Fünf Fragen an Katarzyna Warzecha

Paul Grandsard

Interview: Im Gespräch mit der polnischen Filmemacherin konnten wir mehr über ihren Anime-Dok „We Have One Heart“ erfahren, der auf dem 63. DOK Leipzig seine Deutsche Premiere feierte, erfahren, wie sie die Geschichte fand und was ihr bei den Animationen und dem Umgang mit dem Originalmaterial wichtig war.

The original english language interview is also available.

Wie hat alles für Deinen Film angefangen? Wie bist Du an Adams Geschichte gekommen?

Ich kenne die Familie Witkowski seit vielen Jahren. „We Have One Heart“ ist der erste Film, bei dem ich nicht nach HeldInnen und Geschichten gesucht habe. Sie waren es, die zu mir kamen und fragten, ob ich einen Film über eine außergewöhnliche Familiengeschichte machen möchte. Als ich das hörte, habe ich sofort meine Entscheidung getroffen. Ania war damals im 7. Monat schwanger – genau wie Halina – die Hauptfigur des Films – nur 40 Jahre später. Am nächsten Tag war der erste Drehtag – Ultraschall beim Gynäkologen. Ich wusste, dass ich diese Szene nie noch einmal drehen würde. Erst ein paar Monate später fand ich eine Finanzierung im Munk Studio und wir begannen die professionelle Produktion von „We Have One Heart“.

War Dir schnell klar, dass Du diese Geschichte als Animationsfilm erzählen willst?

Von Anfang an sagte mir Andrzej Fidyk – der künstlerische Leiter des Films, ein hervorragender Dokumentarfilmregisseur -, dass es sich lohne, da die Figuren Künstler sind, in Form ihrer Handlungen zu zeigen, was bereits geschehen ist. Einige Monate lang war ich der Meinung, dass die Animation der beste Weg wäre, um zu zeigen, was bereits passiert ist. Ich muss zugeben, dass mich meine Teilnahme an dem Festival in Frankreich in Angers dazu inspiriert hat. Ich habe dort eine Menge Animationen gesehen, und da kam mir die Idee.

Kannst Du mir zu Deinen visuellen Entscheidungen erzählen? Vor allem interessiert mich die Mischtechnik aus Zeichnungen und realen Erinnerungsstücken und warum Du Dich gegen das Zeichnen von Gesichtern entschieden hast.

We Have One Heart“ war mein Debüt als Animationsfilm-Regisseurin. Ich wählte das Animationsstudio Yellow Tapir Films, weil ich dessen Gründer – Marcin Podolec – kannte. Er ist ein junger Regisseur, der animierte Dokumentarfilme geschaffen hat, die auf der ganzen Welt ausgezeichnet wurden. Wir haben uns gut verstanden. Zu Beginn unserer Zusammenarbeit bot mir Bartek Glaza – der Autor der Illustrationen – mehrere Dutzend visuelle Vorschläge an. Ich entschied mich für das Aquarell, weil es perfekt für eine so subtile und intime Geschichte schien. Wir wussten von Anfang an, dass die Briefe die dramatische Achse des Films sein würden, unser wichtigstes dokumentarisches Material und Teil der Animation. Das ist auch der Grund, warum Teile von Seiten aus dem alten Notizbuch in der Szenerie auftauchen, es ist eine Referenz auf diese Briefe. Wir haben uns entschieden, die Gesichter im Großen und Ganzen nicht zu zeigen, sondern nur bei den Verwandten – den emotionalsten. Aber ich gebe unseren Zuschauern auch Raum für Interpretationen.

War Dir immer klar, dass ein Off-Kommentar, die Geschichte erzählen soll? 

Als ich mich entschied, dass „We Have One Heart“ ein animierter Dokumentarfilm werden sollte, wusste ich von Anfang an, dass der Erzähler ein Kind sein sollte, das die Last dieser traurigen, schweren Geschichte auf sich nimmt. Es infantilisiert sie, indem es sie leicht macht. Als wir anfingen, den Film zu drehen, war Ignacy – Adams Sohn – noch nicht geboren. Als wir den Film fertiggestellt hatten, war er 2. Ich konnte nicht weitere 2 Jahre warten, bis Ignacy anfing, fließend zu sprechen. Ich traf die Entscheidung, dass ich – mit allem, was ich über Ignacys Charakter wusste – ein Off schreiben würde, in dem er über seine Familiengeschichte erzählt. Zwei Leute schrieben ihn, und am Ende wurde er von einem 7-jährigen Schauspieler (Iwo Rajski) korrigiert, der den Text las.

Kannst Du zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir und wie Du zum Film gekommen bist, erzählen? Sind bereits neue Projekte geplant?

Meine Eltern sind Literaturlehrer mit Spezialisierung auf Filmwissenschaft. Ich bin in einem Zuhause aufgewachsen, in dem fast jeden Tag Filme geschaut wurden. Ich bin 13 Jahre lang zur Musikschule gegangen und war mir immer sicher, dass ich Musikerin werden würde. Die Geschichte aus dem Film „Whiplash“ ist mir sehr nahe gegangen. Nach dem Gymnasium habe ich mit der Musik aufgehört und bin auf die Krzysztof-Kieślowski-Schule in Katowice gegangen. Dort habe ich mich zum ersten Mal als Schöpferin gefühlt. Ich habe etwas Eigenes gemacht und das war ein tolles Gefühl.

In den letzten Jahren war ich Assistentin von herausragenden Filmemachern in Polen: Filip Bajon, Wojciech Smarzowski und Marcin Wrona. Ich habe viel von ihnen gelernt, jeder von ihnen hat einen anderen Blick auf das Kino. Das ist faszinierend. Ich glaube, dank dieser Vielfalt ist mein Kopf offen für neue Ideen. Wie zum Beispiel „We Have One Heart“ – ich hätte nie vermutet, dass ich einen Animationsfilm machen würde!

Derzeit arbeite ich an meinem Spielfilmdebüt. Drückt mir die Daumen!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „We Have One Heart


Interview: In our conversation with the Polish filmmaker, we were able to learn more about her anime doc “We Have One Heart“, which had its German premiere at the 63rd DOK Leipzig, how she found the story and what was important to her in animating and handling the original material.

How did everything start for your film? How did you find Adam’s story?

I have known the Witkowski family for many years. „We Have One Heart” is the first film in which I did not look for heroes and stories. It was them who came to me and asked if I would like to make a film about an extraordinary family history. When I heard that, I made my decision immediately. Ania was then 7 months pregnant – just like Halina – the main character of the film – only 40 years later. The next day, we realized the first day of shooting – ultrasound at the gynecologist. I knew I would never repeat this scene. It wasn’t until a few months later that I found funding at the Munk Studio and we started the professional production of “We Have One Heart“.

Did you quickly realize that you wanted to tell this story as an animated film?

From the very beginning, Andrzej Fidyk – the film’s artistic supervisor, an outstanding documentary director – told me that since the characters are artists, it is worth showing what has already happened in the form of their actions. For a few months I had come to the point that animation would be the best way to show what had already happened. I must admit that my participation in the festival in France in Angers (Premiere plans) inspired me to do this. I saw a lot of animations there, and that’s where I got the idea.

Can you tell me about your visual choices? I’m especially interested in the mixed media of drawings and real life memorabilia and why you decided against drawing faces.

We Have One Heart” was my debut as an animation director. I chose the Yellow Tapir Films animation studio because I knew its founder – Marcin Podolec. He is a young director who was the creator of animated documentaries awarded all over the world. We got on well. At the beginning of our cooperation, Bartek Glaza – the author of the illustrations, offered me several dozen visual proposals. I chose the watercolor because it seemed perfect for such a subtle and intimate story. We knew from the beginning that the letters would be the drama axis of the film, our most important documentary material and part of the animation. This is also why pieces of pages from the old notebook appear in the scenery, it is a reference to these letters. We decided not to show our faces in broad terms, but in our relatives – the most emotional ones. But I also give room for interpretation to our viewers.

Was it always clear to you that an off-camera commentary should tell the story?

When I decided that “We Have One Heart” would be an animated documentary, I knew from the very beginning that I wanted the narrator to be a child who would take the burden off this sad, tough story. He infantilizes it by making it light. When we started making this film, Ignacy – Adam’s son – not yet born. When we finished the film – he was 2. I couldn’t wait another 2 years for Ignacy to start speaking fluently. I made the decision that with all I knew Igi’s character – I would write an off in which he tells about his family history. Two people wrote it, and at the end it was corrected by a 7-year-old actor (Iwo Rajski) who read the text.

Finally, can you tell a little more about yourself and how you came to make the film? Are there any new projects already planned?

My parents are literature teachers with a specialization in film studies. I grew up in a home where movies were watched almost every day. I went to music school for 13 years and was always sure that I would become a musician. The story from the movie “Whiplash” is very close to me. After high school, I quit music and got into the Krzysztof Kieślowski school in Katowice. It was there that I felt like a creator for the first time. I did something of my own and it was an amazing feeling.

For the last few years I have been an assistant to outstanding filmmakers in Poland: Filip Bajon, Wojciech Smarzowski, and Marcin Wrona. I learned a lot from them, each of them has a different view of cinema. It is fascinating. I think that thanks to such diversity my head is open to new ideas. Such as “We Have One Heart” – I would never suspect that I would make an animated film!

I am currently working on my feature debut. Keep fingers crossed!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “We Have One Heart

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