„My Name Is Clitoris“ (2019)

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Filmkritik: Aus einem persönlichen Gespräch heraus entwickelten die beiden Filmemacherinnen Daphné Leblond und Lisa Billuart-Monet den französischsprachigen Dokumentarfilm „My Name is Clitoris“ (OT: „My Name Is Clitoris“, Belgien, 2019). Hinter dem provokanten Titel verbirgt sich eine berührende Dokumentation, die gefühlt zum ersten Mal Themen anspricht, über die man sonst nicht redet.

In den 80 Filmminuten unterhalten sich die beide Filmemacherinnen mit zwölf jungen Frauen, allesamt Studentinnen an ihrer Universität. Dabei reden sie über die eigene Sexualität, die Geschlechtsorgane, das Erwachsenwerden und dIe ersten Erfahrungen. Die Unterhaltungen leben von ihrer Offenheit, der einhergehenden Sympathie und dem Mut, auch diverse Themen vor der Kamera auszusprechen. 

Die beiden Filmemacherinnen Daphné Leblond (*1991) und Lisa Billuart-Monet (*1990), die zusammen an der Sorbonne-Nouvelle in Paris studieren, entschieden sich dafür eine Dokumentation über ein Thema zu machen, das immer noch tabuisiert scheint: Die weibliche Sexualiutät. Damit sprechen sie vielen jungen Frauen, aber auch mittlerweile Älteren mit ihren Erfahrungen, aus der Seele und holen viele Themen aus einer angeblich verruchten Ecke ans Tageslicht. Sie sprechen dabei nicht nur über das Entdecken der eigenen Sexualität und Neigungen, sondern reden auch über den manchmal schädlichen Einfluss von außerhalb. Sie beleuchten, wie die Gesellschaft Einfluss nimmt auf das Wohlbefinden mit dem eigenen Körper. Gleichzeitig zeigen sie auch, dass u.a. Schul- und Fachbücher einfach mal falsch liegen und dass es höchste Zeit wird, etwas in der Gesellschaft zu verändern. Das bewirken sie aber nicht mit aufrührerischen Botschaften, sondern allein durch die Erfahrungsberichte von zwölf jungen Frauen und den eigenen Erlebnissen, die man selbst als Frau erlebt hat oder die einen sogar geprägt haben. Aber nicht nur für Frauen ist die Dokumentation interessant, sondern auch für Männer, welche möglicherweise durch den aufmüpfigen Titel angelockt wurden, und die sich so ein Bild abseits der Pornoindustrie machen können. Die größte Stärke des Films liegt in den zwölf jungen Frauen selbst, die eine vielseitige Bandbreite von Erfahrungen und Interessen offenbaren und so, trotz des kleinen Kosmos – alle wurden in derselben Universität aufgegabelt – eine großes Spektrum ermöglichen. Durch das sehr persönliche und offene Gespräch der Filmemacherinnen mit ihnen, das immer auf dem eigenen Bett stattfand, bekommt man schnell eine Nähe und Vertrautheit. Durch diese entsteht nicht nur eine größtmöglichste Offenheit (sie nehmen wunderbar kein Blatt vor dem Mund), sondern so entstand ein beschwingter, teils humorvoller und vor allem äußerst liebenswerter Film, der ohne Frage zu den Höhepunkten des 62. DOK Leipzig zählt.

Fazit: Die belgische Dokumentation „My Name is Clitoris“ der beiden jungen Filmemacherinnen Daphné Leblond und Lisa Billuart-Monet ist ein sympathischer und zutiefst offener Film über die weibliche Sexualität. Dafür brauchen die beiden nicht besonders viel, außer die zwölf wunderbaren Interviewpartnerinnen. Diese berichten aus ihrem Leben, dem Umgang mit dem eigenen Körper und darüber, wie die Gesellschaft sie geformt hat. Dabei kann der weibliche Zuschauer sich oft wiederfinden und erkennt so die Allgemeingültigkeit von Themen, die gerne mal tabuisiert werden. Im Gesamten ist so ein wunderbarer, sehens- und liebenswerter Film entstanden, den die Welt gebraucht hat und der hoffentlich auch u.a. an Schulen eingesetzt werden wird.

Bewertung: 9,5/10

Trailer zum Film „My Name Is Clitoris“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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