„Rape Card“ (2017)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Kanada/ Fiktion / 2017

Poster zum Kurzfilm "Rape Card"Filmkritik: Bereits 2015 fiel der britische Regisseur Nathan Hughes-Berry mit seinem Film „The Substitute“ im Internationalen Wettbewerb des 27. Filmfest Dresden auf. Auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival 2018 begegnete uns in der ‚Europe in 19 Minutes‘-Reihe der Filmemacher mit seinem neuesten Film „Rape Card“ erneut.

In der nahen Zukunft wurden Vergewaltigungen legalisiert. Mit einer sogenannten Rape Card ist es jedem Mann erlaubt, einmal in seinem Leben eine Frau zu vergewaltigen. Die junge Frances (Madeleine Sims-Fewer) möchte aber selbst auswählen, wer ihr Peiniger wird. Als sie Eric (Rafferty Blumberg) begegnet, der gerade erst seine Rape Card erhalten hat und unter mächtig Druck von seinen Freunden steht, sieht sie eine Möglichkeit, ihr Schicksal selbst zu steuern.

Der britische Filmemacher Nathan Hughes-Berry arbeitet von Beginn an mit der Drehbuchautorin und Schauspielerin Madeleine Sims-Fewer zusammen, welche bei „Rape Card“ auch die Co-Regie übernahm. Entsprungen ist die Idee aus einem Alptraum, welchen die Autorin selbst hatte. Diesen bauten sie zu einem beängstigenden Szenario aus. In einer nahen Zukunft angesiedelt, erzählt der Film eine Geschichte, die möglich erscheint. In einer radikaleren Weise konnte man das schon in der „The Purge“-Reihe (2013-2021, „The First Purge“ (2018)) sehen. Doch „Rape Card“ bleibt näher dran an der Wirklichkeit und zeigt ungeschönt, wie sich der Alltag und vor allem das Leben aller durch so einen Erlass ändern würde. Status, gesellschaftliche Zwänge und Angst würde das Verhalten vieler definieren. So bewegt sich Hughes-Berrys Film auch nicht in einer bunten Science-Fiction-Welt wie „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ (2017) von Luc Besson oder ähnliche Vertreter, sondern bietet ein Bild von einer Zukunft, welches unserer Gegenwart gleicht. Die Filmemacher:innen wählten dafür einen authentischen Look und lieferten gleich am Anfang schonungslose Bilder, welche die Zuschauer sofort in die Geschichte hineinzieht. Gespielt wird die Hauptrolle der Frances von der Autorin selbst; sie belebt diese mit der richtigen Mischung aus Stärke und Angst. Im Gesamten ist der 15-minütige Kurzfilm „Rape Card“ eine mutige Geschichte. Ausgehend von einer erschreckenden Grundidee beschäftigt der Film sich mit der menschlichen Natur und schafft es, Fragen aufzuwerfen und so im Gedächtnis haften zu bleiben.

Bewertung: 7,5/10

Den Kurzfilm „Rape Card“ hier anschauen:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Rape Card“ (2017)

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