„Tote Mädchen lügen nicht“ (Staffel 1, 2017)

Serienkritik: Die amerikanische Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ (OT: „13 Reasons Why“, 2017), welche die Geschichte des Suizids einer Teenagerin erzählt, hat für großes Aufsehen gesorgt. Angeblich stieg die Rate der Selbstmorde und Suizidversuche, nachdem Jugendliche sich die Serie angeschaut haben, so dass man sie nur noch mit Warnhinweisen zu sehen bekommt. Doch eigentlich und das auch offensichtlich hatte die Serie natürlich etwas anderes im Sinn.

Die Teenagerin Hannah Baker (Katherine Langford) hat sich das Leben genommen. Die ganze Schule ist betroffen von dieser Tat, besonders Clay Jensen (Dylan Minnette), der für Hannah mehr empfunden hat. Während Hannahs Eltern (Kate Walsh und Brian d’Arcy James) und die ganze Schule nach Gründen dafür suchen, bekommt Clay die Antwort in Form von Kassetten, die vor seiner Haustür liegen. Darauf berichtet Hannah von den 13 Gründen, die zu ihrem Selbstmord geführt haben und stellt zugleich klar, dass jeder der die Kassetten erhält einer der Gründe ist. Während Clay sich nur langsam durch die Kassetten durch hört, versuchen die anderen Betroffenen, u.a. Hannahs ehemals beste Freundin Jessica Davis (Alisha Boe) und der Football-Star Justin Foley (Brandon Flynn), ihn zur Rede zu stellen, um dem auf den Grund zugehen.

Dylan Minnette und Katherine Langford

Die 13 Folgen umfassende erste Staffel der amerikanischen Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ entstanden nach dem gleichnamigen Roman (OT: „Thirteen Reasons Why“, 2007) von Jay Asher. Universal erwarb die Recht bereits 2011 und wollte ursprünglich eine Miniserie daraus machen. Sie entschieden sich dann aber doch für ein größeres Serienformat, das jetzt bereits auf drei Staffeln verlängert wurde. Doch die eigentliche Kraft liegt in der originären Story der ersten Staffel. Der Serienmacher Joseph Incaprera macht darin minutiös, aber offenherzig auf Probleme aufmerksam. Als Gründe für Suizid werden hier sexueller Missbrauch, Mobbing und Cyber-Bulling mit einbaut. Gedacht war es, ebenso wie mit dem Roman, Jugendliche zu helfen und andere auf diese Themen aufmerksam zu machen. Doch die Serie kam in den Verruf selbst höhere Selbstmordraten zu verursachen, da sich die jungen Zuschauer darin bestätigt sehen würden. Daraufhin wurde eine Hotline eingerichtet und von den Schauspielern ein Statement als Intro eingesprochen. Auch wurden drastische Szenen im Nachhinein gekürzt. Doch eigentlich geht die Serie den richtigen Weg. Hier werden Themen angesprochen, die wichtig sind und offen angesprochen werden müssen. Es ist kein Appell für Selbstmord, sondern ein Weg solche Themen offenzulegen, um der doch erschreckend hohen Quote jugendlicher Selbstmörder etwas entgegenzustellen. 

Justin Prentice

Die Inszenierung der Serie trägt viel zu ihrer Wirkung bei. In jeder Folge dreht es sich um einen der Gründe sprich um einen Menschen. Sofort ab der ersten Folge entwickelt die Serie einen unglaublichen Sog. Zusammen mit Clay erfahren wir immer mehr und tauchen in Hannahs Leben ein, welches immer wieder neue Menschen und Gründe miteinbezieht. Dadurch entsteht eine Spirale, die anfängt mit kleinen Hänseleien und bei einer Vergewaltigung endet. Auch die Menschen, die sie verletzt haben, sind keine reinen Abziehbilder. Jede Person bekommt hier Leben und Tiefe eingehaucht, so dass keine starke Schwarz-Weiß-Zeichnung entsteht. Dies wird wunderbar von der Riege von Jungstars dargestellt, u.a. von Dylan Minnette, den man bereits in „Gänsehaut“ (OT: „Goosebumps“, 2015) und „Don’t Breathe“ (2016) gesehen hat. Aber vor allem Katherine Langford als Hannah zieht den Zuschauer in die Geschichte hinein. Der Verlust wird durch ihre Schauspielkunst spürbar, so dass man sich irrationalerweise ein Happy End wünscht. Abgerundet wird der Cast von überzeugenden Erwachsenendarstellern u.a. Kate Walsh (gesehen in „Greys Anatomy“ (2005-2012)) und einem Look, der sich ganz dem Realismus verschrieben hat. Im Gesamten überzeugt die Serie mit einer melancholischen Bildsprache und einem authentischen Look, die die Schmerzen, die Hannah empfindet, förmlich spürbar machen. Die erste Staffel der Serie besticht mit einem überzeugenden Gesamtkonzept (wogegen die zweite Staffel nur ein billige Weiterführung ist), guten Darstellern, Einfühlsamkeit, Spannung und der Notwendigkeit diese Themen anzusprechen. 

Brian d’Arcy James und Kate Walsh

Fazit: Die amerikanische Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ beschäftigt sich mit schwierigen, relevanten Themen in einer Art Thriller, auf dessen Auflösung der Zuschauer hinfiebert. Dafür hagelte es viel Kritik, doch eigentlich macht sie es genau richtig. Mit ungeschönten Blick, realistischen Bildern und guten Darstellern thematisiert sie viele wichtige, ernstzunehmende Themen, welche dafür verantwortlich sind, dass Suizid für Jugendliche eine Option ist. Dabei kann sie auch gut unterhalten, entwickelt einen gewissen Sog, gibt sowohl den Opfern als auch den Tätern ein Gesicht und regt mit Sicherheit zu Diskussionen und Nachdenken an. 

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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