“The Killing of a Sacred Deer” (2017)

Poster zum Film "The Killing of a sacred Deer"

© Alamode Film

Filmkritik: Der griechische Filmemacher Yorgos Lanthimos erregte mit seinen letzten Film, “The Lobster” (2015), internationale Aufmerksamkeit. Auch der Spielfilm “The Killing of a Sacred Deer” (OT: “The Killing of a Sacred Deer”, UK/Irland/USA, 2017) sollte von Anfang an in englischer Sprache realisiert werden und kann nicht nur mit seinem sehr guten Schauspielerensemble bestechen, sondern auch mit seiner ungewöhnlichen, verstörenden Geschichte die Zuschauer faszinieren.

Standbild aus dem Film "The Killing of a sacred Deer"

© Alamode Film

Auf den ersten Blick scheinen der Herzchirurg Steven Murphy (Colin Farrell) und seine Frau Anna (Nicole Kidman) ein perfektes Leben zuführen. Dieses gerät aber immer mehr ins Wanken, als sich Steven aus Schuldgefühlen heraus mit dem Sohn eines ehemaligen Patienten, Martin (Barry Keoghan), trifft, um es wieder gut machen zu können. Auch Stevens Kinder Kim (Raffey Cassidy) und Bob (Sunny Suljic) freunden sich mit dem 16-jährigen Jungen an. Doch nachdem ein Verkupplungsversuch von Steven und seiner Mutter (Alicia Silverstone) scheitert, beschließt Martin die Familie zu verfluchen und somit Steven zu einer Entscheidung zu zwingen.

Standbild aus dem Film "The Killing of a sacred Deer"

© Alamode Film

Zusammen mit seinem Drehbuchschreiber Efthymis Filippou (*1977) erdachte sich der 1973 in Athen geborene Filmemacher Yorgos Lanthimo die Geschichte zu seiner zweiten englischsprachigen Produktion. Anfänglich stand den Autoren eine klassische Rachegeschichte im Sinn, doch nach und nach schlichen sich übernatürliche Elemente ein. Im Endresultat nehmen diese einen großen Stellenwert ein und bestimmen die Atmosphäre und Stimmung des Films. Auch der Titel fügt sich wunderbar in das Bild. Erzählt er doch von der mythologischen Begebenheit, dass der König Agamemnon von der Jagdgöttin Artemis bestraft wird, weil er einen heiligen Hirsch erlegt hat. Im Gegenzug muss er seine Tochter Iphigenie opfern. Der Film übernimmt diese Struktur, erlaubt dem Chirurgen Steven aber, selber eine Wahl zu treffen. So führt eine abstruse Ausgangssituation zu einem tiefgehenden, moralischen Konflikt. Dieser packt die Zuschauer und führt zu vielen Fragen. Dabei bemüht sich der Film nicht, die erlösenden Antworten zu geben, sondern verwendet das Übernatürliche zur konsequenten Steigerung der Konflikte. Dabei entpuppen sich alle Charaktere als Unsympathen und offenbaren ihr wahres Ich. Doch trotz des Fehlens von Mitleid bei den Zuschauern für die Protagonisten, ist der Film erstaunlicherweise eindringlich und aufwühlend.

Standbild aus dem Film "The Killing of a sacred Deer"

© Alamode Film

Umgesetzt wurde die Geschichte in einem passenden Rahmen. Die Optik schmiegt sich vor allem mit den kreativen Aufnahmen wunderbar an die Geschichte an. Die Kameraarbeit von Thimios Bakatakis nimmt dabei anfänglich die Sterilität der Chirurgen-Familie auf und wird mit der Zeit aber immer unruhiger. Auch die Musik des Komponisten Max Behrens lebt von ihren Gegensätzen. Sie ist die meisten Zeit unauffällig, aber hin und wieder brandet sie mit ungeheurer Kraft auf und gibt der Geschichte einen dramatischen Anstieg. Dieser steht oft im Gegensatz zu den eingefangenen Bildern. Auch das Ensemble mit Colin Farrell und Nicole Kidman in den Hauptrollen sowie mit den Newcomern Barry Keoghan (schon mal gesehen in “Dunkirk” (2017)) und Raffey Cassidy kann auf voller Länge überzeugen, da sie alle ihre Charaktere wunderbar ambivalent einfangen. So besitzt der Film “The Killing of a Sacred Deer” nicht nur eine außergewöhnliche Geschichte mit vielen unerwarteten Elementen, welche die Zuschauer faszinieren, bewegen und vielleicht auch etwas aufregen können, sondern ist auch noch handwerklich äußerst geschickt inszeniert und arrangiert.

Standbild aus dem Film "The Killing of a sacred Deer"

© Alamode Film

Fazit: Der Spielfilm “The Killing of a Sacred Deer” des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos, der schon das internationale Publikum mit “The Lobster” überraschte, ist eine klassische Rachegeschichte und ein Lehrstück über Schuld und Moral, welches mit einem übernatürlichen Element kombiniert wurde. Dies gibt dem Film eine ungemeine Spannung, welche die Zuschauer über die ganze Zeit packt und die richtige Fragen und auch etwas Verwirrung beim Publikum entstehen lässt. Prominent besetzt und mit eindringlicher Musik untermalt ist “The Killing of a Sacred Deer” ein eindrückliches Kinoerlebnis.

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Kino-Start: 28. Dezember 2017, DVD-Start: 4. Mai 2018

Der Trailer zum Film “Killing of a Sacred Deer”:

Quelle: Pressematerial von Alamode Film

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