„Dead to me“ (Staffel 1, 2019)

Serienkritik: Die amerikanische Netflix-Serie „Dead to me“ erzählt in ihren zehn Folgen der ersten Staffel vom Umgang mit Trauer, einem scheinbar gut behüteten Vorstadtleben und wie wohltuend eine Freundschaft sein kann.

Nachdem ihr Mann Ted beim Joggen überfahren wurde, versucht die erfolgreiche Immobilienmaklerin Jen Harding (Christina Applegate) zurück ins Leben zu finden. Doch die klassischen Trauerangebote machen sie nur noch wütender. Erst als sie bei einer Gruppensitzung auf Judy Hale (Linda Cardellini) trifft, die das genaue Gegenteil von ihr ist, hat sie jemanden gefunden, mit dem sie über die himmelschreiende Ungerechtigkeit reden kann. Judy ist zwar selber depressiv und instabil, doch trotzdem schafft sie es Jen zu unterstützen, denn diese muss schon wegen ihrer beiden Kindern Charlie (Sam McCarthy) und Henry (Luke Roessler) stark sein. Doch Judy hat zusammen mit ihrem Ex-Verlobten Steve Wood (James Marsden) ein Geheimnis, das alles verändern könnte. 

Linda Cardellini und Christina Applegate

Die Serie „Dead to Me“ bringt den Zuschauer in die wohlhabenden Vororte Amerikas zurück, in denen bereits Serien wie „Desperate Housewives“ hinter die Kulissen blicken ließen. Durch eine Tragödie wird hier das Leben einer ansonsten gefestigten Frau aus der Bahn geworfen, was zu einer außergewöhnlichen Freundschaft führt. Dabei schafft es die Serie, welche aus der Hand von Liz Feldman („2 Broke Girls“ (2011-2017)) stammt, in ihren zehn Folgen die Sympathien sehr unterschiedlich zu verteilen. Es ist auch gar nicht unbedingt nötig, dass man dabei Jen ins Herz schließt, denn die Serie lebt von der treffsicheren Dynamik dieser zwei unterschiedlichen Frauenfiguren. Als Zuschauer ist man von Anfang Mitwisser und ist sich eigentlich auch darüber im Klaren, dass es nicht gut ausgehen kann. Doch bis es darauf hinausläuft, nimmt die Serie noch den einen oder anderen Abzweig mit, blickt hinter die Kulissen der Vorstadthäuser und erzählt eine überraschende Geschichte von Verlust, Freundschaft und Neuanfang. Gewürzt wird das alles mit einer Prise von makabren und bitterbösen Humor.

Linda Cardellini und Christina Applegate

Auch die Inszenierung schmiegt sich da wunderbar an. Die Vorstadt wird bilderbuchmäßig eingefangen, hinter deren Fassaden die Probleme brodeln. Doch die Orte an sich sind nur pure Rahmen und dienen zur Verstärkung der unterschiedlichen Charaktere. Die Darstellung dieser ist die größte Stärke der Serie, welche definitiv von ihren SchauspielerInnen lebt. Christina Applegate, welche vor allem immer noch mit „Eine schrecklich nette Familie“ (1987-1997) assoziiert wird und die für ihre Rolle in „Dead to me“ mit einer Golden Globe-Nominierung bedacht wurde, und Linda Cardellini („Green Book“ (2018)) überzeugen als ungleiches Gespann und schaffen es trotz ihrer grundlegend unsympathischen Anleihen, die ZuschauerInnen auf ihre Seite zu ziehen. Dank der beiden Darstellerinnen und des gut besetzten Nebencasts, u.a. mit James Marsden („Hairspray“ (2007)) wird man schnell in diese Welt hineingezogen und möchte nach dem großen Cliffhanger auch unbedingt wissen, wie es in der zweiten Staffel weitergeht.       

Linda Cardellini und Christina Applegate

Fazit: Die zehnteilige erste Staffel der amerikanischen Serie „Dead to me” vereint wunderbar Spannung und ehrliche Beziehungskonflikte mit bissigem Humor. Der Blick hinter die Kulissen einer Vorstadt und die beiden starken Hauptdarstellerinnen lassen den Zuschauer die Serie schnell ins Herz schließen und mit großen Erwartungen auf den finalen Höhepunkt zusteuern. Der Serienmacherin Liz Feldman gelang eine wunderbar leichtgängige, unterhaltsame aber nicht unbedingt leicht verdauliche Serie, von der man nicht abwarten kann, wie sie weitergeht.

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Dead to me“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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