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Filmkritik: Der slowenische Spielfilm „Little Trouble Girls“ feierte seine Weltpremiere auf der 75. Berlinale 2025 in der Sektion ‚Perspectives‘. Der Debütfilm von Urška Djukić ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte von jungen Frauen zwischen sexuellem Erwachen und religiöser Erziehung.
Die 16-jährige Lucija (Jara Sofija Ostan) ist ein introvertiertes Mädchen und fest in die gesellschaftlichen Strukturen zwischen Kirche und Familie eingebunden. Als sie dem Mädchenchor beitritt, freundet sie sich mit Ana Marija (Mina Švajger) an und wird schnell ihre beste Freundin. Diese ist ganz anders als Lucija: Sie ist offensiv, laut und spricht offen über Sexualität und Männer. Bei einem Probenwochenende in einem Kloster gibt es mehr als den Chor zu entdecken und auch in Lucija erwachen Sehnsucht und Verlangen.
Der Debüt-Spielfilm von Urška Djukić, zu dem sie auch das Drehbuch schrieb, ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Auch in diesem Film steht ein erwachendes Begehren im Kontrast zum gesellschaftlichen Rahmen, in dem die jungen Frauen leben. Dabei geht es ganz konkret um die Ambiguität der Gefühle der Protagonistin zwischen ihrer Religion und ihrer natürlichen Sehnsucht nach anderen Menschen. Angesiedelt im ländlichen, katholischen Slowenien und zugespitzt auf ein langes Wochenende in einer neuen Umgebung lernen wir mit der Hauptfigur zusammen ihr sexuelles Begehren kennen. Wunderbar ist die Ambivalenz der Figur, auf wen sich die Sehnsucht genau bezieht. Ist es der attraktive Bauarbeiter im Klostergarten, dem sich die Mädchen versuchen zu nähern, oder ist es ihre beste Freundin, nach der sie sich sehnt? Die slowenische Regisseurin fängt diese Jugendzeit gelungen ein, sowie die damit einhergehenden Abenteuer und auch die Unsicherheiten jenes
Erwachsenwerdens. Sie zeigt, wie wohltuend eine beste Freundin, aber auch wie groß der Druck in einer Gruppe sein kann. In schönsten Farben und mit einem hervorragend ausgewählten Cast (besonders beeindruckend: Jara Sofija Ostan in ihrer ersten Rolle) erweckt sie die Geschichte, die man in der ein oder anderen Gestalt schon einmal gesehen hat, zum Leben. Auch der Gesang im Chor und dessen Proben sind als Spiegel für die Unruhe im Inneren wunderbar eingebaut. Das geht Hand in Hand mit einem gut gemachten Sounddesign und passender Musik. So entstand hier zwar keine originelle oder neue Geschichte, aber eine, die viel Wahres beinhaltet und mit ihrer überzeugenden Inszenierung gut unterhalten kann.
Fazit: „Little Trouble Girls“ ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, die bekannte Elemente zu einem neuen, stimmigen Film über die Jugend, sexuelles Erwachen und dem Kontrast zu gesellschaftlichen Rahmen und Konventionen gut einfängt. Die Regisseurin Urška Djukić fand dafür eine ansprechende Bildsprache und hat vor allem die perfekte Besetzung gefunden.
Bewertung: 3/5
Kinostart: 21.01.2026
Trailer zum Film „Little Trouble Girls“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Perspectives‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Little Trouble Girls“
- Oliver Armknecht, ‚https://www.film-rezensionen.de/2025/02/little-trouble-girls/‘, film-rezensionen.de, 2025
- Fabian Wallmeier, ‚„Little Trouble Girls“ auf der Berlinale – eine lustvolle Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen‘, rbb24.de, 2025
- Peter Bradshaw, ‚Little Trouble Girls review – monstrous choirmaster spikes a sublime Catholic coming-of-age tale‘, theguardian.com, 2025
- „Little Trouble Girls“, Interview with director Urška Djukić, in Podcast: FRED Film Radio – Englisch Channel, 15.02.2025.