“Dunkirk” (2017)

© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.

Filmkritik: Fast alles was der britische Regisseur Christopher Nolan (*1970) hervorgebracht hat, ist in die Filmgeschichte eingegangen. Sein Sci-Fi-Film “Interstellar” (2010) prägte das Genre, die Dark Knight-Trilogie machten Batman und Heath Ledger unsterblich und der Film “Inception” (2010) ist jetzt schon ein Klassiker des modernen Kinos. In seinem neuesten Film – “Dunkirk” (OT: “Dunkirk”, UK/Niederlande/Frankreich/USA, 2017) – beschäftigt er sich mit dem nationalen Thema der Schlacht von Dünkirchen. Dabei schuf er aber nicht nur ein pures Historienepos, sondern mit seiner verkreuzten Erzählstruktur, wenigen Worten und gewaltigen Bildern ein ergreifendes Werk, das Nolans mannigfaltiges Können beweist.

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Frankreich, Frühjahr 1940: Die Deutschen haben die französischen und britischen Truppen bei Dünkirchen umstellt. Damit beginnt die Operation Dynamo, in der so viele Soldaten wie möglich evakuiert werden sollen. Vor Ort versuchen der Commander Bolton (Kenneth Branagh) und Colonel Winnant (James D’Arcy) den Abzug der Truppen zu organisieren. Mittendrin ist der einfache Soldat Tommy (Fionn Whitehead) der zusammen mit einem Verbündeten jede Chance wahrnimmt nach England überzusetzen. Aus der Luft bekommen die Soldaten Unterstützung von den Piloten Farrier (Tom Hardy) und seinen Kollegen, welche die feindlichen Lufttruppen in Schach halten. Hinzu kommen vom Festland heimische Kutter den Soldaten zu Hilfe geeilt. So auch Mr. Dawson (Mark Rylance) und sein Sohn Peter (Tom Glynn-Carney), die bereits einen schwer traumatisierten Soldaten (Cillian Murphy) eingesammelt haben und nun hoffen weitere Soldaten zurück nach Hause zu bringen.

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Der Regisseur und Drehbuchautor Christoph Nolan verfilmt hier britische Heldengeschichte. Die Operation Dynamo, die damals fast 85% der Soldaten in Dünkirchen das Leben rettete, ist als ein Sieg in die Geschichte eingegangen. Doch Nolan inszeniert keinen Heldenepos, sondern zeigt die Geschichte einzelner Männer, die mal mehr mal weniger zum erfolgreichen Abzug beigetragen haben. Dafür schuf er drei Erzählstränge, die sich über unterschiedliche Zeitspannen erstrecken. Während wir die Soldaten am Boden eine Woche lang begleiten, sind die Ereignisse in der Luft nur von einer Stunde wiedergegeben. Anfänglich verursacht das Konzept leichte Verwirrung, doch recht schnell macht der Zuschauer sich ein Bild und kann nach und nach die losen Fäden zusammenführen, so dass am Ende des Films alle Stränge zusammenlaufen sind und ein einheitliches Bild präsentieren. Dabei kommt der Film die meiste Zeit ohne viele Worte aus und gibt Zeugnis vor allem durch seine beeindruckende Bildsprache. Die Kamera von Hoyte van Hoytema fängt die Ereignisse mit großen Schwenks und berührenden Nahaufnahmen ein. Es zeigt die Tragweite der Ereignisse und die Verletzlichkeit der einzelnen Personen. Die BIlder besitzen viel Authentizität und somit auch Brutalität, sind aber trotzdem von einer eigenen Schönheit gekennzeichnet. So erkennt man in der verschachtelten Erzählstruktur, welche sehr an einen von Nolans ersten Filmen – “Memento” (2000) – erinnert, und in der Macht der Bilder die Handschrift Nolans. Abgerundet wird das ganze von der herausragenden Darstellern, die sich alle nicht in den Vordergrund drängen und ein realitätsnahes Bild der Menschen zeichnen, die unfreiwillig zu Helden und Überlebenskämpfer werden, sowie einem fantastischen Score. Die Musik von Hans Zimmer ist oscarverdächtig. Die Musik- und Tonebene fährt dem Zuschauer ins Mark und trägt viel bei zur monumentalen Wirkung der Szenerie. Dabei ist sie nicht laut und bombastisch, sondern unauffällig und schwillt von Zeit zu Zeit an. Im Gesamten ist Christopher Nolan ein Antikriegsfilm der anderen Art gelungen, erzählt er doch nicht von einzelnen Helden, sondern zeigt mit einer Vielzahl von Personen und starken Bildern, dass ein Abzug auch ein Triumph sein kann.

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Fazit: Der Spielfilm “Dunkirk”, der neueste Film des hoch geschätzten Regisseurs Christopher Nolan, erzählt in einer wunderbar verschachtelten Struktur und mit atemberaubenden Bildern und einer eindringlichen Musik- und Tonkulisse von einer bekannten Stück der britischen Geschichte. Er schuf damit ein Heldenepos der anderen Art, welches nicht von einzelnen, kämpferischen Helden erzählt, sondern die gemeinschaftliche Kraft der Operation Dynamo huldigt. “Dunkirk” ist bildgewaltiges Historienkino mit angenehm wenig Pathos, das man auf der großen Leinwand gesehen haben sollte.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 27. Juli 2017, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Wikipedia Schlacht von Dünkirchen 

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