„Der Mauretanier“ (2021)

Filmkritik: Ein dunkles Kapitel der jüngeren amerikanischen Geschichte ist das Internierungslager Guantanamo auf der Insel Kuba. Der Regisseur Kevin MacDonald beschäftigt sich in seinem Film „Der Mauretanier“ (OT: „The Mauritanian“, USA, 2021) mit dem wahren Fall des Mohamedou Ould Slahi und baut daraus einen spannenden Justizthriller, der zudem das Schreckgespenst Guantanamo greifbarer macht. 

Seit neun Jahren wird der aus Mauretanien stammende Mohamedou Ould Slahi (Tahar Rahim) in Guantanamo festgehalten, ohne das er jemals angeklagt wurde. Als die engagierte Anwältin Nancy Hollander (Jodie Foster) davon erfährt, macht sie sich zusammen mit ihrer jungen Kollegin Teri Duncan (Shailene Woodley) auf den Weg nach Kuba, um den Fall zu übernehmen. Parallel macht sich der Lt. Col. Stuart Couch (Benedict Cumberbatch) an die Arbeit, um für Slahi eine Verurteilung zu erwirken. Doch während Hollander keine eindeutige Unschuldsbeweise findet, aber trotzdem für das Recht auf eine Anklage hinarbeitet, entdeckt der General die dubiosen Methoden, wie das Gefängnis Geständnisse erzwingt.

Tahar Rahim

Mohamedou Ould Slahi, geboren 1970 in Mauretanien, wurde kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 verhaftet und jahrelang im Internierungslager Guantanamo festgehalten. Schlussendlich wurde ihm unter Folter ein Geständnis abgerungen, das trotzdem nicht zu einer Anklage führt. All das hält Slahi in seinem „Guantanamo Tagebuch“ (2015), die er aus dem Gefängnis heraus veröffentlichte, fest. 2016 wurde er schlussendlich entlassen. Sein Fall ist exemplarisch für viele, was auch noch einmal der Abspann deutlich macht. Unter der Regie von Kevin MacDonald, der sich in seinen Filmen wie „Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht“ (2006) gerne mit politischen Themen beschäftigt, geht es hier vor allem auch um Justiz und Rechtsprechung. Geschrieben wurde das Drehbuch von Michael Bronner und es enthält neben einer starken Systemkritik auch eine politische Brisanz. MacDonald schuf daraus einen Spielfilm, der alles wunderbar vereint. So ist der Film zugleich eine Justizthriller, ein Portrait eines Ortes der Unmenschlichkeit und die Beschäftigung mit vermeintlichen Tätern nach 2001. In 130 Minuten schafft es der Regisseur den harten Tobak mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Wahrheitsanspruch aufzuarbeiten, aber trotzdem ist der Film auf seine Weise leichtgängig und dadurch unterhaltsam.

Shailene Woodley und Jodie Foster

Die souveräne Inszenierung trägt ebenso viel zu dieser Wirkung bei. Der Regisseur Kevin MacDonald schuf eine Filmwelt, welche nah an der Realität ist. Nicht nur Guantanamo mit seinen ganzen Sicherheitsbestimmungen und Foltermethoden wurde hier gekonnt in Szene gesetzt, sondern auch andere Räumlichkeiten,in denen die juristischen Kämpfe ausgefochten werden, wurden gut ausgewählt. Alle Locations, die Kleidung und die Abbildung der realen Figuren folgen einem hohen Authentizitätsanspruch. In diesem Sinne kann man Jodie Foster („Das Schweigen der Lämmer“ (1991), „Gott des Gemetzels“ (2011)) auf den ersten Blick auch schwer erkennen. Sie gibt der Juristin nach wahren Vorbild die richtige Mischung aus Ruppigkeit und Herz. Doch der größte Verdienst kommt dem Schauspieler Tahar Rahim zu, der es schafft seine Rolle so spielen, dass eine gewisse Ambivalenz vorhanden ist, aber trotzdem auch die Unmenschlichkeit, welche seine Figur durchgemacht hat, spürbar wird. Durch und durch ist alles der Geschichte geschuldet und bietet dafür den souveränen Rahmen.

Benedict Cumberbatch

Fazit: Der Justizthriller „Der Mauretanier“ erzählt nach wahren Begebenheiten von der jahrelangen Haft eines Mannes, der nie angeklagt wurde. Der aus Schottland stammende Regisseur Kevin MacDonald beleuchtet dabei die Missstände vor Ort genauso wie die juristischen und politischen Fehler, welche hier begangen wurden. Im Rahmen der 71. Berlinale lief der Film in der Berlinale Special Gala und schafft es mit seiner spannungsgeladenen Geschichte, guten Besetzung und der souveränen Umsetzung die ZuschauerInnen zu informieren, mitfühlen zu lassen und zudem gut zu unterhalten.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 10. Juni 2021 / DVD-Start: 24. September 2021

Trailer zum Film „Der Mauretanier“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.