Sechs Fragen an Colin Nixon

Interview: Im Gespräch mit dem kanadischen Regisseur Colin Nixon konnten wir mehr über seinen 13-minütigen Kurzfilm „In the Jam Jar“ erfahren, der auf dem 28. Slamdance Film Festival lief, warum er mit zwei Blickwinkeln auf die Themen Tod und Trauer blickt und warum er sich für Kreisform als gestalterischen Rahmen entschieden hat.

The original english language interview is also available.

Erzähl mir zum Ursprung Deiner Geschichte?

Ich wuchs weit entfernt von den Eltern meiner Mutter auf, die am anderen Ende Kanadas lebten. Diese räumliche Entfernung wurde manchmal zu einer emotionalen Distanz. Doch als mein Großvater unheilbar krank wurde, machte ich drei Solo-Reisen, um ihn vor seinem Tod so gut wie möglich kennen zu lernen. Auf meiner letzten Reise habe ich ein Gespräch über den Tod aufgezeichnet, das für uns beide sehr wohltuend war. Dieses Gespräch war der Auslöser für dieses Projekt. 

Aus dieser Erfahrung erwuchs eine Kombination aus Freude und Trauer: Obwohl ich seinen Verlust fürchtete, brachte uns sein Ableben einander näher. Die Nähe des Todes machte die glücklichen Momente noch wertvoller. 

Warum hast Du Dich dafür entschieden, die Geschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen?

Die doppelte Perspektive ergibt sich aus dem Thema eines Gesprächs mit unausgesprochenen Gedanken. Der Film ist wie ein Palindrom aufgebaut, so dass Dan, der Sohn, seiner älteren Mutter Joan antworten kann. 

Außerdem kann man den Tod für mich in zwei Hälften teilen: das Sterben einer Person und die Trauer um diese Person. Da eine einzelne Person nicht das ganze Bild erfassen kann, hatte ich das Bedürfnis nach einem Duett. 

Wie kam die runde Form ins Spiel? Welche weitere visuelle Leitlinien waren Dir wichtig?

Der kreisförmige Ausschnitt kam mir ganz natürlich in den Sinn, als ich über die Struktur nachdachte. Ich dachte, er würde das Konzept des Kreislaufs hervorragend vervollständigen und gleichzeitig das Gefühl von Intimität und Einsamkeit vermitteln. Zentrale Nahaufnahmen waren ebenfalls wichtig, um diese Intimität zu vermitteln. Ich würde noch hinzufügen, dass das Palindrom durch bestimmte Einstellungen im ganzen Film unterstrichen wird: die Aufnahme der Asche, die in Gabes Schüssel fällt, ist eine Spiegelung des Pfeffers in Joans Suppe, das Baby im Waschbecken ist in einem ähnlichen Bildausschnitt zu sehen wie Joan in der Dusche usw.. 

Deine Schauspieler sind perfekt in ihren Rollen. Wie hast Du Deinen Cast zusammengestellt?

Es war ein wahres Vergnügen, mit France Castel, Alain Goulem und dem Rest der Besetzung zu arbeiten. Da der Film auf Voice-over basiert, habe ich die Schauspieler vor allem nach dem Timbre ihrer Stimmen ausgewählt, um Wärme und Emotionen zu erzeugen. 

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

In jungen Jahren organisierte ich Spiele mit Plüschtieren, dann mit Actionfiguren, die schließlich von meinem Bruder (zu seinem Entsetzen) und meinen Freunden ersetzt wurden. Mein Gymnasium bot einen Filmkurs an, der meine Leidenschaft bestätigte, und ich machte meinen Abschluss an der Université du Québec à Montréal im Fachbereich Film!

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ja! Ich bereite einen Kurzfilm vor, der sich erneut mit dem Thema einer unmöglichen Diskussion befasst, in dem aber eine Person, die Asyl sucht, parallel zu einer Person gezeigt wird, die eine rechtsextreme Ideologie vertritt. Das Projekt danach wird ein Spielfilm über Jugendkriminalität sein, der von den Kindern inspiriert ist, die ich durch die gemeinnützige Organisation, für die ich arbeite, kennengelernt habe. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „In the Jam Jar


Interview: In our conversation with Canadian director Colin Nixon, we were able to learn more about his 13-minute short film “In the Jam Jar“, which screened at the 28th Slamdance Film Festival, why he looks at the themes of death and grief from two angles, and why he chose circularity as his creative framework.

Your film combines joy of life and grief. Tell me about the origins of your story.

I grew up far away from my mother’s parents, who lived at the other end of Canada. This physical distance sometimes turned into emotional distance. But when my grandfather became terminally ill, I made three solo trips to get to know him as much as I could before his passing. On my last trip, I recorded a discussion we had on death that was truly soothing for both of us. It was this conversation that sparked the project. 

The combination of joy and grief bloomed from this experience: although I was dreading his loss, his passing away is what brought us closer. The proximity of death made the happy moments even more precious. 

Why did you decide to tell the story from two perspectives?

The double perspective emerged from the theme of a conversation of unspoken thoughts. The film is built like a palindrome in a way that Dan, the son, can respond to his elderly mother Joan. 

Furthermore, to me death can be split in halves: the dying of a person and the grieving of that person. As a single person can’t get the full picture themselves, I felt the need for a duet. 

How did the round shape come into play? What other guiding visual principles were important to you?

The circular frame naturally popped in my head as I was reflecting on the structure. I thought it would be a great complement to the concept of a loop while also providing the feelings of intimacy and solitude. Key close-ups were also essential in conveying this intimacy. I would add that the palindrome is underlined by specific shots throughout the film, ex: the shot of the ashes falling in Gabe’s bowl is a reflection of the pepper in Joan’s soup, the baby in the sink is framed in a similar way to Joan in the shower, etc. 

Your actors are perfect for their roles. How did you assemble your cast?

It was a true pleasure working with France Castel, Alain Goulem and the rest of the cast. Since the film relies on voice-over, I casted mostly based on the timbre of their voices, searching for warmth and emotion. 

Can you tell me a bit more about yourself and how you got into film?

At a young age I would organize plays with stuffed animals, then action figures, which were eventually replaced by my brother (at his dismay) and my friends. My high school offered a cinema course which confirmed my passion and I graduated at the Université du Québec à Montréal in cinema !

Are there any new projects already planned?

Yes! I am preparing a short film that explores once again the theme of an impossible discussion, but that presents a person seeking asylum in parallel to a person promoting far-right ideology. The project after that will be a feature film on juvenile delinquency inspired by the kids I met through the non-profit organization I work for. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the short film “In the Jam Jar

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