„Die Känguru-Chroniken“ (2020)

Filmkritik: Die Adaption eines Buches kann Tücken bergen. Auch wenn hier der Schriftsteller Marc-Uwe Kling für die Verfilmungen seiner Känguru-Trilogie selbst das Drehbuch geschrieben hat, mag die Geschichte des Kleinkünstlers und seines vorlauten Kommunisten-Kängurus als Spielfilm „Die Känguru-Chroniken“ (Deutschland, 2020) nicht recht auf der Leinwand funktionieren. 

Eines Tages steht bei dem Kleinkünstler Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) ein Känguru vor der Tür. Schnell wird klar, dass es ein Schnorrer, Kommunist und ziemlich vorlaut ist. Kaum hat sich Marc-Uwe umgedreht, ist das Känguru auch schon bei ihm eingezogen. Sie werden sowas wie Freunde und frönen in Kreuzberg meistens dem schönen Nichtstun. Als durch einen Zwischenfall das Auto des rechten Immobilienmaklers Jörg Dwigs (Henry Hübchen) beschädigt wird und auch noch dessen geliebte Hasenpfote verschwindet, bricht Terror über den gemütliche Kiez rein. Doch mit einem Antiterror-Netzwerk, bestehend aus den beiden WG-Bewohnern, Marc-Uwes Schwarm Maria (Rosalie Thomass) und der Kneipenbesitzerin Hertha (Carmen-Maja Antoni) setzen sie sich zur Wehr.

Dimitrij Schaad und Rosalie Thomass

Der Liedermacher, Kabarettist und Autor Marc-Uwe Kling (*1982) schuf mit seinem ersten Buch „Die Känguru-Chroniken“ (2009), welche mittlerweile mit drei weiteren Känguru-Büchern fortgesetzt wurde, eine kleine Sensation. Beim Alter Ego des Autors zieht ein vorlautes Känguru ein, das sozusagen alles ausspricht, was der Künstler sich nicht traut zu sagen. Politische, gesellschaftliche und philosophische Themen werden am Küchentisch dieser ungewöhnlichen WG behandelt. Dabei besticht der kurze Episodencharakter der einzelnen Kapitel, die so aufgebaut sind, weil sie ursprünglich einzelne Bühnensketche waren. Eine richtige fortschreitende Handlung gibt es nicht, auch wenn sich hier und da etwas verändert. Die Stärke liegt im Dialog der beiden, voller Humor, Thesen und Unverfrorenheiten. Durch die Bücher haben sich Sprüche „Halt mal kurz“ und „Ach. Mein, dein. Das sind doch alles bürgerliche Kategorien“ etabliert. In Hörbüchern, Spielen und natürlichen Live-Shows hat sich das Känguru zu einem Phänomen mit viel Unterhaltungspotential entwickelt, doch wie ein Stoff für einen Film erschien es nie.

Adnan Maral, Rosalie Thomass, Tim Seyfi und Dimitrij Schaad

Nun folgt aber doch eine Kinoauswertung des ersten Känguru-Bandes. Das Drehbuch schrieb der Autor selbst und schuf eine gestraffte Version seines Buches, mit den bekannten Figuren, zwei Szenen vom Küchentisch und dazu eine Handlung, welche zu den Ansichten des Kängurus passt. Mit dem rechten, unsympathischen Bauunternehmer wurde der perfekte Antagonist geschaffen. Doch genau hier liegt die Schwäche der Umsetzung. Den Zwist zwischen dem großen Motz und den kleinen Rebellen hat man schon tausendmal gesehen. Die Filmhandlung ist vorhersehbar und austauschbar – da spielt es auch keine Rolle, ob es sich dabei um ein Känguru handelt oder einen Menschen. Die kleine Kneipe mit skurrilen Persönlichkeiten, die sich gegen Veränderungen in ihrem Viertel wehren, kommt einem auch mehr als vertraut vor. Der Humor des Buches, der viel darauf baut, dass einfach nur geschwafelt und nicht gehandelt wird, geht im Film verloren. Unnötige Plothandlungen wie ein Love Interest für den Hauptdarsteller beschweren die Leichtgängigkeit der Romane. Ja, hin und wieder kommt ein Gag aus dem Büchern auch hier zum Tragen, aber vor allem wurde hier nur klassisches, deutsches Komödienkino geschaffen und das auch noch aus der Hand von Dani Levy, der mit Filmen wie „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ (2007) bewiesen hat, dass es auch anders geht.

Daniel Zillmann, Henry Hübchen, Rosalie Thomass und Bettina Lamprecht

Auch optisch schmiegt sich der Film an das deutsche Komödienfach an. Das Känguru, welches von Marc-Uwe-Kling gesprochen wird, wurde animiert und passt sich in den meisten Szenen gut ein, auch wenn man nie das Gefühl hat, ein echtes Känguru zu sehen. Ihm dazu gesellen sich DarstellerInnen wie Dimitrij Schaad, ein gelungenes Abbild des verschlafenen Kleinkünstlers, und Rosalie Thomass ( „Taxi“ (2015), „Kleptomami“ (2017)). Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Auch wenn Henry Hübchen ( „Sonnenallee“ (1999)) und Lena Dörrie als seine Frau mächtig an der Überzeichnung arbeiten. Aber das gilt für den ganzen Film – das andere, das Böse ist absichtlich unecht und übertrieben. Aber leider gelingt es dem Filmemacher auch nicht die Welt der beiden Hauptprotagonisten realistisch wirken zu lassen, vor allem die Straßenszenen wirken wie aus dem Studio. So geht dem Film auch optisch jede Bodenhaftung verloren, was völlig okay wäre, passt es ja doch etwas zur Geschichte, doch die Handlung allein kann den Film dann leider nicht tragen. So entstand ein Film, den man als Fan der Bücher nicht wirklich braucht, und mit dem man als normaler KomödiengängerIn wohl leider auch nicht viel anfangen kann.         

Dimitrij Schaad

Fazit: Die Verfilmung „Die Känguru-Chroniken“ des gleichnamigen Romans von Marc-Uwe Kling aus der Hand von Dani Levy entfaltet nicht die gleiche Wirkung wie das Buch und dessen nachfolgende Werke. Obwohl hier Zitate und Situationen übernommen wurde und der Autor selbst das Drehbuch schrieb, entstand nur eine vorhersehbare Komödienroutine, welche zu wenig Spannung, Humor und auch zu wenig Herz besitzt, um wirklich gut unterhalten zu können.   

Bewertung: 5/10

Kinostart: 5. März 2020 / DVD-Start: 20. August 2020

Trailer zum Film „Die Känguru-Chroniken“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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