„Gimny Moskovii“ (2018)

Kurzfilm / Russland / Fiktion / 2018

Filmkritik: Der russische Experimentalfilm „Gimmy Moskovii“ (ET: „The Hymns of Muscovy“), gesehen im ‚Internationalen Wettbewerb‘ des 31. Filmfest Dresden, entführt die Zuschauer in ein anderes Moskau und fokussiert durch einen Kniff auf andere Aspekte seiner Stadtbesichtigung.

In langsamen Bildern, ohne andere Lebenszeichen und auf den Kopf gestellt, gleitet die russische Hauptstadt am Betrachter vorbei und gibt den Blick ungetrübt auf die russische Baugeschichte frei.

Der russische Filmemacher Dimitri Venkov (*1980) präsentiert in seinem Experimentalfilm „Gimny Moskovii“ eine andere Sicht auf die russische Hauptstadt. Dabei filmte er im Guerilla-Stil in den ruhigen Stunden die Stadt verkehrt herum. So ist der Himmel unten, auf dem die langsame Kamerafahrt dahin gleitet. Dies entrückt die Stadt und fokussiert zugleich den Blick auf die unterschiedlichen Architekturstile des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Kamera fährt, untermalt von der Musik der sowjetischen Nationalhymne, am überschwänglichen Klassizismus des Sozialismus vorbei hin zum brutalen Modernismus der Sowjetunion. Auch andere Architekturstile, die meistens Nachahmungen oder Wiederbelebungen von vergangenen Baustilen sind, werden eingefangen. Auf diese Art und Weise schafft es der 14-minütige Kurzfilm Moskau in einem anderen Licht zu zeigen. Eine konsequente Fokussierung auf die Architektur. Obwohl es keinen klassischen roten Faden oder eine erzählerische Handlung gibt, lädt der Film zur Interpretation ein. Was will er uns damit sagen? Gibt es eine politische Erklärung in der Szenerie? Schon allein durch das Auf-den-Kopf-gestellt-Sein kann man eine Kritik am politischen System, vor allem aus westlicher Sicht, herauslesen oder man lässt sich einfach auf eine faszinierende Reise durch die russische Architektur ein, die entrückt zuweilen seltsam deformiert wirkt, wenn man sie aus dieser Perspektive betrachtet.

Fazit: Der Kurzfilm „Gimny Moskovii“ von Dimitri Venkov ist eine Reise durch die Architektur der Hauptstadt Russlands. Doch statt diese auf fast dokumentarische Weise zu erzählen, wählt er einen experimentellen Ansatz. Dabei filmte er die Stadt auf dem Kopf, entrückt sie dadurch und gibt der Architekturstunde eine mystische Komponente, die man auch gut als politische Botschaft interpretieren kann. Venkov schuf damit einen vielschichtigen Experimentalfilm, der auch ohne Dialoge zu faszinieren weiß.

 

Bewertung: 7/10

Trailer zum Kurzfilm „The Hymns of Muscovy“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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