28. Bamberger Kurzfilmtage 2018

Lichtspielkino & Luli-Kino Bamberg / 22.-28. Februar 2018

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© Kurzfilmtage

Festivalbericht: Zum 28. Mal fanden im beschaulichen Bamberg in Oberfranken die Bamberger Kurzfilmtage statt. In zwei Kinosälen – im Lichtspielkino und im ehemaligen Luli-Kino, einem Club sowie der Stadtbibliothek wurde fast eine Woche lang der Kurzfilm gefeiert. Auch diesmal waren die meisten Vorstellungen ausgebucht, viele Filmemacher anwesend und es wurde wieder ein bunter Mix aus vielen Genres mit vielen Überraschungen präsentiert.

Den Kern eines jeden Festivals bilden die Wettbewerbe. Sieben Bamberger Reiter (samt Preisgeldern) konnten auch in diesem Jahr verliehen werden. In der Kategorie ‘Bester Kurzspielfilm’ gewann der Kurzfilm “All the Tired Horses” von Sebastian Mayr. Das bissige Gesellschaftsstück konnte sich gegen den großen Gewinner des 18. Landshuter Kurzfilmfestivals 2017  “Obst und Gemüse” von Duc Ngo Ngoc und die großartige Coming-of-Age-Geschichte “Bier und Calippo” von Paul Ploberger durchsetzen. Die Jugendjury wählte dagegen den Spielfilm “Pix” von Sophie Linnenbaum, welcher bereits erfolgreich auf vielen weiteren Festivals lief, zu ihrem Favoriten. Der mit 1000 Euro am höchsten dotierte Preis – der Publikumspreis – ging an den deutsch-kenianischen Oscaranwärter für den Besten Kurzfilm “Watu Wote”, das bewegende Debüt der Filmemacherin Katja Benrath. Neben dem großartigen Spielfilm “Gabi” und dem besonderen “Sara the Dancer” von Tim Ellrich fanden des weiteren die Kurzfilme “Facing Mecca”, “Close” und der Genrenale-Gewinner “Die besonderen Fähigkeiten des Herrn Mahler” besonderen Anklang beim Publikum.

Vor Vorstellungsbeginn ist das Foyer immer gut gefüllt

Im Wettbewerb um den besten Animation- und Experimentalfilm stachen besonders die sehr gut gemachten Animationsfilme “>” von den Filmemachern Sebastian Hühnel und Kate Haase, “Eine Villa mit Pinien”, welcher bereits auf dem 29. Filmfest Dresden 2017 ausgezeichnet wurde, und der Mix-Material Film “Sog” hervor. Gewonnen hat dagegen der gemalte Kurzfilm “The Man is Big” der Filmemacherin Anna Bergmann, der in bunten Farben traumwandlerisch seine Geschichte erzählt. Besonders in Erinnerung blieben aber auch die beiden Experimentalfilme “Elefant” von Suzanna Zawieja, welche mit ihrer filmischen Qualität an frühere Lynch-Werke erinnert, und der deutsche? “MY BBY 8L3W”, bei dem dem Zuschauer am Ende das Lachen im Hals stecken blieb.

Das alte Rathaus in Bamberg

Zu den vier Hauptpreisen werden in jedem Jahr auch ein Dokumentarfilm, ein regionaler Beitrag und ein Lieblingsfilm der Kinder ausgezeichnet. Im Wettbewerb ‘Oberfranken dreht auf’ treten Kurzfilme von Filmemachern aus der Region oder über die Region gegeneinander an. Ausgezeichnet wurde in diesem Jahr der Dokumentarfilm “Ernten was man sät” von Christian Beyer. Dieser erzählt von einem Selbsterntegarten in Bamberg und besticht vor allem mit seinem handwerklich guten Stil. Ganz anderer Natur trotz des dokumentarischen Blicks schien der Gewinner des Dokumentarfilmpreises: “Mr. Uppercut – How to be a Champion” von Maximilian Conway zu sein. Bei der Verleihung des Kinderkurzfilmpreises waren sich alle anwesenden Knirpse recht einig. “Ameise” der Filmemacherin Julia Ocker eroberte alle Herzen, so dass der amüsante “Wurst”, eine Liebesgeschichte zwischen Wurst und Brot, und der wunderschön aussehende “Shine” von Johannes Flick und Alexander Dietrich keine Chance hatten.

Lulikino

Lulikino

Auch in diesem Jahr wurden die Wettbewerbe durch viele Sonderprogramme bereichert. Wie erwartet waren auch wieder die Best-Of-Veranstaltungen und die internationale Zusammenstellung “Augenblicke” ausverkauft, aber auch die Spätvorstellungen, welche Lust und Grusel erzeugten, erfreuten sich eines vollen Hauses. Das Vienna-Short-Film Festival präsentierte den Zuschauern im Lichtspielkino eine bunte Mixtur aus künstlerisch wertvollen, erotischen Filmchen. Besonders hervor stachen dabei der französisch-tschechische Animationsfilm “Tram” und der britische Experimentalfilm “Dancers”, in dem 35 portugiesische Tänzer nach und nach die Hüllen fallen ließen. Ernsthafter ging es mit vielen sozialkritischen Filmen im Block ‘Fokus Griechenland’ zu. Aus dieser Zusammenstellung stach besonders der tragisch-komische “Fig” hervor, der die Zuschauer gleichermaßen amüsieren und bewegen konnte. Körperlich wurde es dann bei der Veranstaltung ‘200 Jahre Fahrrad’, da dort die Projektoren durch fleißiges Treten angetrieben werden mussten, während eine bunte Schau Kurzfilmen rund um das Thema Fahrrad präsentiert wurde.

Über den Dächern der Stadt

Abgeschlossen wurde das Festival mit dem Horrorblock “Das Grauen kommt um Mitternacht”, was in diesem Jahr von der Hamburger Kurzfilmagentur zusammengestellt wurde. Dabei präsentierten sie eine Art Best-Of aus 30 Jahren Kurzfilmhorrorgeschichte, so dass man einiges bereits Gesehenes wiederentdecken konnte. Darunter befanden sich auch der wunderbare David-Lynch-Film-artige “Kitchen Sink” von 1989 und der witzig gemachte “Do You have the Shine?” aus Schweden. Besonders heraus stach der britische Horror-Kurzfilm “Off Season” von 2009, der mit seiner atemberaubenden Geschichte Gänsehaut erzeugte. Abgerundet wurde das ganze Festival dann mit vielen Möglichkeiten des Meet-and-Greet im Kurzfilmclub und dem Sichten von historischen Aufnahmen von Bamberg in der Stadtbücherei.

Bamberger Reiter – Schokolade mit Goldüberzug

Fazit: Auch in diesem Jahr lohnte sich der Besuch der 28. Bamberger Kurzfilmtage. Den Zuschauern wurde jeden Abend ein bunter Mix aus aktuellen Kurzfilmen aus vor allem deutschsprachigen Ländern geboten, so dass man viele schöne, besondere Werke zu Gesicht bekam. Wettbewerbe und Sonderveranstaltungen hielten sich dabei gut die Waage. Auch in diesem Jahr waren die Kinos wieder gut gefüllt, so dass es wünschenswert wäre, mehr Kinos für diese Veranstaltungen zu erschließen, da auch in diesem Jahr mehr Bedarf bestand, als abgedeckt werden konnte. Das zeigt die große Resonanz von Kurzfilmen auch in kleineren Städten. Im Gesamten bilden das sehenswerte Bamberg und das Kurzfilmfestival eine wunderbare Symbiose und laden zu gemütlichen und cineastischen Tagen ein.

Der Festivaltrailer:

geschrieben von Doreen Matthei

 

 

 

fotografiert von Michael Kaltenecker und Doreen Matthei

Quelle: 28. Bamberger Kurzfilmheft 2018 Katalog


Auflistung aller oben genannter Kurzfilme:

  • „>“ (Animationsfilm, Schweiz, 2017, Regie: Sebastian Hühnel & Kate Haase)
  • „All the Tired Horses“ (Spielfilm, Österreich, 2017, Regie: Sebastian Mayr)
  • „Ameise“ (Animationsfilm, Deutschland, 2017, Regie: Julia Ocker)
  • „Bier & Calippo“ (Spielfilm, Österreich, 2017, Regie: Paul Ploberger)
  • „Close“ (Spielfilm, Deutschland, 2017, Regie: Lisa Reich)
  • „Dancers“  (Experimentalfilm, Großbritannien, 2014, Regie: Antonio da Silva)
  • „Die besonderen Fähigkeiten des Herrn Mahler“ (Spielfilm, Deutschland, 2017, Regie: Paul Philipp)
  • „Do You have the Shine?“ (Thriller, Schweden, 2002, Regie: Johan Thurfjell)
  • „Eine Villa mit Pinien“ (Animationsfilm, Deutschland, 2016, Regie: Jan Koester)
  • „Elefant“ (Experimentalfilm, Deutschland, 2016, Regie: Suzanna Zawieja)
  • „Ernten was man sät“ (Dokumentarfilm, Deutschland, 2017, Regie: Christian Beyer)
  • „Facing Mecca“ (Spielfilm, Schweiz, 2017, Regie: Jan-Eric Mack)
  • „Fig“ (Spielfilm, Griechenland, 2015, Regie: Nicolas Kolovos)
  • „Gabi“ (Spielfilm, Deutschland, 2017, Regie: Michael Fetter Nathansky)
  • „Kitchen Sink“ (Thriller, Neuseeland, 1989, Regie: Alison MacLean)
  • „Mr. Uppercut – How to be a Champion“ (Dokumentarfilm, Deutschland, 2017, Regie: von Maximilian Conway)
  • „MY BBY 8L3W“ (Experimentalfilm, Deutschland, Frankreich, 2014, Regie: NEOZOON)
  • „Obst & Gemüse“ (Spielfilm, Deutschland, 2017, Regie: Duc Ngo Ngoc)
  • „Off Season“ (Horrorfilm, Großbritannien, 2009, Regie: Jonathan van Tulleken)
  • „Pix“ (Spielfilm, Deutschland, 2017, Regie: Sophie Linnenbaum)
  • „Sara the Dancer“ (Spielfilm, Deutschland, 2017, Regie: Tim Ellrich)
  • „Shine“ (Animationsfilm, Deutschland, 2016, Regie: Johannes Flick, Alexander Dietrich)
  • „Sog“ (Animationsfilm, Deutschland, 2017, Regie: Jonatan Schwenk)
  • „The Man is Big“ (Animationsfilm, Deutschland 2016, Regie: Anna Bergmann)
  • „Tram“ (Animationsfilm, Frankreich, Tschechien, 2012, Regie: Michaela Pavlatova)
  • „Watu Wote: All of Us“  (Spielfilm, Deutschland, Kenia, 2017, Regie: Katja Benrath)
  • „Wurst“ (Animationsfilm, Deutschland, 2015, Regie: Josefine Häßler)

Kritiken zu Kurzfilmen, die wir auf den 28. Bamberger Kurzfilmtagen 2018 gesehen haben:

9 Gedanken zu “28. Bamberger Kurzfilmtage 2018

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