„Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“ (2021)

Filmkritik: Erst vor kurzem hat Werner Herzog sein Buch „Das Dämmern der Welt“ vorgestellt, in dem er die wahre Geschichte des japanischen Soldaten Onoda schildert, nun startet der Spielfilm „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel “ (OT: „ONODA 一万夜を越えて“, Frankreich/Japan/Deutschland/Belgien/Italien/Kambodscha, 2021), der sich ebenfalls auf freie Art die Geschichte dieses besonderen Helden erschließt.

Im Jahr 1944 wird der Leutnant Onoda Hirō (Endō Yūya) auf eine philippinische Insel geschickt, um eine Truppe dort stationierter Japaner anzuführen und die neuen Befehle auszuführen. Doch bevor das passiert, werden sie angegriffen, flüchten in den Dschungel und verschanzen sich dort. Schnell spaltete sich die Truppe auf und zu viert bleibt Onoda zusammen mit Yuichi Akatsu (Inowaki Kai), Siochi Shimada (Katō Shinsuke) und Kinshichi Kozuka (Matsuura Yūya) zurück. Sie beginnen zu kartographieren, vernichten die Lebensmittel der Dorfbewohner:innen und sind bereit für das große Gefecht. Als sie die Botschaft erreicht, dass der Krieg vorbei ist, wittern sie eine Falle und halten weiterhin die Stellung.

Yûya Endô und Yuya Matsuura

Der Spielfilm „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“ entstand zum einen aus der Idee heraus, eine klassische Abenteuergeschichte zu erzählen. Zum anderen erfuhr der französische Regisseur Arthur Harari (*1981) von seinem Vater von dieser ungewöhnlichen Heldengeschichte. Der Nachrichtenoffizier Leutnant Onoda Hirō, Jahrgang 1922, wurde 1944 auf die Insel versetzt und harrte dort bis 1974 – 30 Jahre lang – aus, in der Überzeugung der Krieg sei noch nicht vorbei. Sein Schicksal war dabei kein Einzelfall, über den Pazifik verteilt blieben ehemalige japanische Soldaten auf ihrer Position. Als er schlussendlich das Ende des Krieges anerkannte, wurde er als Held verehrte und schrieb 1971 seine Memoiren „No Surrender: My Thirty Year War“. 

Ohne diese zu kennen, ließ sich Harari, der zusammen mit Vincent Poymiro das Drehbuch schrieb, zu seinem Film inspirieren. In seinen 167 Minuten Länge schlägt der Film den Bogen über 30 Jahre hinweg, in Rückblenden zeigt er, wie Onada den Auftrag erhielt und wie er ausgebildet und geformt wurde. Um das Gefühl der langen Dauer auch filmisch zu vermitteln, lässt sich der Regisseur Zeit, um die Geschichte zu erzählen. So ist das Publikum auch oft dabei, wenn die Zeit mit Nichtigkeiten vergeht. Dabei kommt aber nie Langeweile auf, sondern man ist fasziniert und involviert, wie es dazu kommen konnte. Die Entwicklung der Persönlichkeit und der Kameradschaft zu den wenigen Männern, die bei ihm sind, werden dabei wunderbar eingefangen. Was macht so eine lange Zeit mit einem Menschen, diese Frage wird wie nebenbei aufgeworfen und auch zum Teil beantwortet. Hinzu kommt die tadellose Umsetzung in feinster Western-Manier, wie der Regisseur selbst sagt. Die Weite und Schönheit der Natur wird dabei genauso eingefangen, wie der einsame Held, der sich seinen Weg bahnt. Hervorragend besetzt und gespielt bleibt man dem Film und seinen Protagonisten treu und fiebert, obwohl man es kennt, auf das Ende und damit auch auf die Erlösung für den Protagonisten hin.

Yûya Endô & Matsuura Yūya

Fazit: Der Spielfilm „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“, erzählt die wahre Geschichte der ganz besonderen Heldenwerdung eines Soldaten, der das Ende des Krieges verpasst hat. Im Stil klassischer Abenteuer- und Westernfilme fängt der Regisseur Arthur Hanari die Geschichte des auf den Philippinen stationierten Leutnants ein und macht die Länge und Unglaublichkeit dieser Geschichte deutlich. 

Bewertung: 7/10

Kinostart: 02.06.2022

Trailer zum Film „Onoda – 10.000 Nächte im Dschungel“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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