„Im Stillen Laut“ (2019)

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Filmkritik: Einer der großen Favoriten auf dem 62. DOK Leipzig war die Dokumentation „Im Stillen Laut“ (Deutschland, 2019) von Therese Koppe. Ursprünglich wollte die Filmemacherin einen Film über mehrere Künstlerinnen aus der DDR drehen, doch als sie Erika Stürmer-Alex und ihre Lebensgefährtin Christine Müller-Stosch traf, entschied sie sich, ihren Fokus auf die beiden zu legen, verbrachte viel Zeit mit ihnen und so entstand das Portrait eines Paares, das auf eine bewegtes Leben zurückblickt.

Die Künstlerin Erika und ihre Lebensgefährtin Tine sind seit 40 Jahren ein Paar und leben zusammen auf einem selbst ausgebauten Hof in Brandenburg. Dort richteten sie sich vor über 40 Jahren ein Refugium ein. Hier lebten sie ihre Kunst aus, die meist von der DDR abgelehnt wurde, und waren in begrenzten Verhältnissen frei von Zwängen. Mittlerweile über 80 Jahre alt, bleibt es ein Ort der Begegnung und der Kunst. Dort traf die Regisseurin Koppe auf die beiden und blickt mit ihnen zusammen auf ihre Vergangenheit, die geprägt war von einen ständigen Kampf, Ablehnung, der Stasi und dem Sozialismus, aber auch Liebe, Kunst und dem Mut, anders zu denken und zu fühlen.

Die deutsche Regisseurin Therese Koppe (*1985) erzählt in ihrem Debüt „Im Stillen Laut“ nicht nur von der Vergangenheit, sondern beschäftigt sich mit Themen, die auch heute noch aktuell sind. Dabei geht sie wie nebenbei Fragen nach, wie die Stellung der Frau in der Gesellschaft, die Freiheit der Kunst (u.a. in repressiven Systemen) und ganz allgemein nach der Wertigkeit des gelebten Lebens. Dafür fand sie das richtige Künstlerinnenpaar. Während Erika Stürmer-Alex, die u.a. 2018 auch in Dresden ausgestellt wurde, sich auf dem Hof ihrer schöpferischen Kraft hingab, hat Tine, selbst u.a. Lektorin, den Laden am Laufen gehalten. Oft mischte sich dabei der Staat ein. Wie genau das aussah, erzählen die beiden in offenen Interviews mit der Regisseurin. Dabei holen sie schockierende wie humorvolle Anekdoten hervor und man schließt die beiden älteren Damen, die nichts von ihrem Biss verloren haben, ins Herz. Neben den Interviews fängt Therese Koppe Impressionen ihres Lebens ein, lebte dafür bei ihnen auf den Hof und besuchte zusammen mit ihnen die Ausstellung in Dresden. Sie fängt das Leben der beiden wunderbar ein, skizziert sanft die Liebe der beiden und macht so neuere Geschichte mit zukunftsrelevanten Themen deutlich. Dafür findet sie eine wunderbar intime, offene Bildsprache und macht Lust die beiden selbst einmal auf ihrem Kunsthof zu besuchen. So ist „Im Stillen Laut“ eine gelungene Dokumentation mit viel Herz, die viel Freude bereitet.

Fazit: Die deutsche Dokumentation „Im Stillen Laut“, einer der Favoriten auf dem 62. DOK, portraitiert die Künstlerin Erika Stürmer-Alex und ihre Lebensgefährtin. In Gesprächen und Momentaufnahmen reflektieren sie zusammen mit der Regisseurin Therese Koppe ihr Leben mit der Kunst, ihrem eigenen Hof, der DDR und ihrer Liebe zueinander. Die Dokumentation ist dabei stets offen, sympathisch, gibt auf beschwingte Weise diese Einblicke und bringt wie nebenbei wichtige Themen ins Spiel. Kein Wunder also, dass sie zu den beliebtesten Filmen des Festivals gehörte.

Bewertung: 8,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Im Stillen Laut“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Im Stillen Laut“ (2019)

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