“Blade Runner 2049” (2017)

© Sony Pictures / Warner Bros. Pictures

Filmkritik: Im Jahr 1982 revolutionierte der britische Regisseur Ridley Scott (*1937) das Science-Fiction-Genre mit seinem dystopischen Film “Blade Runner”. Nach dem Roman “Träumen Androiden von elektrischen Schafen?” (OT: “Do Androids Dream of Electric Sheep?”, 1968) von Philip K. Dick schuf er eine nahe, düstere Zukunft, die eine tiefgreifende Philosophie beinhaltet. 35 Jahre später erscheint die Fortsetzung “Blade Runner 2049” unter der Regie des talentierten Denis Villeneuve (*1967).

Im Jahr 2049 in Los Angeles hat man aus der Vergangenheit gelernt und das Replikanten-Problem gelöst. Die alten Modellen werden immer noch von den Blade Runnern gesucht und getötet. K (Ryan Gosling) ist nicht nur Polizeibeamter und talentierter Blade Runner, sondern selbst ein Replikant. Erbarmungslos geht er seinem Job nach und führt ein einsames Leben nur mit seiner digitalen Frau Joi (Ana de Armas). Eines Tages kommt er bei einem Routinefall einem Geheimnis auf die Spur, geht diesem nach und trifft dabei auf den seit 30 Jahren verschwundenen Rick Deckard (Harrison Ford).

© Sony Pictures / Warner Bros. Pictures

Zusammen mit Michael Green schuf der Drehbuchautor Hampton Fancher (*1938), der bisher nur für vier Drehbüchern verantwortlich war (darunter Co-Autor bei “Blade Runner”), eine konsequente Weiterentwicklung des “Blade Runner”-Stoffes. Dabei basiert die Geschichte auf den Folgen, welche die Ereignisse des ersten Teils gelöst hatten, und wie die Welt sich darauf verändert hat. Die Vision, die geschaffen wurde, ist düsterer und trostloser als noch 30 Jahre zuvor. Den Replikanten wurden die Emotionen geraubt, die Gesellschaft benutzt jene wie Maschinen und lebt in einer Welt, die toxischer und kälter geworden ist.

© Sony Pictures / Warner Bros. Pictures

Um diese Version umzusetzen, wählten die Produzenten den kanadischen Regisseur Denis Villeneuve (*1967). Mit seinen Filmen wie “Prisoners” (2013), Sicario” (2015) und “Arrival” (2016) hat er sich international einen Namen gemacht und eine treue Fangemeinde gewonnen. Er selbst ist ein großer Fan des ersten Teil und wollte unbedingt den Segen von Ridley Scott, um sich dem Projekt anzuschließen. Den bekam er und so konnte er den Film mit größter Freiheit umsetzen. Dadurch erklärt sich auch der unverkennbaren Stil Villeneuves. Dies äußert sich nicht nur auf tonaler Ebene, sondern auch in den Filmaufnahmen. Mit langsamen Kamerafahrten und einem fast meditativen Festhalten und Erfassen von Gesichtern und Orten entschleunigt er die Geschichte. So ist der Film weit entfernt davon ein schneller Action-Film zu sein, sondern zeichnet sich trotz recht einfacher Geschichte durch seinen philosophischen Gehalt über das eigene Ich aus. In dieser dichten Atmosphäre etabliert er den Antihelden K und seine eigene Bewusstseinsfindung. Schon vor dem Schreiben des Drehbuches hatten die Filmemacher dafür Ryan Gosling im Blick. Dieser fügt sich recht gut in das Szenario ein, da seine oft unbeteiligte Miene dieses Mal gut zu seiner Rolle passt. Aber vor allem die anderen Rollen sind gut besetzt. Leider schaffen es dabei trotzdem nicht alle Figuren über eine gewissen Stereotypen hinaus zu treten. Vor allem die vermeintlichen Bösewichte sind dabei etwas zu überzeichnet geraten. Im Gesamten bietet “Blade Runner 2049” eine etwas dünnere Geschichte als sein Vorgänger und kann auch nicht unbedingt mit Überraschungen aufwarten, aber atmosphärisch und auf formaler Ebene ist der Film ein Genuss. Die BIlder, der Ton und die Stimmung hinterlassen einen Schauer bei dem Zuschauer.

© Sony Pictures / Warner Bros. Pictures

Fazit: Der Spielfilm “Blade Runner 2049” ist eine Verbeugung vor dem Original, nimmt sich dessen Stärken an und setzt die Geschichte konsequent fort. Aber trotzdem ist er in seinem Stil ein typischer Denis-Villeneuve-Film und kann so Liebhaber des Klassikers und Fans des Regisseurs gleichermaßer ansprechen. “Blade Runner 2049” ist ein gutes Beispiel dafür, dass man einer Fortsetzung auch gern mehr Zeit geben darf, um etwas gutes Neues zu schaffen.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 5. Oktober 2017, DVD-Start: 5. April 2018

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle:

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