„Matrjoschka“ (Staffel 1, 2019)

© Netflix

Serienkritik: Die amerikanische Serie „Matrjoschka“ (OT: „Russian Doll“) ist die erste Netflix-Serie, welche ganz aus der Hand von Frauen stammt und auf amüsante und auch überraschende Weise von einer Mittdreißigerin erzählt, die in einer Zeitschleife auf ihrer eigenen Geburtstagsparty festhängt.

Nadia Vulvukov (Natasha Lyonne) hat eine kleine Sinnkrise an ihrem 36. Geburtstag. Die Party, die ihre beste Freundin Maxine (Greta Lee) für sie schmeisst, kann mit genügend Alkohol, Drogen und dem geeigneten Mann für die Nacht aber alles vergessen lassen. Doch der Gang zum Kiosk an der Ecke erweist sich als tödlich. Doch seltsamerweise erwacht sie wieder an dem Ort, an dem für sie die Party begonnen hat und nach ein paar Toden mehr dämmert ihr langsam, dass sie sich in einer Zeitschleife befindet. Doch ihre Therapeutin Ruth (Elizabeth Ashley), ihr Ex-Freund John (Yul Vazquez) sowie ihre anderen Freunde scheinen sich nicht zu erinnern und können ihr wenig helfen, der Schleife zu entgehen. Doch dann trifft sie Alan (Charlie Barnett), der ein ähnliches Problem zu haben scheint.

Natasha Lyonne
© Netflix

Auch wenn der eine oder andere Kritiker der Serie „Matrjoschka“ zum Vorwurf macht, dass sie das Rad nicht neu erfindet, sondern auf das Zeitschleifenprinzip zurückgreift, welches sich durch den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in der Hauptrolle mit Bill Murray etabliert hat und mit „Edge of Tomorrow“ (2014) und „Happy Deathday“ (2017) bereits gelungene Nachahmer fand. Das bedeutet aber nicht, dass die Serie nicht innovativ ist. Mit der Zeitschleifenidee als Grundlage erzählt die achtteilige Staffel, welche insgesamt nur eine Laufzeit von 208 Minuten besitzt, von einem modernen, weiblichen Leben, das geprägt ist von Nihilismus, Alkohol, Drogen und Unverfänglichkeiten. Dabei kann man nicht umhin, die privaten Eskapaden der Hauptdarstellerin Natasha Lyonne ein wenig im Sinn zu haben. Geschrieben hat es die Hauptdarstellerin zusammen mit Amy Poehler („Parks and Recreations“ (2009)) und Leslye Headland selbst und baut wissentlich oder unabsichtlich viele ihrer eigenen Erfahrungen und autobiographische Elemente mit ein. Das erklärt auch die Wendung, die circa ab der Hälfte passiert. Nach dem recht komödienhaften Anfang, welcher viel auf die Vielfalt an unterschiedlichen Todesarten setzt, verändert die Serie den Ton. Sie baut auf Ernsthaftigkeit, geht in die Tiefe, schaut in die Vergangenheit der Protagonisten und wirft einen offenen Blick auf moderne Beziehungen. Und auch wenn manchem Zuschauer das Ende zu moderat und brav erscheint, schafft es die Serie ein rundum gelungenes Gesamtkonzept zu präsentieren, das wunderbar funktioniert.

Rebecca Henderson, Greta Lee und Charlie Barnett
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Das verdankt die Serie auch ihrer gelungenen Inszenierung und Besetzung. Angesetzt ist die Geschichte in New York, wie bei anderen von Frauen dominierten Serien wie „Sex and the City“ (1998-2004) und „Girls“ (2012-2017). Es wird ein Portrait einer Stadt gezeichnet, was nicht nur von drogengeschwängerten Partys erzählt, sondern auch von den unschönen Seiten der Stadt. Diese fängt die Serie stimmig ein und vermittelt ein authentisches Gefühl dieser Metropole. Das liegt vor allem auch an der gelungenen Wahl des Ensembles. Allen voran natürlich Natasha Lyonne, welche den meisten wohl aus „Orange is the New Black“ (seit 2013) bekannt sein dürfte, aber bereits in den Teenie-Filmen wie „American Pie“ (1999) oder in dem entzückenden Musical „Everyone Says I Love You“ (1996) von Woody Allen mitwirkte. Doch auch die Sidekicks können sich sehen lassen. DarstellerInnnen wie Greta Lee, Yul Vazquez, Charlie Barnett und Elizabeth Ashley hauchen ihren Charakteren wunderbar Leben ein. Hinzu kommt die gute Wahl des Eingangs-Songs. Vor 40 Jahren schuf Harry Nilsson mit „Gotta Get Up“ den perfekten Intro-Song, der garantiert jedem Zuschauer nicht mehr aus dem Ohr geht. Doch die Serie lebt vor allem von ihrem großartigen Schauspiel, dieses zieht zusammen mit der witzigen Grundidee alle Zuschauer in den Bann, so dass man kaum vor der letzten Folge dieser Netflix-Serie stoppen kann. So bildet die Serie eine geschlossene Sache und so ist man sich unsicher, ob die Serie fortgesetzt werden sollte, da es die Wirkung schmälern könnte, so wie auch die Fortsetzung „Happy Deathday 2U“ nicht so recht funktionieren wollte.   

Natasha Lyonne
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Fazit: Die amerikanische Netflix-Serie „Matrjoschka“ aus der Hand von Amy Poehler, Leslye Headland und Natasha Lyonne, welche auch die Hauptrolle übernahm, ist eine gelungene Adaption des Zeitschleifenprinzips, erzählt gleichzeitig von der Generation der Mittdreißiger und deren Leben zwischen Vernunft und Exzess und fügt so Fantastisches, Irrwitziges und Ehrliches gekonnt zu einer Dramedy zusammen, die den Zuschauer sofort in den Bann zieht.

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Matrjoschka“:

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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