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Interview: Im Gespräch mit der deutschen Regisseurin Alice Prosser konnten wir mehr über ihren 36-minütigen Film „Bleistiftstriche“ erfahren, der auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 seine Premiere feierte, was ihr bei der Umsetzung des Stoffes wichtig war und warum sie sich selbst nach einem begonnenen Schauspielstudium auf den Regiestuhl setzte.
Dein Film erzählt von Sommerliebe, Verliebtsein und am Ende auch von Trennung. Warum hast Du Dich entschieden, diese Art von Coming-of-Age Geschichte zu erzählen?
Ich habe mich gefragt, was für einen Sinn wir in unerfüllten Lieben finden können. Haben sie weniger Wert, nur weil sie nicht in einer langjährigen Beziehung enden? Welche Bedeutung spielen sie in unserer Entwicklung und wieso ist Zeit nicht ausschlaggebend für die Verbindung zwischen zwei Menschen? Wieso fühlen sich manche Menschen so verbunden, aber sind nicht in der Lage, diese Liebe zu halten? All das habe ich hinterfragt und über mein eigenes Erleben hinaus erzählen wollen.
Ist der Film im Rahmen Deines Studiums entstanden? Wie lange hattet ihr Zeit und wo habt ihr gedreht?
„Bleistiftstriche“ ist eine unabhängige Produktion und nicht im Rahmen meines Studiums entstanden. Ich habe eigentlich Schauspiel studiert an der Filmuni Konrad Wolf [Babelsberg] und das Projekt hätte als freies Projekt angemeldet werden sollen. Aber schlussendlich hat die Filmuni das Projekt nicht unterstützt, weil ich keine Regiestudentin war. Uns wurden wirklich viele Steine in den Weg gelegt, aber es war keine Frage mehr, ob wir den Film realisieren, sondern eigentlich nur noch wie. Die Antwort haben wir am Stadtrand von Wien gefunden, im Haus von meinem Opa durften wir das Set bauen und 13 Tage lang drehen.
Der Sommerlook ist wunderbar und man merkt richtig die Hitze solcher Tage. Was war Dir auf visueller Ebene wichtig?
Es war mir wichtig, durch die Farben in dem Film alles Unausgesprochene zu erzählen.
Dein zweisprachiger Cast ist großartig ausgewählt. Kannst Du mir zur Besetzung erzählen?
Vielen Dank! Ich bin sehr froh, dass Emilia und Esther mitgespielt haben. Emilia kannte ich als Schauspielkollegin, das ist schon viele Jahre her, da haben wir gemeinsam in einem Film gespielt. Als ich „Bleistiftstriche“ Jahre später realisieren wollte, ist sie mir sofort eingefallen. In meinem Kopf war sie die perfekte Besetzung für die Figur. Ich hatte ihr das Drehbuch gesendet und sie war sehr begeistert, aber meinte, dass sie sich derzeit wieder mehr aufs Klettern konzentrieren will. Dann haben wir begonnen andere Schauspielerinnen zu casten und zwei Monate später hat Emilia mich kontaktiert, dass sie nochmal darüber nachgedacht hat und die Rolle eigentlich sehr gerne spielen würde. Und Esther habe ich auf einem Castingportal gefunden. Sie war die Erste, die mir vorgeschlagen wurde und ich wusste sofort: Das ist sie.
Denkst Du, der Stoff hätte genug Potential für einen Langfilm?
Ich habe das Gefühl, dass „Bleistiftstriche“ eher wie ein Gedicht ist. Daher kann ich mir fast keine andere Länge für den Film vorstellen.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir mitteilen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich komme eigentlich vom Schauspiel und habe in Österreich und Deutschland schon seit meiner Kindheit in Film- und Theaterprojekten arbeiten dürfen. Aber schon seit ich schreiben kann, schreibe ich auch Geschichten. Mein erstes Langspielfilmdrehbuch habe ich dann mit 16 verfasst. Ich erinnere mich, dass meine Freund*innen in Clubs gegangen sind, während ich lieber die Nächte durchgeschrieben habe. Haha! Als ich Schauspiel studiert habe, ist mir aufgefallen, dass ich das, was alle anderen Departments machen, einfach viel spannender finde als mein eigenes Studium. Dann habe ich für mich beschlossen, dieser Neugier nachzugehen und meiner Vision eine Chance zu geben, die Perspektive hinter der Kamera einzunehmen und Menschen zu finden, die mich in meiner Vision unterstützen wollen.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ja! Ein Langspielfilm und zwei Kurzfilmprojekte…mal sehen, was daraus wird.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Bleistiftstriche“

