„In the Heights“ (2021)

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Filmkritik: Kurz nach der Eröffnung kam „In the Heights“ (OT: „In the Heights“, USA, 2021) in die deutschen Kinos und genau dort gehört das Musical auch hin. Nach einer Vorlage von Lin-Manuel Miranda, dem Schaffer von „Hamilton“, erzählt es die Geschichte der Latino-Community in Washington Heights, von ihren Träumen und Sehnsüchten und das mit viel Tanz, Gesang und Herz.

Usnavi (Anthony Ramos), der Besitzer einer kleinen Bodega in Washington Heights, träumt schon lange davon in das Land seiner Eltern zurückzukehren und dort am Strand eine kleine Bar zu eröffnen. Bis dahin versucht er alles Geld zu sparen, hilft dem jungen Sonny (Gregory Diaz) seinen Platz im Leben zu finden und schmachtet Vanessa (Melissa Barrera) hinterher. Auch sein Freund Benny (Corey Hawkins) träumt von einer anderen Welt, ebenso wie dessen Ex-Freundin Nina (Leslie Grace), welche nach New York zurückkehrt als sie erkannt hat, dass Stanford nicht ihr Sehnsuchtsort ist. So suchen alle im bunten, heißen Treiben der Stadt in dem Viertel ihrer Heimat nach dem Glück oder einer Chance, was aus ihrem Leben zu machen.

Jimmy Smits und Anthony Ramos

Der Spielfilm basiert auf den 2008 uraufgeführten Broadway-Musical, das geschrieben und komponiert wurde von Lin-Manuel Miranda, der u.a. als Laternenanzünder Jack in „Mary Poppins’ Rückkehr“ (2018) zu sehen war und sich für das Erfolgs-Rap-Musical „Hamilton“ (2020), das auf Disney+ gestreamt werden kann, verantwortlich zeichnete. Im Gegensatz zum Bühnenstück gibt er hier aber die Regie an den Regisseur John M. Chu ab, den man vor allem durch „Step Up to the Streets“ (2008) und „Crazy Rich Asians“ (2018) kennt. Zusammen zauberten sie ein perfekt umgesetztes Kino-Musical auf die Leinwand. Angesiedelt ist dieses in Washington Heights, einem Stadtteil ganz im Norden von Manhattan. Hier wohnt vor allem eine große Latino-Community, deren Mitglieder aus vielen verschiedenen Ländern mit ihren Träumen hier gestrandet sind. Genau von dieser Vielfalt, von verschiedenen Generationen von EinwanderInnen und all den unterschiedlichen Wünschen und Sehnsüchten erzählt das Musical durch eine breite Palette an Charakteren. Das Glück auf die eine oder andere Weise zu finden, damit oft verbunden die Überlegung, ob man in die Heimat zurückkehrt, steht hier jedem auf die Fahne geschrieben. Gleichzeitig werden Themen wie Stadtentwicklung, Gentrifizierung, Gleichstellung, Rassismus und Identitätsfindung angesprochen. 

Leslie Grace, Daphne Rubin-Vega, Stephanie Beatriz, Dascha Polanco, Melissa Barrera

In diesem Film steckt so viel drin, dass es nicht nur durch eine breite Palette von Figuren erzählt wird, sondern auch durch die Musik. Die Texte sind auf den Punkt, witzig und es wird hier gleichermaßen gesungen wie gerappt. Für nicht Englisch-Sprachler empfiehlt sich beim ersten Sehen auf jeden Fall eine untertitelte Variante, da gerade die schnellen Sprechgesänge viel Humor und Wahrheiten enthalten, die dann vielleicht verloren gehen würden. Hinzu kommen perfekt synchronisierte Tanzeinlagen, sei es im Kleinen zwischen zwei Menschen, oder in großen Massenszenen, wie auf der Straße oder im Schwimmbad. In Musik und Tanz fließen dabei wunderbar die Rhythmen der unterschiedlichen lateinamerikanischen Länder ein. So kann man als geübte ZuhöhrerIn den Salsa erkennen, aber auch genauso den Merengue aus der Dominikanischen Republik oder den Plena aus Puerto-Rico. Wunderbar wird hier auch in der Musik die Vielfalt der Latino-Community übertragen. Hinzu kommen viele sonnendurchflutete Bilder voller Farbe und Hitze, welche es schaffen eine gelockerte Musicalatmosphäre zu erzeugen, die einen Kontrast zu den meist sehr ernsten Themen bilden. Dass dies alles so wunderbar natürlich funktioniert liegt nicht nur an der perfekte Musical-Inszenierung durch John M. Chu, sondern auch an dem großartigen Cast. Bis in die Nebenrollen u.a. mit Dascha Polanco (gesehen in „Orange is the New Black“ (2013-2019)) oder Jimmy Smits („Dexter“ (2006-2013)) ist der Film gut besetzt. Wunderbar ist hier, dass die Caster vor allem auf erfahrene BühnendarstellerInnen zurückgegriffen. So sieht man in der Hauptrolle auch Anthony Ramos, der bereits bei „Hamilton“ (2020) in einer Doppelrolle aufgefallen ist  Durch und durch ist „In the Heights“ eines der stärksten Musicals, das in den letzten Jahren auf den Leinwänden zu sehen war. Hier geht alles Hand in Hand und liefert perfekte, aber nicht platte Unterhaltung voller Musik und Tanz.

Melissa Barrera und Anthony Ramos

Fazit: Das Musical „In the Heights“, basierend auf einem Broadway-Stück von Lin-Manuel Miranda, ist eine gelungene Leinwandadaption aus der Hand von John M. Chu. Hervorragend besetzt vor allem mit BühnendarstellerInnen, vielen perfekt synchronisierten Tanzszenen und schwungvollen mit lateinamerikanischen Klängen durchwebten Songs zieht einen der Film in seinen Bann und schafft es neben einer perfekten Feelgood-Musical-Ausgestaltung trotzdem viele relevante Themen einzubauen und der Latino-Community in Amerika eine Stimme zu geben.

Bewertung: 9/10

Kinostart: 22. Juli 2021 / DVD-Start: –

Trailer zum Film „In the Heights“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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