„Step into the River“ (2020)

Kurzfilm / China, Frankreich / Animation / 2020

Filmkritik: Auf dem 63. DOK Leipzig lief der Animationsfilm „Step into the River“ (OT: „Dans la rivière“), der auf berührende Weise von der Auswirkungen der Ein-Kind-Politik in China berichtet und sich dafür einer warmen, gelungenen Bildsprache bedient.

Lu erfährt in den Sommerferien auf dem Land von ihrer Großmutter, dass sie einen verstorbenen Bruder hatte. Als sie das Mädchen Wei kennenlernt, welches von den anderen Kindern wegen ihrer Herkunft und ihrem Aussehen ausgegrenzt wird, findet sie eine Freundin. Zusammen vertreiben sie sich den Sommer, kommen dabei ihren eigenen Geschichten näher und versuchen sich auch ein Stück von ihrer Vergangenheit zu lösen. 

Die chinesische Regisseurin und Professorin Weijia Ma verwirklichte ihren Film innerhalb der letzten zwei Jahre zusammen mit dem französischen Produktionsfirma Les Valseurs. Es entstand ein sehr persönlicher, berührender Animationsfilm, welcher die Auswirkungen der Ein-Kind-Politik beleuchtet. Das Thema wird häufiger in Kurzfilmen u.a. auch in  „Sister“ (2018) von Siqi Song und „Trading Happiness“ (2020) von Duc Ngo Nguyen aufgegriffen. Dabei konzentriert sich Ma auf ihre eigene Geschichte und ihr Leben, was sie einem toten Bruder ‚verdankt‘. Zudem lichtet sie mit der zweiten Mädchenfigur das Schicksal vieler erstgeborener Mädchen ab, welche von ihren Familien nicht gewollt wurden. Dabei wählt sie in ihrem Animationsfilm eine Koi-Metapher, denn alles dreht sich hierbei auch um den Fluss, der als Ort diente, sich von den ungewollten Kindern zu trennen. Von einem handwerklich souveränen Team von Animatoren wurde der 15-minütige Kurzfilm umgesetzt und findet so die richtigen, traurig-schönen Bilder. Mit den stimmigen Animationen und dem richtigen Gefühl für die beiden Mädchen und ihre tragischen Geschichten, welche selbstverständlich ihr Leben bis ins Erwachsenalter beeinflussen werden, gelang Weijia Ma ein einfühlsamer Kurzfilm, der zurecht den Publikumspreis auf dem 63. DOK Leipzig gewinnen konnte.

Fazit: Der Animationsfilm „Step into the River“ von Weijia Ma ist ein einfühlsamer Kurzfilm über zwei Mädchen, welche während eines Sommers auf dem Land mehr über ihre Vergangenheit erfahren. Gelungen animiert, stimmig umgesetzt und mit einer innewohnenden Schwermut fängt die Filmemacherin ihre sehr persönliche Geschichte ein und gibt einen Einblick, wie es sich wirklich anfühlt als Mädchen in China groß geworden zu sein.  

Bewertung: 8,5/10

Einblick in den Kurzfilm „Step into the River“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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