“Wonder Wheel” (2017)

Poster zum Film "Wonder Wheel"Filmkritik: Der talentierte, amerikanische Filmemacher Woody Allen liefert uns regelmäßig seit 1965 Filme. Dabei sind die über 50 Filme von ganz unterschiedlicher Qualität entstanden, besitzen aber immer typische Elemente, so dass man sein Werk kohärent bezeichnen kann. Sein neuester Film “Wonder Wheel” ist auch wieder in all sein Aspekten typisch, ordnet sich aber eher bei den soliden, aber nicht überragenden Woody-Allen-Filmen ein.

© Mars Films

Die Kellnerin Ginny (Kate Winslet) hat sich immer ein Leben als Schauspielerin erträumt. Doch nun steckt sie seit Jahren in einer unglücklichen Ehe mit Humpty (Jim Belushi) fest und lebt ein armes Leben in den 1950er Jahren in Coney Island, dem angesagten Vergnügungsort in New York. Ihre Leidenschaft kehrt erst zurück, als sie den belesenen Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) kennenlernt, der mehr in ihr sieht. Doch mit dem Auftauchen von Humptys Tochter, Carolina (Juno Temple) kommt Ginny nicht zurecht, empfindet sie doch so viel Eifersucht auf die junge Frau, die sich dazu auch noch ausgezeichnet mit Mickey versteht.

© Mars Films

In vielerlei Hinsicht ist “Wonder Wheel” ein typischer Woody Allen Film. Auch in diesem Film steht das Zwischenmenschliche und die Liebe im Vordergrund. Gespickt wird das Ganze mit einem Hauch von Kriminalität, wie auch schon bei seinem Film “Match Point” (2005). Besonders typisch ist die Figurenkonstellation. Im Zentrum steht eine Gruppe von Menschen, welche untereinander meist mehrfach miteinander verwoben sind. Auch steht eine manisch-depressive Frau im Kern der Konstellation, wie auch schon Cate Blanchetts Rolle in “Blue Jasmin” (2013). Die Ginny in “Wonder Wheel” ist ebenfalls gefangen in ihrem unglücklichen Leben und nur ein neuer Mann, so scheint es ihr, kann ihr einen neuen Weg zeigen. In ihren unentwegten Monologen entlarvt sie sich dabei aber selbst. Das ist sehr anstrengend nicht nur für ihre Männer, sondern auch für die Zuschauer. Denn das, was sie sagt, ist meistens hohl und ihre Art ist fast ständig hysterisch. So gelangt der Zuschauer recht schnell an seine Ertragbarkeits-Grenzen. Die Hauptfigur Ginny ist und soll nicht sympathisch sein und kann auch wahrlich nicht als Spiegel dienen. Aber auch die restlichen Figuren taugen wenig, um Anteilnahme aufzubauen. Besonders negativ sticht dabei der Rettungsschwimmer Mickey hervor. Er kommentiert und leitet mit seinem Off-Kommentar die Geschichte, scheint aber durch seine zu gewollte Art völlig der Falsche dafür zu sein. Auch die restlichen Figuren besitzen zu viele Schwächen, als dass einem ihr Schicksal am Herzen läge. Auffällig sind aber die hervorragende Leistung aller Darsteller. Diese geben ihren fast stereotypischen Figuren ein stimmiges Gesicht und hauchen ihnen Lebendigkeit ein. Doch die Schwächen des Skripts lassen sich nicht überspielen und so bleibt der neueste Film von Allen eher im mittleren Feld seiner bisher erschienen Werke.

© Mars Films

Auf formaler Ebene wird der Film aber lange im Gedächtnis bleiben. Der in Brooklyn, New York geborene Woody Allen (*1935) entführt uns nach Coney Island der 1950er Jahre, das so wahrscheinlich nur in Erinnerungen existiert haben kann. Der damals sehr beliebte, am Atlantischen Ozean gelegene Vergnügungspark lockte mit seinen bekannten Attraktionen wie der Achterbahn “Cyclone” und dem Riesenrad ‘Wonder Wheel’ jedes Jahr viele Besucher an. Zwischen Nervenkitzel und Sonnenbaden vergnügten sich hier die Gäste. Allen stellt uns die arbeitende und sogar dort wohnende Bevölkerung vor. Er fängt den Kontrast zwischen der armen Lebenssituation der Protagonisten und der bunten Umgebung stimmt ein. Dabei sind die Szenen stets extrem ausgeleuchtet. Durch die Lichter der Attraktionen bedingt, verwenden Woody Allen und sein Kameramann Vittorio Storaro (bekannt für “Apocalypse Now” (1979)) verschiedene Farben, um die Stimmungen ihrer Figuren einzufangen. Das ist meistens sehr schön, wenn auch stets etwas übertrieben. Hinzu kommen die perfekt gewählten Locations, die Ausstattung und allen voran die Mode, welche vor allem den weiblichen Charakteren besonders schmeichelt. Abgerundet wird der Film von einem typischen Woody Allen Soundtrack, in dem er aber immer wieder auf den Song ‘Coney Island Washboard’ von den Mills Brothers zurückgreift.

© Mars Films

Fazit: “Wonder Wheel” ist der neueste Film des erprobten Filmemachers Woody Allen. Dieser bringt uns auch hier die Wirrungen und Irrungen der Liebe und des Zwischenmenschlichen bei. Dies ist mit seiner manisch-depressiven Protagonistin schon von Zeit zu Zeit eine Herausforderung für die Nerven der Zuschauer. Doch abgefangen wird das Ganze mit einem wunderbaren Setting, einem schmissigen Song, den man nicht mehr aus dem Ohr bekommt und vor allem einer fantastischen, wenn auch etwas übertriebenen Farb- und Lichtregie, So ist der Film zwar kein Meisterwerk des amerikanischen Regisseurs, liefert aber gute, solide Unterhaltung.

Bewertung: 6,5/10

Kinostart: 11. Januar 2018, DVD-Start: 14. Juni 2018

Der Trailer zum Film “Wonder Wheel”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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