„Just Above the Surface of the Earth“ (2024)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der kanadische Dokumentarfilm „Just Above the Surface of the Earth“ (OT: „Just Above the Surface of the Earth“, Kanada/USA, 2024) von Marianna Milhorat, der auf dem 67. DOK Leipzig 2024 in der Reihe ‚Camera Lucida‘ lief und seine Deutsche Premiere auf dem Festival feierte, blickt auf das sechste Artensterben der Welt und findet dafür einen ungewöhnlichen Zugang.

In der Nacht machen sich zwei Bürgerwissenschaftlerinnen auf den Weg, die Frösche in der Umgebung von Chicago zu dokumentieren. Sie warten, ordnen die Rufe zu und können so einschätzen, wie sich die Populationen verändert haben. Eine andere Gruppe Freiwilliger ist an der Pazifikküste unterwegs und beschäftigt sich mit Seesternen, die von einer mysteriösen Krankheit befallen wurden. Andere dagegen sind mit Kanus auf den Flüssen von Illinois unterwegs und verfolgen Fledermäuse.

Die kanadische Filmemacherin Marianna Milhorat, die in der Zeit der Filmproduktion im Mittleren Westen der USA lebte, beschäftigt sich in ihrem Film mit dem Verschwinden der Biodiversität im Anthropozän. Dabei konzentriert sie sich nicht auf einzelne Menschen oder Projekte, sondern wirft einen weiten Blick über das Land. So stehen die drei ausgewählten Gruppen auch für das große Ganze, für die Menschen, die sich bemühen, sich dem Artensterben entgegenzustellen. Dabei nimmt sie den Rhythmus, den die Natur vorgibt, genauso in ihrem Film auf. Das Warten, Suchen und Beobachten sind maßgeblich für ihre Erzählung. Der Film entstand über zwei Jahre und gibt den Projekten Raum zum Atmen. Auch bringt sie den Zuschauer:innen die Bürger:innen-Bewegungen näher und zeigt, dass jeder einen Beitrag leisten kann. 

Die Bildsprache passt sich dabei ganz natürlich den Gegebenheiten an, so stapfen wir Zuschauer:innen mit den Menschen auch schon mal im Schein der Taschenlampen durch die Dunkelheit oder suchen den Wald nach Lebenszeichen ab. Doch hinzu kommt eine weitere Ebene: Der auffällige Score von Brian Kirkbride, den man als immersive Klangkunst bezeichnen kann. Aber auch die gesprochene Textpassagen mit Worten von Cormac McCarthy, William Golding, Martin Heidegger, Original Haikus und vielen weiteren Autoren fügen der Dokumentation eine weitere Ebene hinzu. Diese Texte erzählen von Tieren und zeigen, dass sich auch die Kunstwelt mit diesen Themen beschäftigt. So verbinden sich authentische Aufnahmen mit starken Worten und eindringlichen Sounds.

Fazit: „Just Above the Surface of the Earth“ ist eine Dokumentation von Marianna Milhorat, die sich darin mit dem Verschwinden der Biodiversität im Anthropozän beschäftigt, in dem sie diverse Bürger:innen-Wissenschafts-Projekte begleitet. Abgerundet von lyrischen Worten und einem starken Score entstand so ein ungewöhnlicher, lange nachhallender Dokumentarfilm. 

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: unbekannt

Trailer des Films „Just Above the Surface of the Earth“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen