Sechs Fragen an Eric Colonna

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Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Regisseur Eric Colonna konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Ratking“ erfahren, der auf dem 28. Slamdance Film Festival den ‚Narrative Shorts Grand Jury Prize‘ gewann, wie die Figuren sich durch die Schauspieler:innen entwickelten und wie er seine Hassliebe zu Los Angeles ebenfalls in den Film einbaute.

The original english language interview is also available.

Was hat Dich zu Deinem Film „Ratking“ inspiriert – stecken da auch ein paar eigene Erfahrungen drin?

Ratking“ entstand als eine Möglichkeit, eine Menge ängstlicher und paranoider Energie in eine kreative Tätigkeit zu kanalisieren. Die Geschichte entwickelte sich organisch aus Gesprächen mit Freunden über Angst, über das, was sie ist, und über die seltsame Art und Weise, wie sie die Wahrnehmung verzerrt. Ich denke, der fertige Film ist eine Mischung aus persönlichen Erfahrungen, die von allen an der Produktion Beteiligten großzügig zur Verfügung gestellt wurden. Die Entstehung von „Ratking“ hat lange gedauert, so dass es schwierig sein kann, sich an die Initialzündung zu erinnern. Ich erinnere mich jedoch daran, dass ich an einem Sonntagmorgen eine tote Ratte in meinem Garten in Los Angeles fand. Es war interessant zu sehen, auf welch subtile Weise eine kleine Begegnung wie diese den Verlauf des Tages verändern kann.

Wie hast Du Deine Figuren entwickelt – welche Charakterzüge wolltest Du herausarbeiten?

Natasha Sill

Es ist mir ein großes Rätsel, wie Figuren entstehen und ein Eigenleben entwickeln. In gewisser Weise wurden diese Figuren von den Schauspielern geschaffen, die sie gespielt haben (Natasha Sill, Joey Hirsh, Henry Gerse, Tyler Hammond). Ich habe versucht, Leute zu besetzen, von denen ich wusste, dass sie die in der Geschichte behandelten Themen verstehen würden, ohne dass ich zu viele Erklärungen abgeben musste. Ich habe die Charaktere erst dann vollständig verstanden, als ich alle Schauspieler zusammen in einem Raum hatte, jeder mit seiner eigenen Interpretation. Was das Schreiben betrifft, so bestand der wichtigste Teil darin, ein Szenario zu schaffen, das uns alle ein wenig verwirrt hat. Die Charaktere schienen sich aus unseren Unstimmigkeiten zu entwickeln.

Die Darsteller:innen spielen ihre Rollen hervorragend. Wie hast Du Deinen Cast zusammengestellt?

Ich habe viele talentierte Freunde, so dass ich nicht viel weiter als bis zu meinem Wohnzimmer schauen musste, um die Besetzung zu finden. Wenn man versucht, herauszufinden, wie man einen Film macht, ist es am besten, wenn man von Menschen umgeben ist, denen man vertraut. Wenn man mit jemandem eine langjährige Freundschaft pflegt, entwickelt man eine Geheimsprache, die auf gemeinsamen Erfahrungen beruht. Ich glaube, dass die Geheimsprache mit den Mitarbeitern einer der wichtigsten Aspekte beim Filmemachen ist. Es ist definitiv einer meiner Lieblingsteile.

Was lag Dir visuell bei der Ausgestaltung des Films am Herzen?

Das Hauptaugenmerk lag auf der Suche nach den richtigen Drehorten. Ich habe eine Hassliebe zu Los Angeles. Ich wuchs in Arizona auf und verbrachte viel Zeit damit, in meinem Vorgarten zu stehen, in die Wüste zu starren und zu versuchen, Kalifornien auf der anderen Seite zu sehen. Als ich später nach L.A. zog, empfand ich die Stadt als ebenso magisch wie befremdlich. Sich in L.A. zu Hause zu fühlen, scheint mir eine seltene Erfahrung zu sein. Aber das hält die Leute nicht davon ab, es zu versuchen. Als wir nach einem Ort für die Dreharbeiten suchten, wollte ich ein Haus finden, das sich anfühlt, als würde es versuchen, ein Zuhause zu sein, aber das Ziel verfehlte. In Highland Park haben wir schließlich das richtige Haus gefunden. Es wirkte wie eine Festung mit seinem großen Eisenzaun im Vorgarten und den Säulen auf beiden Seiten der Eingangstür.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich bin von Beruf Fotojournalist mit einer großen Vorliebe für Filme. Ich schaue viele Filme mit meinen Freunden. Wenn man genug Filme gesehen hat, kommt man unweigerlich auf den Gedanken, dass man auch einen Film machen könnte. Sobald man diesen Gedanken hat, ist alles vorbei.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich arbeite eng mit meinen Freunden und Produktionspartnern Anthony Lucido und Brian White zusammen. Seit 2016 schreiben, inszenieren und produzieren wir Kurzfilme. Wir haben eine kleine Crew von engen Freunden, mit denen wir seit unserem ersten gemeinsamen Projekt zusammenarbeiten dürfen. Im Jahr 2022 werden wir mit der Produktion von drei Kurzfilmen beginnen. Im Jahr 2023 werden wir ins ländliche Missouri umziehen, um mit der Produktion unseres ersten Spielfilms zu beginnen, bei dem Brian White das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Unser Kurzfilm „Tender“ aus dem Jahr 2019, bei dem Anthony Lucido Regie führte, ist derzeit auf nobudge.com zu sehen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Ratking


Interview: In our conversation with American director Eric Colonna, we were able to learn more about his short film “Ratking“, which won the ‘Narrative Shorts Grand Jury Prize’ at the 28th Slamdance Film Festival, how the characters developed through the actors and how he incorporated his love-hate relationship with Los Angeles into the film as well.

What inspired you to make your film “Ratking” – are there some of your own experiences in it?

Ratking” came about as a way to channel a lot of anxious and paranoid energy into a creative pursuit. The story grew organically out of conversations with friends about anxiety, what it is, and the strange ways that it distorts perception. I think the final film is an amalgamation of personal experiences generously offered up by everyone involved in the production. “Ratking” took a long time to come together so it can be difficult to remember the initial spark. I do remember finding a dead rat in my backyard in Los Angeles on a Sunday morning. It was interesting to notice the many subtle ways that a small encounter like that can transform the trajectory of your day.

How did you develop your characters – what traits did you want to bring out?

It’s a big mystery to me how characters form and take on a life of their own. In a way, these characters were created by the actors that played them (Natasha Sill, Joey Hirsh, Henry Gerse, Tyler Hammond). I tried to cast people that I knew would understand the issues dealt with in the story without me having to say too much by way of explanation. I didn’t fully understand the characters until I had all of the actors in a room together, each equipped with their own unique interpretations. As far as the writing goes, the important part was creating a scenario that we were all a little confused about. The characters seemed to grow out of our disagreements.

The actors play their roles very well. How did you assemble your cast?

I have a lot of talented friends so I didn’t have to look much farther than my living room to find the cast. When you are trying to figure out how to make a movie, it’s best to be surrounded by people that you intimately trust. When you have a long-term friendship with someone, you develop a secret language based on your shared experiences. I think having secret languages with your collaborators might be one of the most important parts of movie making. It’s definitely one of my favorite parts.

What were your main visual concerns in creating the film?

The major visual preoccupation was finding the right locations. I have a love/hate relationship with Los Angeles. I grew up in Arizona and I spent a lot of time standing in my front yard, staring into the desert and trying to see California on the other side. When I moved to L.A. later in life, I found it to be as magical as it is alienating. To feel at home in LA, to me, seems like a rare experience. But that doesn’t stop people from trying. When we were looking for a place to shoot, I wanted to find a house that felt like it was trying to be a home, but missing the mark. We ended up finding the right place in Highland Park. It felt like a fortress with its big iron fence in the front yard and its columns on either side of the front door.

Can you tell me a little more about yourself and how you came to make the film?

I’m a photojournalist by trade with a major love for movies. I watch a lot of movies with my friends. When you watch enough movies you inevitably start thinking that you are capable of making one. Once you have that thought, it’s all over.

Are there any new projects already planned?

I work closely with my friends and producing partners Anthony Lucido and Brian White. We have been writing, directing and producing short films since 2016. We have a small crew of close friends that we have been lucky to work with since our first project together. We will be going into production on three short films in 2022. In 2023 we will be moving out to rural Missouri to begin production on our first feature film, written and directed by Brian White. Our 2019 short film “Tender”, directed by Anthony Lucido, is currently available to watch on nobudge.com.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the short film “Ratking

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