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Filmkritik: Der deutsche Spielfilm „Jenseits der blauen Grenze“ von Sarah Neumann erzählt von einer wahren Fluchtgeschichte aus der DDR und wurde auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024, auf dem er seine Weltpremiere feierte, gleich mit drei Preisen – dem Publikumspreis Spielfilm, dem Preis für den besten Schauspielnachwuchs und dem Preis der Ökumenischen Jury – ausgezeichnet.
Hannah (Lena Urzendowsky) träumt von einer Karriere als Olympionikin und das Schwimmtraining in der DDR läuft so gut, dass ihre Träume immer greifbarer werden. So verbringt sie auch die meiste Zeit im Becken und trainiert hart. Die restliche Zeit ist reserviert für ihre beiden Freunde Andreas (Willi Geitmann) und Jens (Jannis Veihelmann). Während Hannah nie Probleme hatte, sich in das Staatsgefüge mit all seinen Regeln einzuordnen, eckt Andreas immer wieder an und landet so eines Tages in einem Jugendwerkhof. Nach dieser sozialistischen Umerziehung ist Andreas nicht mehr derselbe und hat beschlossen, das Land über die Ostsee zu verlassen und will dafür Hilfe von Hannah.
Das Spielfilm-Debüt von Sarah Neumann, für das sie auch das Drehbuch schrieb, basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch (2014) von Dorit Linke. Das Thema Landesflucht ist immer noch topaktuell, auch wenn hier eine Geschichte aus der DDR erzählt wird. Über das Meer versuchten damals viele Menschen zu fliehen (Kurzfilm „Die Weite suchen“ (2015)), aber nur wenigen gelang es. Es musste eine Strecke von 50km im offenen Meer zurückgelegt werden. Dazu war nicht nur die richtige Schutzkleidung und hartes Training notwendig, sondern auch eine riesige Portion Glück. Doch wie im Buch nimmt sich der Film auch die Zeit, die Figuren vor der Flucht kennenzulernen. So können die Zuschauer:innen am Ende mit ihnen mitfiebern, da wir ihre Wünsche, Träume und ihre Verbindung kennen. Dabei schafft es Neumann, die selbst ein Nachwende-Kind ist, einen lebendigen Eindruck von der DDR zu vermitteln. Ihr Fokus liegt dabei klar auf die drei Freunde und sie erzählt anhand dieser drei von verschiedenen Leben und DDR-Geschichten einzugehen. Einige Themen kann sie dabei nur anreißen, was aber dazu beiträgt ein größeres Bild zu vermitteln. Diese Flucht, bei der sie enorme Kräfte aktivieren müssen, bekommt aber ebenso viel Raum ein und lässt die Zuschauer:innen es hautnah miterleben.
Der Look des Films bedient sich eines großen Fundus an noch vorhandenem DDR-Ausstattungs-Repertoire und schafft so ein passendes Drumherum für seine Geschichte. Der Anspruch an einem authentischen Look verortet den Film gelungenen in der Zeit, aber das Thema Flucht besitzt trotzdem etwas Zeitloses. Abgerundet wird der Film von einem Score und einer eher blau-grauen Farbpalette, welche gut zur Stimmung des Films passen. Die Jungdarsteller:innen sind wunderbar besetzt. Willi Geitmann und Jannis Veihelmann standen hier zum ersten Mal vor der Kamera. Dass beide gleich für den ‚Besten Schauspielnachwuchs‘ auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 nominiert wurden, ist natürlich eine große Ehre und ein guter Anfang für die Schauspielkarriere. Willi Geitmann konnte dann sogar den Preis mit nach Hause nehmen. In der Mitte der beiden jungen Männer spielt Lena Urzendowsky (bekannt u.a. für „Kokon“ (2020)) die hin und her gerissene Hannah mit so viel Kraft und Sympathie, dass man das Dreier-Gespann einfach ins Herz schließen muss. Das Herzstück ist die Freundschaft der drei und lebt von dem gelungenen Schauspiel aller Darsteller:Innen so dass man ganz unweigerlich auf ein positives Ende hofft.
Fazit: „Jenseits der Blauen Grenze“ ist das Langfilmdebüt von Sarah Neumann, das eine Geschichte einer Flucht von Ost- nach Westdeutschland über das Meer erzählt. Basierend auf einem Jugendbuch stehen hier Jugendliche im Fokus der Geschichte und mit ihnen erlebt man die Zeit aus ihren Augen, das Gefühl von Freundschaft und warum es sich manchmal richtig anfühlt, fliehen zu müssen. Konzentriert inszeniert und vor allem wunderbar gespielt zieht der Film einen in den Bann.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 3. Oktober 2024
Trailer zum Film „Jenseits der blauen Grenze“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Spielfilm‘)
- Eintrag des Films „Jenseits der Blauen Grenze“ beim Produzenten Wood Water Films
- Wikipedia-Artikel über den Film „Jenseits der blauen Grenze“
- MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, ‚Dreifacher Erfolg für das MFG-geförderte DDR-Fluchtdrama „Jenseits der blauen Grenze“ auf dem Max Opühls Festival in Saarbrücken‘, mfg.de, 2024
- Tobias Kessler, ‚Interview zu „Jenseits der blauen Grenze“ beim Ophüls-Festival‘, saarbruecker-zeitung.de, 2024
- Simin Sadeghi, ‚Jenseits der blauen Grenze‘, sr-mediathek.de, 2024

