„Sister“ (2018)

Kurzfilm / China, USA / Animation / 2018

Filmkritik: Der Stop-Motion-Film „Sister“ (OT: „妹 妹“) von Siqi Song erzählt auf berührende und fantasievolle Weise von der Einkindpolitik in China. Damit schaffte es der achtminütige Kurzfilm zu den 92. Oscars, als einer der Nominierten für den ‚Besten Animierten Kurzfilm‘, verlor dann aber schlussendlich gegen „Hair Love“. 

Ein Bruder berichtet von dem Zusammenleben mit seiner kleinen Schwester und ihrem gemeinsamen Alltag – dabei ist sie, wie es sich so für Geschwister gehört, manchmal nervig, aber immer die kleine geliebte Schwester.

Die chinesische Filmemacherin Siqi Song hat am California Institute of the Arts Experimental Animation studiert, bereits einige Kurzfilme verwirklicht und u.a. bei Animationsfilmen wie „Mister Link“ (2019) mitgewirkt. Sie wurde von ihrer einzigartigen Situation inspiriert, denn sie selbst hatte einen Bruder und wurde deshalb oft angesprochen, wie es sich so anfühlt Geschwister zu haben. In ihrem Abschlussfilm vermittelt sie einen Eindruck davon und löst die Geschichte in einer Beklemmung auf. So ist der Film auch eine Anprangerung des unmenschlichen Verbots, was bis 2015 in China durchgesetzt wurde. Obwohl sie selbst ihren Film als nicht politisch betrachtet, sondern es vor allem um das Thema Abtreibung aus einem anderen Blickwinkel geht, kann man diese innewohnende Botschaft nicht übersehen. Um ihre Geschichte zu erzählen, wählte sie die aufwendigste Animationsart – die Stop-Motion-Technik. Mit einem Team von zehn Personen und über drei Jahre lang wurde der Film fertiggestellt. Mit ihren Figuren und Orten, die sehr stofflich sind und einer klaren Farbdramaturgie aus Schwarz-Weiß und Graustufen und ein paar Farbtupfern folgen, findet sie die richtige Art für ihre Erzählung. Diese ist weniger narrativ, sondern erzählt ihre Geschichte vielmehr in Szenen – Erinnerungsfetzen, in der sich Zuschauer vielleicht sogar selbst wiedererkennen können. Die Alltagsszenen sind sehr gut eingefangen und unterstreichen die melancholische Stimmung des Off-Kommentars. Im Gesamten ist Siqi Songs „Sister“ eine bewegende Geschichte in hervorragendem Stop-Motion-Look, die sich einem bekannten Thema auf andere Weise mit viel Herz annimmt. 

Fazit: Der für den Oscar nominierte Animationsfilm „Sister“ erzählt auf gefühlvolle Art und in einer gelungen Stop-Motion-Umsetzung von der Einkindpolitik in China und schafft es nur in acht Minuten die Zuschauer nicht nur gut zu unterhalten, sondern auch zu berühren.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Sister“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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