„Elli“ (2020)

Letzte Artikel von Doreen Matthei (Alle anzeigen)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2020

Filmkritik: Noch zu wenige Filme thematisieren andere Familienkonzepte und zeigen, dass auch das Muttersein abseits des klassischen Bildes anders aussehen sehen kann. In ihrem 30-minütigen Abschlussfilm „Elli“, gesehen im Nationalen Wettbewerb des 33. Filmfest Dresden, erzählt die Regisseurin Vivien Hartmann aus dem Leben einer Wochenend-Mutti. 

Elli (Hanna Binder) liebt ihren Beruf als Techno-DJ und die Musik ist ihre Leidenschaft. Zudem ist sie aber auch Mutter der neunjährigen Toni (Blanca-Sveva Keune), welche sie aber nur am Wochenende sieht. Als sie einen Gig für das nächste Wochenende bekommt, beschließt sie kurzerhand Toni mitzunehmen, damit ihr gemeinsames Wochenende nicht ausfällt.

Die Regisseurin Vivien Hartmann (*1985) erzählt in ihrem Abschlussfilm, für den sie auch das Drehbuch schrieb, vom Muttersein, aber nicht im klassischen Sinne. Auch wenn sie nicht so häufig sind wie das männliche Pendant, gibt es einige Mütter, welche ihre Kinder nur am Wochenende sehen. Sie genießen einen deutlich schlechteren Ruf und haben so auch mit diversen Problemen zu kämpfen. Doch das Wichtigste ist die Beziehung zum eigenen Kind und genau das steht im Fokus in der Geschichte über Elli. Wie findet man die richtige Balance zwischen familiärer Verantwortung und Beruf? Wie gut kann man beides vereinen?

Blanca-Sveva Keune

Dazu findet Hartmann einen stimmungsvollen Rahmen. Mit dem ungewöhnlichen Beruf einer DJane verlagert sich die Handlung auf ein Festival, welches die passende Grundlage für eine Gefühlsexplosion bildet. Inszenatorisch wählt die Regisseurin einen beinahe dokumentarischen Ansatz, drehte live auf dem ‚Wilde Möhre‘-Festival, bleibt nah an den Figuren dran und besetzte ihren Cast perfekt. Das Zusammenspiel von Hanna Binder und Blanca-Sveva Keune ist großartig, wirkt authentisch und macht beide Seiten und ihre Sicht deutlich. Durch und durch ist Hartmann ein einfühlsamer und ehrlicher Film gelungen, welcher die Palette der Familiendramen um einen Aspekt erweitert und neugierig macht auf weitere Arbeiten der Filmemacherin.

Fazit: Der Kurzfilm „Elli“ handelt von einer Wochenend-Mutter und ihrer Tochter, welche sich in der wenigen Zeit, die sie gemeinsam haben, versuchen einander anzunähern. Mit klaren, beinah dokumentarischen Aufnahmen und einer gelungenen Fokussierung auf die Hauptfiguren samt hervorragender Besetzung erzählt der Film sehr offen und ehrlich von den Schwierigkeiten und Gefühlen, welche solch eine Konstellation mit sich bringen kann. 

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.