„The Silence“ (2019)

Filmkritik: Wenn man den Trailer des Monster-Horrorfilms „The Silence“ (OT: „The Silence“, USA, 2019) von John R. Leonetti zum ersten Mal sieht, hat man ein Dé­jà-vu. Hat man das nicht so ähnlich bereits bei „A Quiet Place“ (2018) von John Krasinski gesehen. Genau diesen Schatten und damit der ständig einhergehende Vergleich wird dieser Spielfilm einfach nicht los. Dabei besitzt der Film genug Potential, um nicht ständig damit verglichen zu werden.

Die gehörlose Ally Andrews (Kiernan Shipka) lebt ein ruhiges Leben in einer Vorstadt zusammen mit ihren Eltern Kelly (Miranda Otto) und Hugh (Stanley Tucci), ihrer Großmutter Lynn (Kate Trotter) und ihrem Hund. Gerade als sie sich zum ersten Mal verliebt, bricht Chaos über die Stadt herein. Aus den Tiefen der Erde wurde eine Schar Monster freigelassen, die alles angreift, was Geräusche macht. So ist die Familie Andrews gezwungen zu fliehen, zusammen mit dem Onkel und Freund Glenn (John Corbett). Doch wo sollen sie hin und wie können sie ohne jegliche Art von Geräusche überleben?

Miranda Otto, Kate Trotter, Kiernan Shipka und Stanley Tucci
© Constantin Film Verleih GmbH

Bereits 2015, also drei Jahre vor „A Quiet Place“ adaptierten die Drehbuchautoren Carey und Shane Van Dyke die Horrorgeschichte „The Silence“ von Tim Lebbon. Unter der Regie von John R. Leonetti (*1956), der u.a. auch bei „Annabelle“ (2014) und „Wish Upon“ (2017) Regie führte, entstand der Film gleichzeitig zu seinem Artverwandten. Doch aufgrund finanzieller Probleme mussten die Rechte am Film weiterverkauft werden, so dass es zu einem viel späteren Kinostart kam. Es stellt sich natürlich die leidliche Frage: Wäre die Wirkung des Films eine andere? Der Film besitzt starke Elemente. Vor allem der familiäre Zusammenhalt funktioniert sehr gut und auch spannende Momente voller Geräuschlosigkeit können den Zuschauer packen. Mit diesen Zutaten ist die ganze Flucht aus der Stadt gelungen. Denn die größte Zeit verhalten sich die Charaktere vernünftig. Doch mit der Ankunft in dem Landhaus, wo sie einen Unterschlupf finden, schleichen sich immer mehr Schwächen ein. Zum einen wird auf den Menschen als größte Gefahr zurückgegriffen und das Verhalten der Charaktere bleibt hinter den Erwartungen zurück, vor allem was die Errichtung von Vorsichtsmaßnahmen angeht. Auch der Opfertod am Ende sowie im Allgemeinen das zu schnelle und überkonstruierte Ende schaden dem Film, der ansonsten gut Spannung aufbauen kann und die Betrachter trotz seines Artverwandten an die Geschichte fesseln kann.

Kiernan Shipka
© Constantin Film Verleih GmbH

Das liegt auch an der gelungen Wahl des Ensembles. Allein Stanley Tucci mal in einem Survival-Horrorfilm zu sehen, macht viel Spaß. Der, der sonst zu ernsthafteren Rollen wie „Kindeswohl“ (2017) oder Komödien á la „Der Teufel trägt Prada“ (2006) tendiert, spielt den besorgten Vater überzeugend und ist Sympathieträger Nummer Eins in dem Film. Auch seine Tochter wird wunderbar von Kiernan Shipka verkörpert, die man vor allem aus der Serie „Mad Men“ (2007-2015) noch im Gedächtnis hat. Zusammen mit den anderen Darstellern u.a. John Corbett („Sex and the City“ (2000-2003)) ergeben sie eine stimmige Familie, deren Überleben man gerne sehen würde. Das ist die größte Stärke des Films, denn die Bedrohung an sich verliert im weiteren Verlauf immer mehr ihre Kraft. Zudem sehen die CGI-Monster leider auch nicht wirklich überzeugend aus, sodass das Erblicken selbst einiges an Spannung raubt. Man muss am Ende zugestehen, dass dieser Film von der Intensität hinter „A Quiet Place“ steht, der wahrlich auch genug Logiklücken besitzt. Denn trotz guter Besetzung schafft es der Film mit zu klassischen Wendungen und nicht so überzeugenden Monstern die Spannung nicht zu halten, bricht zudem auch zu abrupt ab und hinterlässt so ein fades Gefühl bei dem Zuschauer, obwohl eigentlich die Weichen richtig gestellt sind.    

Billy MacLellan
© Constantin Film Verleih GmbH

Fazit: Der Horrorfilm „The Silence“ erzählt auf Grundlage eines Romans eine vertraute Geschichte, die von einer monster-belagerten Welt erzählt, und schafft es diese in stimmungsvollen Bildern, anfänglich mit viel Spannung zu erzählen. Doch leider, trotz vieler Sympathien für die Familie, schafft der Film es in der zweiten Hälfte nicht, diese zu halten, weil er auf viel zu klassische und ja auch durchgekaute Elemente setzt. Damit verspielt „The Silence“ sein Potential und das nicht nur im Vergleich mit seinem Geistesverwandten „A Quiet Place“.

Bewertung: 6/10

Kinostart:16. Mai 2019 / DVD-Start: 7. November 2019

Trailer zum Film „The Silence“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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