“One Shot Left” (2016)

© Nomis

Filmkritik: Der Jung-Regisseur und Drehbuchautor Manuel Vogel (*1991) liefert mit seinem Abschluss-Kurzfilm “Schnee in Rio” (2013) gute Unterhaltung ab und zeigt bereits da großes handwerkliches Geschick. Für seinen ersten Langfilm – “One Shot Left” (Deutschland, 2016) – wählte er ein ambitioniertes Projekt: Er schuf einen Actioner ohne Schnitte.

Die Urban-Explorerin Jessica (Viviana Ross) macht sich mit ihrem Kumpel Markus (Benedikt Blaskovic) auf den Weg, eine verlassene Fabrik, über die es schon viele ominöse Gerüchte gibt, zu erkunden. Als Führer begleitet sie Mike (Maik van Epple), der das Gelände bereits kennt und die gleiche Leidenschaft wie Jessica für verlassene Orte hegt. Doch kurz nach der Ankunft wird klar, dass die Fabrik nicht so verlassen ist, wie geglaubt, und dann verschwindet auch noch Markus. Doch Jessica hat nicht vor, ihren Freund zurückzulassen.

Viviana Ross
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Zusammen mit seinen Produzenten und Kameramann Konrad Simon überlegte sich Manuel Vogel ein ehrgeiziges Projekt. Die beiden waren von der Idee begeistern, eine stringente Action-Geschichte ohne Schnitte zu erzählen. Dies erfordert eine lange und intensive Vorbereitung, geschickte Techniken und gut geführte Kamera-Manöver. Zudem müssen Szenen, die sonst üblicherweise weggeschnitten werden, überbrückt werden. In den meisten dieser Punkte überzeugt “One Shot Left”. Die Geschichte ist sehr gut durchgeplant, so dass es keine Leerlaufstellen gibt und die Kamera bleibt fast immer direkt am Geschehen dran. Einzig allein störend dabei ist, dass man zu oft die Bewegungen des Kameramanns zu sehr vor Augen hat. So erkennt man deutlich, dass er hier und da selbst sportlich werden musste, um den Protagonisten zu folgen. So wäre eine geschmeidigere Kameraführung wünschenswert. Die Darsteller passen sich dieser Ohne-Schnitt-Herausforderung auch sehr gut an und können mit solidem Spiel und ebenso überzeugenden Englisch ihre Rollen gut ausfüllen. Sie schaffen es aber nicht, die Schwächen der Geschichte auszugleichen. Die ganze Handlung ist sehr unglaubwürdig. Die Entwicklung der Figuren ist zu stereotypisch, die Hintergründe sind zu konstruiert und der gesamte Film tut so, als ob Geocacher, die tagtäglich verlassene Ort erobern, nicht existieren. Leider schafft es Vogel auch nicht, die Geschichte mit stimmigen und kreativen Dialogen zu bereichern. Hier erkennt man viele bekannte Versatzstücke aus gängigen Actionfilmen, welche aber der tieferen Charakterisierung der Figuren nicht gut tun. Hinzu kommt, dass zwar die Szenerie für jeden Lost-Place-Liebhaber anziehend ist, aber diese nicht als geheime Forschungsstation überzeugen kann. So ist vor allem das Finale mit seinen Einblicken hinter die scheinbare Fabrikfassade stellenweise etwas lächerlich. Dass die Zuschauer unfreiwillig amüsiert werden an der ein oder anderen Stelle, steht vor allem mit einer anderen Schwäche des Films in Verbindung. Denn dem Actionfilm fehlt es an guter Kampfchoreographie und überzeugenden Stunts. Leider schafft es keiner der Darsteller, vor allem die beiden Frauenfiguren nicht, die Actionszenen realitätsnah aussehen zu lassen. Dadurch fehlt es dem Film im Gesamten an Spannung und Überzeugungskraft. Doch Manuel Vogel und sein Team machen einen guten Schritt in die richtige Richtung und das verspricht für die Zukunft interessante Projekte.

Maik van Epple
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Fazit: Der Debütlangfilm “One Shot Left” von Manuel Vogel feierte auf der Genrenale 2017 seine Weltpremiere und setzt eine ehrgeizige Idee um. Der Film ist in einem Rutsch ohne Schnitt abgedreht worden und zeigt gut die Ambitionen und die Leidenschaft aller Beteiligten. Doch leider besitzt der Film starke Drehbuch- und Dialogschwächen und kann trotz solider Darsteller als Actionfilm nicht überzeugen.

Bewertung: 5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle:

  • Programmheft der Genrenale 2017

Auf folgenden Festivals gesehen:

 

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