„Alice in Borderland“ (Staffel 1, 2020)

Serienkritik: Die japanische Serie „Alice in Borderland“ (OT: „今際の国のアリス“), welche auf Netflix zu sehen ist, erzählt basierend auf einer Manga eine dystopische Geschichte über eine Art Parallelwelt, die dort stattfindenden Spiele und drei Freunde, die versuchen in dieser Welt zu überleben.

Arisu (Kento Yamazaki) hat keinen Plan in seinem Leben. Am liebsten verbringt er die Zeit mit Computerspielen und seinen beiden besten Freunden Karube (Keita Machida) und Chota (Yûki Morinaga). Eines Tages nach einem Stromausfall finden sie sich in einem menschenleeren Tokyo wieder. Schnell führen sie ihre Wege zu einem Spiel mit tödlichen Gefahren. Nach und nach erkunden sie diese fremde Welt, müssen weitere Spiele bestreiten und kämpfen nicht nur um ihr Überleben, sondern versuchen hinter das Geheimnis von Borderland zu blicken. Eine geheime Vereinigung – The Beach – könnte dabei vielleicht helfen.

Zwischen 2010 und 2016 erschienen 18 Bände der Graphic Novel „Alice in Borderland“ (OT: „今際の国のアリス“ von Haro Aso (*1980), welche nun in einer ersten Staffel mit acht Folgen von Shinsuke Sato (*1970) adaptiert wurde. Dabei vermischt die Serie verschiedene Genre wie Survivalhorror und Thriller wunderbar und referenziert auf große Vorbilder wie „Cube“ (1997), „28 Days Later“ (2002) und „Saw“ (2004), schafft es aber darauf aufbauend eine neue Geschichte zu erzählen. Der Titel spielt dabei auf den bekannten Romanklassiker „Alice im Wunderland“ (1865) an. Auch hier heißt die Hauptfigur Alice, japanisch: Arisu, und wird in eine fremdartige Welt entführt. Auch die Spielkarten und der Hutmacher finden sich in der Serie wieder, ansonsten hat sie nicht viel mit dem fantasievollen Buch von Lewis Carroll gemein. Stattdessen wird hier in einem turbulenten Ritt eine unbekannte Welt mit vielen Charakteren gezeichnet. Jede Folge offenbart Wendungen und Neuerungen und macht neugierig auf den Fortgang. Auch die Spiele, welche sehr unterschiedlich sind, steigern die Spannung wunderbar. Denn spannend ist die Serie bis zur letzten Minute und durch einen Kniff in der Mitte der Serie traut man den Serienerzählern alles zu. Die Serie ist eindeutig auf eine Verlängerung und somit Ausweitung des Kosmos angelegt. Ob dies genauso gut funktioniert, bleibt abzuwarten.    

Der Serienmacher schafft es, seine Geschichte auch visuell wunderbar umzusetzen. Natürlich wird auch hier visuell auf große Klassiker referenziert. So erinnern u.a. die leeren Straßenzüge an den „Omega-Mann“ (1971) (Neuverfilmung: „I am Legend“ (2007)) und die bedrückende Enge mancher Szenerien an den bereits erwähnten „Cube“ (1997). Auch Filme wie „The Purge“ (2013) und klassische Survival-Horror-Filme kann man hier wiedererkennen. Die Einsamkeit der Straßen und die immer neuen Umgebungen für die Spiele machen einen großen Reiz der Serie aus. Denn zusammen mit den ProtagonistInnen will man unbedingt ganz Tokyo erkunden. Erst wenn man zu dem finalen Ort kommt – The Beach – geht der Fokus mehr auf die Figuren und deren Geschichten und zwischenmenschlichen Konflikte über. Die zweite tragende Säule sind die DarstellerInnen, welche hier hervorragend besetzt wurden. Die Figuren changieren dabei wunderbar zwischen Sympathie, Unberechenbarkeit und Zwielichtigkeit. Dabei kann man etwas Overacting ausmachen, was aber meistens nur positiv zur Wirkung beiträgt und sehr gut zu dem Comic-Ursprung passt. So ist die Serie auch optisch ein großer Spaß und schafft den richtigen Rahmen für ihre äußerst spannende Geschichte mit ihren Figuren abseits bloßer Eindimensionalität. 

Fazit: „Alice in Borderland“ ist eine japanische Serie, deren erste Staffel auf Netflix zu sehen ist und die mit einem spannenden Ausgangskonzept arbeitet. Der Serienmacher Shinsuke Sato schuf sie nach einer Manga-Vorlage und katapultiert seine drei Helden und die ZuschauerInnen in ein beinahe menschenleeres Tokyo, wo Spiele das eigene Überleben bestimmen. Mit vielen Referenzen, einem gelungenem Look sowie einem überraschendem Twist neigt man dazu, die wenigen Folgen zu bingen und fühlt sich bis zur finalen Auflösung wunderbar unterhalten. 

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Alice in Borderland“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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