„The Gullspång Miracle“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die Dokumentation „The Gullspång Miracle“ (OT: „Miraklet i Gullspång“, Schweden/Norwegen/Dänemark, 2023) von Maria Fredriksson, die ihre Deutsche Premiere auf dem 66. DOK Leipzig 2023 feierte und jetzt in den Kinos startet, wirkt selbst so versponnen, dass sie gar nicht wahr sein kann und so vereinen sich hier zwei Genres, die man selten zusammen sieht: Dokumentation und Mystery-Thriller.

Die beiden Schwestern Kari und Mary haben Kontakt zur Filmemacherin aufgenommen, da ihnen etwas Unglaubliches passiert ist und sie das gern filmisch festgehalten haben wollen. Die beiden haben vor kurzem ihre seit 30 Jahren totgeglaubte Schwester wiedergefunden. Doch wie kann es sein? Ein DNA-Test, das Geheimnis um einen Zwilling und viele Familienstreitigkeiten bringen die Dokumentation voran und die Regisseurin wird nahtlos als Ansprechpartnerin und Vertrauensperson eingebaut in das Familiendrama.

Fiktion könnte nicht spannender sein, als dieser Dokumentarfilm, bei dem man öfter zweifelt, ob man doch aus Versehen einen Spielfilm sieht. Der 108-minütige Film ist voller Abstrusitäten und Wendungen, dass selbst Großmeister wie David Lynch („Twin Peaks“ (1990-1991)), der hier auch klar zitiert wird, ihre Freude daran hätten. Immer wieder schlägt der Film einen neuen Haken, mit dem man so einfach nicht gerechnet hat. Dazu spielt rein, dass die Geschichte selbst wie aus einem Mysteryfilm wirkt und das eine oder andere Geheimnis birgt. Aber genauso wichtig ist es, dass die Regisseurin und Dokumentarfilmemacherin Maria Fredriksson sich selbst ins Spiel bringt. Sie ist von Anfang an ein Teil der Geschichte und für uns das Tor zu dieser Familie. Mit ihren Augen sind wir gleichermaßen erstaunt, sehen aber auch wie sie, dass es eine tolle Geschichte ist, die eine cineastische Entsprechung braucht. Wir werden Zeuge davon, wie sie Szenen inszeniert oder wie sie selbst involviert wird. Dabei kann man natürlich als Zuschauer:in nicht wissen, welche Szenen dabei wiederum gestellt sind. Dieses Vexierspiel passt perfekt zur Geschichte und untermalt die Dokumentation mit so vielen Geheimnissen, dass es bis zum Schluss unglaublich spannend bleibt. Dabei lässt sie ihren Figuren so viel Platz, dass man auch eine deutliche Entwicklung über die Zeit spürt, und auch der Humor, der einfach ein Teil dieser irrwitzigen Geschichte ist, lugt hier überall durch. So entstand eine ungewöhnliche Dokumentation, die ohne Probleme einen klassischen Mainstream-Film ersetzen kann.

Fazit: „The Gullspång Miracle“ ist eine Dokumentation von Maria Fredriksson, die eine überraschende, beinahe fiktiv wirkende Familiengeschichte erzählt. Dabei nimmt sie sich Anleihen aus dem Mystery-Thriller-Genre, wird selbst Protagonistin des Films und schafft es so, einen sehr humorvollen, leichtfüßigen Dokumentarfilm zu kreieren, der genauso gut wie jeder Spielfilm unterhalten kann.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 12.09.2024

Trailer zum Film „The Gullspång Miracle“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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