„Heavier is the Sky“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Das brasilianische Drama „Heavier is the Sky“ (OT: „Mais Pesado é o Céu“, Brasilien, 2023) von Petrus Cariry, das seine Internationale Premiere auf dem 30. Internationalen Filmfest Oldenburg feierte, erzählt von der Suche nach einer neuen Heimat und einem Ort, wo man leben und nicht nur überleben kann.

Teresa (Ana Luiza Rios) ist, seit ihre Stadt geflutet wurde, heimatlos. Doch sie pilgert an den Ort zurück, entdeckt dort ein elternloses Baby und nimmt es spontan als das ihrige auf. Am gleichen Ort begegnet sie Antonio (Matheus Nachtergaele), der ebenfalls keine Heimat und kein Ziel hat. Zusammen landen sie in einer nahezu verlassenen Stadt, wo ihnen großzügigerweise ein altes Haus zur Verfügung gestellt wird, doch davon kann man sich nicht ernähren. Also suchen Teresa und Antonio jeder auf seine Weise nach Wegen, um ihre kleine neue Familie zu ernähren.

Ana Luiza Rios

Das Drama des brasilianischen Regisseurs Petrus Cariry (*1977), der auf dem 30. Internationalen Filmfestival Oldenburg 2023 den Spirit of Cinema Award gewinnen konnte, erzählt eine ruhige Geschichte von Heimatverlust, Orientierungslosigkeit und den harten, gesellschaftlichen Bedingungen. Zu Beginn zeigt der Film zwei Menschen, die auf der Reise und auf der Suche sind. Als diese ein vorübergehendes Zuhause finden, stellt sich die Frage, ob das funktionieren kann und was sie dafür in Kauf nehmen müssen. Cariry, der zusammen mit Rosemberg Cariry und Firmino Holanda das Drehbuch schrieb, findet dabei Antworten, welche die Zuchauer:innen kaum auf ein Happy-End hoffen lassen. So spitzt sich ihre Lage und Misslichkeit immer weiter zu und entlädt sich in einem überraschenden Finale, das jeder für sich selbst einordnen muss. Wie schon Carolina Markowicz mit „Charcoal“ zeigt auch der brasilianische Filmemacher Missstände auf und fordert indirekt Veränderungen.

Matheus Nachtergaele 2

Der Stil, in dem er seinen Film inszeniert, ist dabei geprägt von einem hohen Realitätsanspruch. Er schafft es, die Schönheit und liebevollen Momente im richtigen Licht einzufangen, schreckt aber auch nicht davor zurück, die hässlichen Seiten ungefiltert zu zeigen. Sein Ensemble spielt ihre Rollen mit dem gleichen Authentizitätsanspruch, so dass ihr Leid und ihr Gefühl des Verlorenseins spürbar werden. So ist „Heavier is the Sky“ ein starker, bewegender Film, dem man aber ein anderes Ende – vielleicht auch mit ein wenig mehr Hoffnungsschimmer – gewünscht hätte.

Ana Luiza Rios und Matheus Nachtergaele

Fazit: „Heavier is the Sky“ ist ein brasilianisches Drama des Regisseurs Petrus Cariry, der es schafft, mit offenen Augen die Missstände des Landes sowie die persönliche Geschichte seiner zweier Helden emotional wie authentisch zu verknüpfen. So dass man als Publikum trotz aller Düsternis auch das Schöne der kleinen Gemeinschaft erkennen und mitfühlen kann.

Bewertung: 7/10

Trailer zum Film „Heavier is the Sky“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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