„Challengers – Rivalen“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: In seinen Filmen hat sich der in Italien geborene Regisseur Luca Guadagnino schon immer mit Liebesbeziehungen und der Dynamik innerhalb dessen beschäftigt. Während er bei „Call Me by Your Name“ (2018) von einer queeren Sommerromanze erzählt und mit „Bones and All“ (2022) eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte schuf, ist „Challengers – Rivalen“ (OT:  „Challengers“, USA/Italien) eine klassische Menage-a-Trois in einem gelungenen Gewand.

Die beiden seit ihrer Kindheit befreundeten Tennisspieler Art (Mike Faist) und Patrick (Josh O’Connor) treten nicht nur gemeinsam bei Tennisturnieren an, sondern auch gegeneinander. Ihre Freundschaft konnte nichts erschüttern, bis sie Tashi (Zendaya) begegneten. Die junge, sehr tennis- und karriereorientierte Frau fährt wie ein Blitz zwischen sie und entscheidet sich anhand eines Turnierausgangs für einen der beiden Freunde als Partner. Viele Jahre später ist ihre Karriere vorbei, aber als Arts Frau und Trainerin gehört sie weiterhin in die Profi-Tenniswelt. Bei einem Challenger-Turnier begegnen sie dann überraschenderweise Patrick wieder.

Mike Faist und Josh O’Connor

Der italienische Regisseur Luca Guadagnino hat ein Gespür für das Zwischenmenschliche und findet dafür immer auch einen passenden erzählerischen Rahmen. Während „Call Me by Your Name“ eine zarte queere Liebesgeschichte mit einer wohligen Sommerstimmung umhüllte, findet er für seine doch eher toxische Dreiecks-Konstellation den Tennissport als Backstory und Widerhall. Nach einem Drehbuch von Justin Kuritzkes schuf er einen Film, der keine Sympathien verteilt und den knallharten Alltag im Profisport ebenso einfängt wie die Liebesbeziehungen. Das titelgebende Challenger-Turnier ist der erzählerische Rahmen. Hier kommt es zum Showdown der beiden ehemals besten Freunde. In vielen Rückblenden, die selbst keine zeitlichen Einordnungen außer an Hand von Kleidung und Frisuren erfahren, erfährt der Zuschauende nach und nach alle Wendungen sowie Fehltritte und Liebeleien. Schnell entwickelt der Film dabei eine Dynamik hin ins Missgünstige und Betrügerische. Das Leichte, was die ersten Begegnungen dominiert, verfliegt schnell. Die treibende Kraft dahinter ist die Frau, die nach einer eigenen Verletzung eine Leere spürt, die sie schlecht zu füllen weiß. Das emotionale Ungleichgewicht aller Figuren ist dabei die ganze Zeit spürbar. Trotz aller Kälte und wenig Sympathien kommt man als Zuschauer:in nicht umhin, diesem Treiben mit Spannung beizuwohnen. 

Mike Faist und Zendaya

Während man so eine Menage-Trois-Konstellation als bekannt abtun könnte, sind der Stil und die Erzählweise, in der Luca Guadagnino seinen Film inszeniert, etwas Besonderes. Tennis, hier auch wunderbar für Sportfans visualisiert, ist die perfekte Metapher für das Pingpong und Liebeleien der Protagonist:innen. Dabei sind die Matches packend inszeniert, sodass man sogar als nicht sportbegeisterte:r Zuschauer:in dem Ganzen etwas abgewinnen kann. Hinzu kommt ein durch und durch gelungener Soundtrack. Die harten Beats verbreiten dabei eine ganz andere Stimmung als beispielsweise Sufjan Stevens‘ Musik in „Call Me by Your Name“. Doch auch hier passt sie wieder stimmig ins Konzept, denn die Figuren sind alles andere als liebenswert. Dabei spielen die Nebenrollen kaum eine Rolle, sondern der Film konzentriert sich beinahe kammerspielartig auf seine drei Figuren. Diese werden mit so viel Ambivalenz und Tiefe von den drei Darsteller:innen Zendaya („Greatest Showman“ (2017), „Dune“ (2021)), Josh O’Connor („The Crown“ (2019-2020), „Emma.“ (2020)) und Mike Faist („West Side Story“ (2021), „The Bikeriders“ (2024)) verkörpert. So entstand ein mitreißender Film, der narrativ das Rad nicht neu erfindet, aber mit seiner Inszenierung das Publikum wunderbar abholen kann.

Josh O’Connor und Zendaya

Fazit: „Challengers“ ist der neueste Film des Regisseurs Luca Guadagnino, der ein Händchen für zwischenmenschliche Dynamiken hat. Hier beschäftigt er sich mit einer toxischen Menage-a-Trois und siedelt das ganze im Umfeld des Tennis-Profisports an. Mit einer On-Point-Inszenierung und grandiosen Darsteller:innen erweckt er die schlicht gehaltene Geschichte wunderbar zum Leben und hinterlässt nicht nur bei Tennisfreunden einen Eindruck.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart war am 25. April 2024

Trailer zum Film „Challengers – Rivalen“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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