Fünf Fragen an Tomoki Misato

Interview: Im Gespräch mit dem japanischen Filmemacher Tomoki Misato konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „My little Goat“ erfahren, der im Internationalen Wettbewerb des 31. Filmfest Dresden lief, was ihn bei seinem Stil beeinflusst hat und von seiner Liebe zur Stop-Motion-Technik. 

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir zu dem Anfängen deines Projekts „The little Goat“ erzählen. Es basiert ja ganz offensichtlich auf dem Märchen „Die sieben Geißlein“ der Gebrüder Grimm. Wie kamst Du darauf, es mit einem Missbrauchs-Thema zu verbinden.

Die Geschichte basiert auf den Grimmschen Märchen „Der Wolf und sieben Geißlein“. Der Wolf täuscht die kleinen Ziegen, die allein zu Hause sind, und er frisst sie. Die Mutterziege rettet ihre kleinen Ziegen mit einer Schere aus dem Bauch des Wolfes. Aber was ist, wenn die kleinen Ziegen bereits im Bauch des Wolfes verdaut werden? Ich stellte mir dieses Szenario vor, das der Anfang für die Erstellung meiner Animation wurde. 

Das Thema ist die Verrücktheit der Eltern. Mit diesem Film möchte ich eine Frage stellen. Ob übermäßige Liebe der Eltern gerechtfertigt oder Wahnsinn ist. Ich wollte auf das Unbehagen hinweisen, das ein Kind über die einseitige Liebe empfindet.

Vernachlässigung ist ein Problem und es ist ein Verbrechen, aber Überprotektion ist kein Verbrechen. Aber es lässt Kinder die Möglichkeit verlieren, etwas über sich selbst zu lernen.

Zum Beispiel die Szene, in der die älteste Tochter über ihr Erscheinen schockiert ist, dass es darum ging, sich mit solchen Möglichkeiten zu erholen, die Gelegenheit zu verlieren, sich selbst zu akzeptieren.

Die Liebe der Ziegenmutter sieht human aus, aber aus anderer Sicht ist es unmenschlich, weil sie Natsukis Vater getötet hat. Sie ist nicht nur ein Held. Ich wollte zeigen, dass Gut und Böse komplex und vielfältig sind.

Papas sexueller Missbrauch sollte nicht passieren, aber es kann human sein, wenn er eine Geschichte zeigt, die sich auf Papa konzentriert.

Sind deutsche Märchen oder auch Sagen in Japan bekannt oder gar populär?

Die Grimmschen Märchen sind in Japan sehr bekannt. Weil es viele Arten von Bilderbüchern über die Märchen gibt, und auch Disney-Filme. Ich denke jedoch, dass in Japan nur die berühmte Geschichte von Rotkäppchen, Schneewittchen usw. bekannt sind.

Erzähl mir mehr zu dem Entstehungsprozess. Ich hab gelesen, Du hast zehn Jahre bis zur Fertigstellung gebraucht. Hattest Du Hilfe bei der Erstellung dieses Films?

Dies ist mein Master-Abschlussfilm, also habe ich mir ein Jahr Zeit genommen, um ihn zu machen. Zuerst zeichnete ich einige Concept Art, dann fertigte ich die Marionetten und das Bühnenbild innerhalb eines halben Jahres. Gleichzeitig machte ich mit dem Storyboard nach und nach Fortschritte. Das Storyboard hat die meiste Zeit in Anspruch genommen und ich habe es kurz vor Drehbeginn fertig gestellt. Die Dreharbeiten dauerten 4 Monate.

Für das Shooting wollte ich, dass die Puppen lebensechte Mimik und Bewegungen haben, also habe ich mit 24 Bildern pro Sekunde gearbeitet. Ich strebte nach Charakteren, an die sich die Zuschauer durch Mimik und Gestik binden, selbst bei gruseligen Charakteren wie halb-verdauten kleinen Ziegen. Dies ist der Einfluss von Disney und Pixar. Der schwierigste Teil war die Actionszene in der zweiten Hälfte. Sie enthielt 6 Puppen und die Kamera musste dynamisch bewegt werden. 

Was lag Dir im Allgemeinen visuell gesehen am Herzen?

Es sind die Videospiele und die Filme und die Kunstbücher davon. Diesmal wurden der Film von dem Aussehen des Videospiels „The Last of Us“ beeinflusst.

Warum liebst Du Stop-Motion? 

Der Auslöser war, dass ich mir den Stop-Motion-Film „Coraline“ sah, als ich im ersten Jahr des Studiums war. Ich sah im Making-Of-Video, dass der Kirschbaum mit Popcorn gemacht war, also sah ich die Größe der handgemachten Animation, die von CG nicht imitiert werden kann.

Ich denke, der gute Aspekt von Stop-Motion ist, dass es dem Publikum sofort die Textur von Objekten vermitteln kann. Ich zeichne auch gerne, und ich habe früher 2D-Animationen gemacht, aber Stop-Motion-Animationen passen zu mir, da ich die Puppe sinnlich mit meinen eigenen Händen bewegen kann. Und weil ich als Kind Puppen mochte.

Hast Du Vorbilder für Deinen Stil oder Dich filmisch inspiriert haben?

Ich liebe die Cartoon-Animation aus meiner Kindheit. Am meisten inspiriert hat mich die TV-Animation „Courage the Cowardly Dog“.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr über Dich erzählen und auf welche Projekte man sich als nächstes freuen darf.  

Ich habe letztes Jahr die Graduiertenschule für Kunst absolviert und mache jetzt als Regisseur eine Stop-Motion-TV-Serie.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „My little Goat


Interview: In our interview with the Japanese filmmaker Tomoki Misato we could learn more about his short film „My little Goat„, which was shown in the International Competition of the 31st Filmfest Dresden, what influenced his style and his love for the stop motion technique. 

Can you tell me about the origins of this project? It is obviously based on the fairy tale „The Wolf and the Seven Young Goats“ by the Brothers Grimm. How did you come to use it together with an abuse theme?

The story is based on the Grimm’s fairy tales „The wolf and seven little goats“. The wolf tricks the little goats who are at home alone and he eats them. The mother goat rescues her little goats from the wolf’s belly using scissors. But, what if the little goats are already being digested in the wolf’s belly?… I imagined that scenario, which became the start for making my animation. 

The theme is parents‘ madness. Through this film, I’d like to raise a question. Whether excessive love of parents is justice or madness. I wanted to suggest the discomfort a child feels about one-way love.

Neglect is a problem and it’s a crime, but overprotection is not a crime. But it makes children lose the opportunity to learn about themselves.

For example, the scene where the eldest daughter is shocked on her appearance that it was to recover with such opportunities, to lose the opportunity to accept myself.

The goat mother’s love looks humane, but it is inhumane from another viewpoint because she killed Natsuki’s dad. It’s not just a hero. I wanted to show that good and evil was complex and multifaceted.

Dad’s sexual abuse should not happen, but it may be humane if it shows a story that focused on Dad.

Are German fairy tales or even legends known or even popular in Japan?

The Grimm’s  fairy tales are very famous in Japan. Because there are many kinds of picture books of the fairy tales, and it’s also in Disney movies. However, I think Japanese people know only the famous story of Little Red Riding Hood, Snow white etc.

Tell me more about the creation process.I read that it took you ten years to complete it.Did you have any help creating this film?

This is a master graduation film so I took 1 year to make it. First I drew some concept art, then I made puppets and the stage set during a half year time period. At the same time, I made progress on the storyboard little by little. The storyboard took the most time and because of that I finished it just before the shoot started. Shooting took 4 months.

For the shoot, I wanted the dolls to have life-like expressions and movements so I shot using 24 frames per second. I aimed for characters that viewers become attached to through gestures and expressions, even in scary characters like digested little goats. This is the influence of Disney and Pixar. The hardest part was the action scene in the second half. It contained 6 dolls and and the camera had to be moved dynamically. 

What was generally close to your heart from a visual point of view?

It is the video games and the movies and the art books of these. Especially this time, it was influenced by the visuals of the video game „The Last of Us“.

Why do you love stop motion?

The trigger was I watched the stop motion movie „Coraline“ when I was in the 1st year of college. I heard that the cherry tree was made with popcorn in the making of video, so I saw the greatness of handmade animation that cannot be imitated by CG.

I think the good aspect of stop-motion is that it can instantly convey the texture of objects to the audience.

I also like drawing, and I used to make 2D animation, but stop motion animation suits me in that I can move the doll sensuously with my own hands. And because I liked puppets when I was a kid.

Do you have role models that inspired your style or inspired your film?

I love the cartoon animation from my childhood. I was most inspired by  the TV animation „Courage the Cowardly Dog“.

Can you tell me a little bit more about yourself at the end and which projects to look forward to next?  

I graduated from the graduate school of the arts last year, and I am making a stop-motion TV series as a director now.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „My little Goat

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Tomoki Misato

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