„Sommerflirren“ (2020)

Filmkritik: Der chinesische Spielfilm „Sommerflirren“ (ET: „Summer Blur“, OT: „Han Nan Xia Ri“, China, 2020) war einer der Beiträge der Berlinale Sektion ‚Generation KPlus‘. Die Regisseurin Han Shuai schuf ein einfühlsames Portrait einer jungen Frau, welche unter denkbar schlechten Umständen den Weg zum Erwachsenwerden beschreitet.

Die 13-jährige Guo (Tian Huang) verbringt den Sommer vor allem allein. Den meisten anderen Teenager vor allem den Jungs geht sie aus dem Weg. Während sie darauf hofft, dass ihre Mutter, welche eine Job im weit entfernten Shanghai angenommen hat, zurück kommt, lebt sie bei ihre Tante (Gong Beibi) und fühlt sich dort nie willkommen. Nur mit ihrem Schulkameraden Zhao (Zhang Xinyuan) findet sie etwas Frieden, doch als dieser vor ihren Augen ertrinkt, weiß Guo nicht mehr, wie sie Halt finden kann und zudem wie sie mit ihrer Trauer umgehen soll.

XueFei

Der 88-minütige Spielfilm ist das Debüt der chinesischen Regisseurin Han Shuai, die auch das Drehbuch geschrieben hat. Sie erzählt darin eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, welche aber geprägt ist von Düsterkeit, traumatischen Erfahrungen, mangelnder Liebe und Verlusten. Die Teenagerin Guo, welche mit großem Einfühlungsvermögen von Tian Huang gespielt wird, hat wenig Grund positiv ihrer Zukunft entgegen zu blicken. Sie muss sich allein dieser schwierigen Zeit im Leben eines jeden Mädchens stellen und man merkt ihr die Ruhelosigkeit und Orientierungslosigkeit an, da sie nirgends Halt findet. Der Fokus gilt allein ihr: So schmiegt sich die Kamera dicht an ihre stille Heldin an, die scheinbar alles ertragen kann und vor allem unter der abwesenden Mutter leidet. Doch gleichzeitig hält der Film der chinesischen Gesellschaft auch einen Spiegel vor. Hier geht es nicht nur um die Unterschiede von Arm und Reich, sondern vor allem um die Stellung der Frau und wie schon junge Frauen mit Übergriffigkeit und Misogynie konfrontiert werden. Mit viel Gefühl, ohne jemals pathetisch oder kitschig zu werden, begleitet man Guo auf ihrem harten Weg zum Erwachsenenleben und so schafft es die Regisseurin eine einfühlsame Coming of Age-Geschichte zu erzählen, welche kontraststark zum leichten Sommergefühl, was man zu sehen bekommt, inszeniert wurde.

XueFei

Fazit: Während der Titel noch eine leichtfüßige Geschichte geprägt von der Hitze des Sommers verspricht, ist „Sommerflirren“ eine melancholische Coming-of-Age-Geschichte, die sich auf die Probleme einer jungen Frau konzentriert. Mit einem klaren Blick auf gesellschaftliche Missstände und einem realitätsnahen Fokus begleiten wir die junge Heldin auf ihrem meist schmerzlichen Weg des Erwachsenwerdens.

Bewertung: 8/10

Kinostart: unbekannt

Trailer zum Film „Sommerflirren“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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