„Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen“ (2020)

Filmkritik: Der dänische Filmemacher Jonas Alexander Arnby, den man international schon durch sein Debüt „When Animals Dream“ (2004) kennengelernt hat, erzählt in seinem zweiten Spielfilm „Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen“ (OT: „Suicide Tourist“, Dänemark, Deutschland, Norwegen, Frankreich, Schweden, 2020) von einem ungewöhnlichen Hotel in Norwegen und einer lebensverändernden Entscheidung.   

Der Versicherungsmakler Max (Nikolaj Coster-Waldau) leidet unter einem inoperablen Gehirntumor. Von der Angst getrieben, bald nicht mehr der Alte zu sein und seiner Frau Lærke (Tuva Novotny) zur Last zu fallen, sieht er nur einen Ausweg. Doch zwei eigene Suizidversuche scheitern. Als er von einer Klientin von dem Hotel Aurora in Norwegen hört, das seinen Kunden ein schönes Ende verspricht, beschließt er diese letzte Reise anzutreten. 

Nikolaj Coster Waldau und Tuva Novotny

Eine unheilbare Krankheit steht am Anfang der Geschichte. Der Protagonist scheint vom Leben müde zu sein und die Aussichten auf Pflegebedürftigkeit und Abhängigkeit wecken in ihm nur den Drang auszusteigen. Doch wie bereits „Ein Mann namens Ove“ (dort zwar auf humoristische Weise) gezeigt hat, ist das nicht so einfach. Mit diesem realistischen, melancholischen Setting beginnt der Film und scheint einem klassischen Drama nahe zu stehen. Doch mit der Entscheidung durch das Hotel ein friedliches Ende zu finden, brechen immer mehr Thriller- und sogar Horror-Elemente in die Geschichte hinein. Bald hat man als Zuschauer das Gefühl, dass der Geist von Max, der durch einen Gehirntumor stark belastet ist, Realität und Einbildung kaum noch unterscheiden kann. Was ist Traum – was ist die Wahrheit? So wird ein anfängliches Drama zu einem Mystery-Thriller. Auf diese Mischung muss man sich bewusst einlassen, denn der Regisseur Jonas Alexander Arnby (*1974) kostet das Ungewisse und das Unklare aus. In ruhig komponierten Bildern in einem langsamen Erzähltempo gibt er wenig Informationen preis, durch Rückblenden kann man sich dann als ZuschauerIn die Geschichte nach und nach erschließen. Die Erzählweise erfordert eine gewisse Geduld und macht mit ihrem interpretationsfreudigen Ende bestimmt nicht alle ZuschauerInnen froh, doch weiß der Film einen starken Eindruck, vor allem auf emotionaler Ebene, zu hinterlassen. 

In der Inszenierung liegt die große Stärke des Films. Die Geschichte verläuft in sehr ruhigen Bildern, die entweder von Melancholie und von einer unheimlichen Stimmung geprägt sind. Sie sind das perfekte Abbild der Gefühlslage der Hauptfigur. Auch die gewählte Location – das abgelegene Wellness-Hotel mit seinen verwinkelten Wegen und dunklen Kellern – ist wunderbar gewählt. Allein mit diesen Bildern und Orten schafft es der Regisseur eine dichte Atmosphäre zu schaffen, welche die ZuschauerIn an das scheinbar unvermeidliche Schicksal von Max bindet und so entwickelt man zusammen mit ihm das Bedürfnis dem Hotel auf den Grund zu gehen. Die DarstellerInnen wurden ebenfalls sehr gut ausgewählt. Hier spielt ein internationaler Cast seine Figuren mit der richtigen Ambivalenz, u.a. die deutsche Schauspielerin Johanna Wokalek und die schwedische Darstellerin Tuva Novotny („Rosemari“ (2016), „Auslöschung“ (2018)). Allen voran Nikolaj Coster-Waldau, den man aus der Serie „Game of Thrones“ (2011-2019) und Filmen wie „Oblivion“ (2013) und „Gods of Egypt“ (2016) kennt, spielt seine Rolle mit der gleichen Lakonie, die auch die Bilder ausstrahlen. Obwohl er durch seine Traurigkeit keine sympathische Figur ist, ist einem das Schicksal dieser Figur nicht egal. Zusammen schufen sie so eine starke Atmosphäre, welche seine etwas störrische Geschichte sehr gut trägt. Wenn man sich darauf einlassen kann, bekommt man einen melancholischen Film, der seinen Abdruck hinterlässt.

Nikolaj Coster Waldau

Fazit: Der Spielfilm „Suicide Tourist“ wagt eine schwierige Mischung aus Drama und Mystery-Thriller. Auch wenn diese Rechnung nicht immer aufgeht, denn die ZuschauerInnen werden beim Sehen zu oft mit ihren Interpretationen allein gelassen, besticht der Film mit einer intensiven Atmosphäre, die hervorragend funktioniert und mit Spannung den Ausgang der Geschichte erwarten lässt. So bietet die zweite Regiearbeit des Dänen Jonas Alexander Arnby einen schwermütigen Ausflug in das Land im Norden.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 02.07.2020 / DVD-Start: 11.12.2020

Trailer zum Film „Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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