„Flat Desires“ (2017)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2017

Filmkritik: Auf den 28. Bamberger Kurzfilmtagen lief der ungewöhnliche Experimentalfilm „Flat Desires“ von Senem Göcmen, der den Zuschauer mit einer wahren Bilderflut durch die Geschichte der Popkultur führt und dabei ungewöhnlicherweise auf jeglichen Ton verzichtet.

Vier Minuten lang geht der Zuschauer auf einen wilden, farbigen Ritt durch einen Bilderregen aus dem World Wide Web.

Wie geht der Zuschauer mit dieser Flut an Bildern um und welche Fragen entstehen dabei? Darauf hatte es die Filmemacherin Senem Göcmen vermutlich angelegt, als sie handwerklich talentiert die Schnipsel zu einem vierminütigen Film zusammenschnitt. Um diese unangenehmer zu machen und den tonalen Krach außen vor zu lassen, verzichtete sie auf jegliche Geräusche, auch mit Sprache ist der Film nicht versehen, um den Interpretationsraum offen zu lassen. Das macht einen starken Eindruck und stellt die Frage nach unseren Konsumgewohnheiten. Die heutige Generation hat eine enorme Vielfalt an Medien, die sie sehen kann. Dabei besitzt das Meiste eine kurze Lebenszeit. Durch Streaming-Angebote hat der Takt an neuen Serien zugenommen und auch Filme sind ständig verfügbar. Hinzu kommen Social-Media-Plattformen und YouTube. Rund um die Uhr wird man, wenn man will, beschallt und überversorgt. Doch diese Interpretation ist nur eine mögliche für den Kurzfilm „Flat Desires“. Was könnt ihr daraus lesen?  

Fazit: Senem Göcmen schafft mit ihrem Kurzfilm „Flat Desires“ einen stillen Experimentalfilm, welcher die Seh- und Konsumgewohnheiten auf indirekte Weise in Frage stellt. Dafür brauchte sie nur einen rasanten und unkommentierten Zusammenschnitt, bei dem jeder Zuschauer gewiss einiges wiedererkennt.

Bewertung: 7/10

Quellen:

  • 28. Bamberger Kurzfilmtage 2018 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Spielfilm‘)
  • Eintrag des Kurzfilms „Flat Desires“ beim Festival Linoleum

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