„Lydia“ (2021)

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Kurzfilm / Deutschland / Experimental / 2021

Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „Lydia“, der u.a. im Programm der 32. Bamberger Kurzfilmtage lief, ist ein einfühlsames Portrait zweier Menschen, konstruiert aus alten Aufnahmen und Tagebucheinträgen. 

Das Leben des Ehepaares Lydia und Wolfgang B. wird durch ihre Krebserkrankung komplett auf den Kopf gestellt. Während sie vorher beide Erfüllung in ihrem Beruf und in der gemeinsamen, kinderlosen Zeit fanden, verändert sich nun die Dynamik.

Der Regisseur Christian Becker (*1971), der auch als Produzent in der Zusammenarbeit mit Oliver Schwabe in ihrer gemeinsamen Filmproduktionsfirma ‚field recordings filmproduktion‘ tätig ist, erzählt hier die Geschichte seiner Tante und seines Onkels. Selbst wusste er bis zum Fund der Tagebucheinträge von 1992 nichts von ihrer Krankheit. Diese sachlich geschilderten Berichte bringt er mit Schmalfilmaufnahmen aus den 70er Jahren, einer sehr glücklichen und aktiven Zeit des Paares, zusammen. Zwischen der visuellen und der Audio-Ebene entsteht so ein Spannungsbereich. In diesem tummelt sich eine Bandbreite von Gefühlen, welche in den Zuschauer:innen ausgelöst werden. Die Fröhlichkeit der vergangenen Aufnahmen legen sich genauso aufs Gemüt wie die Melancholie der erdrückenden Krankheit. So entstand hier ein Dokumentarfilm, der keiner weiteren Erklärungen bedarf, nur mit gefundenem Material arbeitet und damit berühren kann.

Fazit: „Lydia“ ist ein dokumentarischer Found-Footage-Kurzfilm von Christian Becker, der die Geschichte eines Paares zwischen Lebensfreude und Krankheit erzählt und damit unter die Haut geht.

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

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