„Playhouse“ (2018)

Kurzfilm / UK / Dokumentation / 2018

Filmkritik: Der 25-minütige Dokumentarfilm „Playhouse“, der auf dem 62. DOK Leipzig  seine Deutschland-Premiere feierte, erzählt aus dem Leben zweier Liebender, lotet Machtverhältnisse in Beziehungen aus und regt zum Austausch über verhärtete Strukturen und Konstrukte an.

Line und Rosie verbringen gemeinsame Zeit in einem abgelegenen Ferienhaus. Dabei unterhalten sie sich über Filme, Geschlechterrollen, ihre Beziehung und innewohnende Dynamiken. In einem Spiel ahmen sie zwei Filmszenen nach und stellen so ganz wie nebenbei klassische Rollenmodelle in Frage.  

Die dänische Filmemacherin Adda Elling beschäftigt sich in ihrer 25-minütigen Kurzfilm vor allem mit Rollen, spezifisch auch Geschlechterrollen in einem patriarchalischen System und vor allem auch im Mikrokosmos einer Beziehung. Dieses Thema reizte sie schon länger und so war es ein wunderbarer Zufall als sie das Paar Line und Rosie kennenlernte, die sich bereit erklärten, mit ihr dieses Projekt anzugehen. An einem abgelegenen Ort ließ sie den beiden Frauen freien Raum, sich zu entfalten und zu debattieren und erarbeitete so mit ihnen das Konzept. Trotz einer gewissen Künstlichkeit in der Inszenierung stammen die Dialoge und die Themen von dem Paar selbst. Das Spiel mit den Filmen wurde dabei als Mittelpunkt des Films eingesetzt. Die beiden Szenen aus den Filmen „Martha“ von Rainer Werner Fassbinder und „Céline et Julie vont en bateau“ von Jacques Rivette sind ein wunderbarer Ausgangspunkt für lebendige Diskussionen über solche Themen, die man lange gar nicht ansprach und die jetzt mit der #MeToo-Bewegung immer mehr in den Fokus rücken. Die dokumentarische Inszenierung rückt dabei von Interviews ab und begibt sich auf eine rein beobachtende Position. Mit der Übergabe einer Kamera an die Portraitierten kommt ein zusätzlicher Fokuspunkt in die Inszenierung. Die glatte, reduzierte Bildsprache in einem schönen, sommerlichen Haus bietet die perfekte ‚Kulisse‘ für das muntere Spiel und für das Paar, das Lust am Diskutieren hat und das man sofort ins Herz schließt. So ist der Film ein gelungener Beitrag zu Themen, die man jetzt immer mehr und offen diskutieren sollte, und trotzdem leichtfüßig daher kommt und so auch gut unterhalten kann.

Fazit: Der Dokumentar-Kurzfilm „Playhouse“ von Adda Elling ist das Portrait zweier sich liebenden Menschen, die in der Abgeschiedenheit des Urlaubs nicht nur ihre Spielfreude entdecken, sondern auch die Lust am Diskutieren. Dieses private Szenario steht dabei stellvertretend für den Diskurs über Macht, Geschlechterrollen und Denkschubladen. Darüber nachzudenken und diese gerne auch aufzubrechen, dazu lädt der Film auf unaufdringliche, unterhaltsame Weise und mit seinen beiden sympathischen Protagonistinnen ein.

Bewertung: 7/10

Trailer zum Kurzfilm „Playhouse“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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