„CORD“ (2020)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2020

Filmkritik: Der deutsche Film „Cord“ von Tim Garde, gesehen auf dem 21. Landshuter Kurzfilmfestival, zeigt mit Gefühl und Nähe, wie es einem Vater geht, der auf einmal wieder allein zu Hause ist.

Cord (Hans-Heinrich Hardt) war nach dem Tod seiner Frau lange Zeit für seinen Sohn Finn (Ivo Kortlang) allein verantwortlich. Jetzt ist dieser ausgezogen und auf einmal hat Cord viel Zeit. Mit seiner Arbeit und alten Freunden versucht er sein Leben zu füllen, doch als Finn sich einfach nicht mehr meldet, beginnt er sich schreckliche Gedanken zu machen.

Der deutsche Regisseur und Schauspielcoach Tim Garde (*1971) schuf mit seinem 30-minütigen Kurzfilm einen intimen Einblick in das Leben eines Vaters, an dem Punkt, an dem er seinen Sohn in sein eigenes Leben lassen muss. Wie fühlt es sich an, wenn sich die familiäre Situation verändert? Was ersetzt diese Leerstelle – Beruf, Freunde? All diesen Fragen spürt Garde in seinem ruhigen Drama, für das er auch das Drehbuch geschrieben hat, nach.

Hans-Heinrich Hardt

Hinzu kommt ein beruflicher Aspekt, der eine weitere Dimension mit sich bringt. Denn Cord ist Zugführer, hat schon viermal erlebt, wie jemand durch seinen Zug umgekommen ist, und muss sich mit der Aufarbeitung dieser Fälle beschäftigen. Dafür findet der Regisseur mit Hans-Heinrich Hardt den perfekten Protagonisten, der Cords Gefühle wunderbar in kleinen Gesten und Blicken einfangen kann. All das bettet er in einem authentischen Rahmen und in eine grau-blaue Farbpalette ein, welche die vorwiegend melancholische Stimmung wunderbar wiedergibt. Mit etwas feinem Humor gewürzt, erzählt der Film eine realistische, einfühlsame Geschichte eines Mannes, der in seinem Leben an einem Wendepunkt steht und unsicher ist, wie der nächste Schritt auszusehen hat.

Fazit: Der Kurzfilm „CORD“ thematisiert den Anbruch einer neuen Lebensphase des alleinstehenden Vaters Cord, als sein erwachsener Sohn aussieht. Eingebettet in einem realitätsnahen Setting mit einer stark an der Stimmung orientierten Farbpalette und mit einem hervorragend besetzten Cast beleuchtet der 30-Minüter verschiedene Aspekte des Lebens und fängt sie wahrhaftig, aber trotzdem unterhaltsam ein.

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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