“Gabi” (2016)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2017

Poster des Kurzfilms "Gabi"Filmkritik: Auf der Berlinale 2017 feierte der Kurzfilm “Gabi” nicht nur seine Premiere, sondern wurde auch gleich mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Auch auf vielen anderen Festivals war er im Programm, darunter den 28. Bamberger Kurzfilmtagen 2018 und dem 29. Filmfest Dresden 2017, wo der zugleich bewegende wie urkomische Film den ‘Goldenen Reiter des Publikums’ im Nationalen Wettbewerb gewann.

Gabi (Gisa Flake) ist Fliesenlegerin und wohnt mit ihrem faulen Ehemann Edgar (Martin Neuhaus) im Potsdamer Plattenbau. Der Rücken geht ihr durch die Arbeit kaputt und alle Menschen erwarten, dass Gabi sich um alles kümmert. Als ihr Azubi Marco (Florian Kroop) immer wieder mit ihr durchspielt, wie er mit seiner Freundin Schluss macht, entdeckt sie die Schauspielerei für sich und gleichzeitig einen Weg ihre Gefühle auszudrücken.

Der Studenten-Film “Gabi”, welcher fast komplett ehrenamtlich unter der Regie von Michael Fetter Nathansky (*1993) realisiert wurde, ist eine bewegende Geschichte mit einer Frauenfigur, die man so selten auf der Leinwand sieht. Gabi ist ein guter Mensch, nicht intelligent, nicht schlank und lässt einfach zu viel mit sich machen. Bis sie endlich ein Ventil findet und so die Ungerechtigkeiten auf spielerische und amüsante Weise anprangern kann. Das ist ein Befreiungsschlag und setzt einem Typ Menschen ein Denkmal, welcher sonst nicht im Mittelpunkt steht. Geschrieben hat das Drehbuch, mit großen Vorbildern wie Woody Allen und Dardenne-Brüder im Sinn, der Regisseur Michael Netter Nathansky selbst, der nach eigenen Aussagen das Nicht-Gesagte und das Gesagte, was keine Wirkung hat, in den Vordergrund stellen wollte. Doch der größte Clou ist die Besetzung mit der Berliner Schauspielerin Gisa Flake (*1985, bisher noch gesehen bei “Tigermilch” LINK (2017)). Diese bringt Gabi mit all ihren Facetten und ambivalenten Gefühlen spürbar zum Ausdruck und verdoppelt die starke Wirkung des Films. Der Zuschauer ist auf ihrer Seite und lacht nie über sie, sondern freut sich über den Befreiungsakt. Im Gesamten ist “Gabi” ein wunderbarer Kurzfilm, der jede Auszeichnung verdient hat und zeigt, wie deutsches, kluges Kino sein kann.

Bewertung: 9/10

Der Trailer zum Kurzfilm “Gabi”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • 28. Bamberger Kurzfilmtage 2018 – Katalog (Wettbewerb “Drahtseilakte”)
  • 29. Filmfest Dresden 2017 – Katalog (Wettbewerb “Nationaler Wettbewerb”)
  • Wikipedia-Artikel zum Kurzfilm “Gabi”
  • Eintrag des Kurzfilms “Gabi“ im Programm der Berlinale 2017
  • Eintrag des Kurzfilms “Gabi” bei der “Filmbewertung Deutschland”
  • Bericht des RBB über den Kurzfilm “Gabi” auf der Berlinale 2017
  • Bericht des KSTA über den Kurzfilm “Gabi”
  • Bericht über die Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises an den Kurzfilm „Gabi“

2 Gedanken zu ““Gabi” (2016)

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