„Jumpman“ (2018)

Filmkritik: Der russische Spielfilm „Jumpman“ (OT: „Podbrosy“, Russland, 2018) basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt eine Geschichte zwischen Coming-of-Age, Gerichts- und Familiendrama. Damit versucht er viele Genres abzudecken und gleichzeitig einen kritischen Blick auf die russische Gesellschaft zu werfen.

Denis (Denis Vlasenko) wurde nach der Geburt gleich in einer Babyklappe abgelegt. Als er 16 Jahre alt ist und seine Mutter Oksana (Anna Slyu) ihn aus dem Waisenhaus holen will, scheint für ihn ein Traum wahr zu werden. Doch Oksana, die wenig mütterliche Gefühle besitzt und seltsame Hausregeln aufstellt, hat etwas anderes als eine heile Familienwelt im Sinn. Ihr Sohn kann mit Schmerzen unnatürlich gut umgehen und so soll er ein Jumpman werden, um reiche Menschen erpressen zu können. Dazu muss er sich einfach nur vor fahrende Autos stürzen und das korrupte System erledigt den Rest.

Denis Vlasenko (Mitte)

Ursprünglich hatte der russische Regisseur Ivan I. Tverdovsky (*1988) geplant, einen Dokumentarfilm über die realen Jumpmen zu machen, welche sich in Russland für Erpressungen benutzen lassen. Doch dann entschied er sich dafür, die Geschichte fiktional anzugehen und baute seine Handlung um den etwas seltsamen Denis herum auf, der ein prädestiniertes Opfer für diese Rolle zu sein scheint. Dadurch handelt sein Film nicht nur von den Jumpmen, sondern erzählt gleichzeitig von einer dysfunktionalen Mutter-Sohn-Beziehung, welche den Zuschauer das ein oder andere Mal fassungslos werden lässt. Auch das eigentliche Thema mit seinem Höchstmaß an Korruption macht den europäischen Zuschauer mehr als perplex. Das Drehbuch, geschrieben ebenfalls von Tverdovsky, fesselt einen so anfänglich an die Geschichte, doch mit der Zeit, in einer gefühlten Dauerschleife, verliert sich das Interesse, da der Regisseur es nicht schafft Antworten zu geben oder Sympathien aufzubauen. So ist nicht genügend Bezug vorhanden, um dieser Geschichte bis zum Ende emotional beizuwohnen. Dies schwächt den Film unnötig.

Regisseur Ivan I. Tverdovsky und Hauptdarsteller Denis Vlasenko auf dem 28. Filmfestival Cottbus

Handwerklich passt sich der Film gut seiner Geschichte an. Um nah an der Realität zu bleiben, wählt Tverdovsky eine Kameraarbeit mit viel Handkamera-Einsatz und eine Perspektive die stets nahe an den Protagonisten ist. Auch in der Farblichkeit, Szenerie und Ausstattung hält er sich stark an die Realität und erzählt seine Geschichte meist mit wenig Licht und gedämpften Farben. Die Hauptrolle Denis wird mit seiner Undurchschaubarkeit gut von Denis Vlasenko dargestellt und bildet mit Anna Slyu, der Darstellerin von Oksana, ein ungleiches Gespann. Leider bleiben ihre Charakterisierungen zu oberflächlich, um hinter die Fassaden schauen zu können. Doch im Gesamten ist dem Regisseur ein realistischer, düsterer Film gelungen, der in die Welt der russischen Korruption blicken lässt und so ein offensichtlich marodes System kritisiert.

Fazit: Ivan I. Tverdovskys Spielfilm „Jumpman“ ist eine gesellschaftskritische Geschichte mit wahren Hintergründen, welche zwar leider versäumt den Zuschauern die Figuren etwas zugänglicher zu machen, aber mit ihrem realitätsnahen Look ihre Kritik unverblümt darlegt und Korruption des Staates unverhohlen anprangert.  

Bewertung: 6/10

Kinostart: 22.2.2019

Trailer zum Film „Jumpman“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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