröffnung des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026, und erzählt auf leichtfüßige Weise von Verlust und dem Umgang damit.

Oscar (Hampus Hallberg) kann den Tod seiner Mutter schlecht verarbeiten und zieht sich emotional zurück. Um dem entgegenzuwirken, beschließt er, an einem freizügigen Festival im Stil des Burning Man teilzunehmen. Durch massiven Drogeneinfluss findet er sich am nächsten Tag so gut wie nackt, verletzt und desorientiert im Wald wieder. Als er der Heidelbeerpflückerin Naiyana (Amornrat Mee Thibblin) begegnet, bittet er sie um Hilfe.

Der 15-minütige Kurzfilm ist auf den ersten Blick eine unterhaltsame Culture-Clash-Komödie über einen hilflosen Mann, der von überraschender Seite Hilfe erhält. Dabei schaffen sie sehr komische Situationen, die aus der Nacktheit, sowie der Verletzlichkeit aber auch der Stärke von Naiyana entstehen. Doch darunter ist der Film noch viel mehr: Zum einen erzählt er von Verlust und wie schwer es manchmal ist, damit umzugehen. Was ist der richtige Weg für Trauer? Hier findet die Hauptfigur eine Art Ersatz-Mutter, die ihm hilft und von der er sich am Ende verabschieden muss und so sich noch mal dem Trennungsprozess widmen kann.

Fredrik Sellergren

Amornrat Mee Thibblin und Hampus Hallberg

Hinzu kommt eine feine Gesellschaftskritik. Es geht um das ausbeuterische System, in dem Naiyana arbeitet. Der Sack voller Heidelbeeren ist wirklich wichtig für ihre Existenz und, dass sie am Ende leer ausgeht, ist ein trauriger Realitätsabgleich. Inszeniert haben das die beiden Regisseure Emil Brulin und Hampus Hallberg („Magnus är sexist“ (2020)), die auch das Drehbuch zusammen geschrieben haben, sehr leichtfüßig. Sie fanden nicht nur die perfekten Drehorte, sondern gestalteten auch das weltfremde Festival wunderbar ansprechend. Hinzu kommt das fantastische Spiel aller Beteiligten, allen voran der Regisseur Hallberg selbst, der Oscar mit seiner Nacktheit und Verletzlichkeit wunderbar zum Leben erweckt, und seiner Sparring-Partnerin Amornrat Mee Thibblin, die so authentisch und ungekünstelt wirkt.

Fazit: „Blueberry“ ist ein Kurzfilm von Emil Brulin und Hampus Hallberg, der auf leichtfüßige und unterhaltsame Weise sich mit Themen Trauer und Verlust beschäftigt und gleichzeitig noch im Kleinen auf gesellschaftliche Missstände beschäftigt und das alles in nur 15 Minuten.

Bewertung: 4/5

Trailer zum Kurzfilm „Blueberry“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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