„The Cancer Journals Revisited“ (2018)

Filmkritik: Der Dokumentarfilm „The Cancer Journals Revisited“ (OT: „The Cancer Journals Revisited“, USA, 2018) gehörte zu den stärksten Beiträgen der 31. Lesbisch Schwulen Filmtage 2020, das in diesen Zeiten ein Online-Programm zeigte. Die Regisseurin Lana Lin entdeckt filmisch, persönlich und reflexiv das Werk der Autorin Audre Lorde. 

Im Jahr 1980 schrieb die Autorin Audre Lorde (1934-1992) das Buch „The Cancer Journals“. In diesem setzte sie sich mit ihrer eigenen Brustkrebserkrankung auseinander. Sie reflektiert die Krankheit und Gesundwerdung im Spiegel der Gesellschaft. Denn sie war eine schwarze, queere Frau, welche auch im Zusammenhang mit ihre Erkrankung anders als beispielsweise weiße Cis-Frauen wahrgenommen wird. Zusammen mit 27 Leserinnen entdeckt die Filmemacherin Lana Lin das Buch neu, überträgt die Worte auf die persönlichen Schicksale und schuf so einen außergewöhnliche Betrachtung eines Werkes. 

Der Ausgangspunkt für die Dokumentarfilmerin Lana Lin (*1966) war die sie Entdeckung dieses Buches und deren Autorin Lorde, welchem sie auch in ihrer Doktorarbeit ein Kapitel widmete. Dieses Buch war zum Zeitpunkt seines Erscheinens ein Unikat. Mittlerweile gibt es viele Bücher, vor allem Rat- und Sachbücher, welche sich mit Krebsdiagnosen beschäftigen. Doch Lordes Buch hat ihre Krankheit mit der ganzen emotionalen Bandbreite ohne starke medizinische Exkurse eingefangen. Es ging der Autorin weitestgehend um Empfindungen. Diese Stärke erkannte die Filmemacherin Lin und ließ ihre Leserinnen des Buches über die geschriebene Worte reflektieren und sich selbst darin wiederfinden. Das Kaleidoskop an Empfindungen, welches sie dabei aufzeichnet ist mannigfaltig und kann so vielen Menschen in solchen schlimmen Zeit aus den Herzen sprechen. Die Lese-Passagen werden immer wieder von alltäglichen Aufnahmen von Details und Künstlerinnen, die sich mit ihrem Körper beschäftigen, unterbrochen. Stimmig fügen sich diese Zwischensequenzen ein und geben den Worten Raum zu wirken. Lana Lin ist mit „The Cancer Journals Revisited“ ein poetischer, mitfühlender Streifzug durch ein Werk gelungen, dessen Entdeckung sich auch heutzutage noch lohnt. Zudem besitzt der Film eine Kraft, die sich aus einem gewissen Solidaritätsgefühl speist, indem er klar ausdrückt, dass die Betroffenen mit ihren Gefühlen wie Angst, Wut und Freude nicht allein sind. Im Gesamten ist 98-minütige Dokumentarfilm ist ein eindringliches und schönes Werk geworden, welches die Kraft der Worte wunderbar ins Filmische überträgt.

Fazit: Der amerikanische Dokumentarfilm „The Cancer Journals Revisited“ setzt sich mit dem Werk von Audre Lorde auseinander. In Lesesitzungen mit anderen Frauen entdeckt die Filmemacherin Lana Lin das Werk neu. Die Frauen nehmen dabei die Worte auf, interpretieren sie für sich und erkennen die Kraft, die darin schlummert. Zusammen mit ihnen erfahren die ZuschauerInnen die Wirkung eines weitestgehend unbekannten Werkes, welches Lana Lin mit ihrem Film in einem poetischen Gewand eingefangen hat.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „The Cancer Journals Revisited“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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