„Next Goal Wins“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der neuseeländische Regisseur Taika Waititi bringt seinen inzwischen achten Spielfilm in die Kinos. Diesmal erzählt er eine Geschichte lose nach wahren Begebenheiten und kombiniert in seinem Film „Next Goal Wins“ (OT: „Next Goal Wins“, UK, USA, 2023) typische Elemente von Sportlerfilmen mit dem mittlerweile etablierten Waititischen Humor und auch viel Gefühl.

Der cholerische Trainer Thomas Rongen (Michael Fassbender) steht vor seinem Karriere-Aus und hat nur die Möglichkeit, als Trainer der Mannschaft von Amerikanisch-Samao neu anzufangen. Das Team ist vor zehn Jahren phänomenal gescheitert und hat seitdem keine Erfolge mehr erzielen können. Der Vorsitzende des Fußballclubs, Tavita Taumua (Oscar Knightley), hat gehofft, mit einem neuen Trainer neuen Schwung zu bekommen, denn seine Mannschaft ist einfach nicht in Form. Doch der Plan geht erstmal nach hinten los. Rongen quält sie, beleidigt sie und erkennt ihre Kultur nicht an. Aber das lässt die Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen.

Michael Fassbender

Der neueste und mittlerweile achte Spielfilm des Regisseurin Taika Watiti, der bisher Filme wie „5 Zimmer Küche Sarg“ (2014), „Jojo Rabbit“ (2019) und „Thor: Love and Thunder“ (2022) und geschaffen hat, ist konventioneller geworden als man es von ihm erwarten würde. Nach einer wahren Geschichte, welche bereits im Dokumentarfilm „Next Goal Wins – Spiel ihres Lebens“ aus dem Jahr 2014 festgehalten wurde, erzählt der neuseeländische Regisseur, der zusammen mit Iain Morris das Drehbuch geschrieben hat, eine klassische Underdog-Geschichte mit Humor und Herz. Die Zutaten für diesen Wohlfühl-Sportfilm sind dabei bekannt: Eine sympathische Truppe mit wenig Talent trifft auf einen gnadenlosen Trainer, dessen harte Schale sie knacken und gleichzeitig selbst besser werden. Dieses Rezept gibt es schon lange und es funktioniert auch hier sehr unterhaltsam. Hinzu kommen noch ein paar aktuelle und regionale Themen. Wir befinden uns in Amerikanisch-Samao, einer Inselgruppe im Pazifik, weit vor der Küste von Australien. Waititi weiß die Traditionen und Gepflogenheit sehr schön in die Geschichte einzubauen. Auch, dass eine der zentralen Figuren eine Transfrau ist, eröffnet einen weiteren Themenbereich und sorgt für den einen oder anderen bewegenden Moment. 

Kaimana

Der neuseeländische Regisseur tobt sich in seinen Filmen normalerweise kunterbunt aus. Sei es in einer fiktiven NS-Welt, an mythologischen Orten oder in einer Vampir-WG. Aber hier zwingt ihn der Rahmen der wahren Begebenheit eine konventionelle Inszenierung auf. Der Inselstaat Amerikanisch-Samoa ist zwar eine grandiose, gute Laune machende Location für den Film, aber man merkt dem Film an, dass er es nicht übertreiben wollte. Allein ein paar schräge Figuren, eine davon von Waititi selbst gespielt, lassen die sonst typische Filmsprache durchblicken. Doch trotz all dessen ist der Film sehr souverän und ansprechend inszeniert. Er besitzt auch visuell alles, was man von einem Underdog-Sportfilm u.a. eine Trainingsmontage erwarten würde. Die wahre Kraft liegt aber in der Schauspielerei. Der vielseitige Michael Fassbender („X-Men“ (2011), „Shame“ (2011), „12 Years a Slave“ (2013), „Slow West“ (2015), „The Light between the Oceans“ (2016)) zeigt hier sein komödiantisches Talent und durchläuft die zehn Stufen der Läuterung zum Guten mit Bravour. Kaimana als Transfrau ist das Herz des Films. In den Nebenrollen kann man dann auch noch Schauspieler:innen wie Elisabeth Moss („The Handmaid’s Tale“ (2017-2019)) und Will Arnett („Arrested Development“ (2003-2019)) sehen. Allen in allem schmiegen sich das Spiel der Darsteller:innen und die Inszenierung gut an die Geschichte an, so dass ein warmherziger, schöner, wenn auch nicht außergewöhnlicher Film entstand.

David Fane und Michael Fassbender

Fazit: „Next Goal Wins“ ist der achte Spielfilm des Regisseurs Taika Waititi. In seiner Geschichte nach einer wahren Begebenheit erzählt er eine klassische Sport-Underdog-Geschichte mit viel Herz und Humor. Dabei liefert die Geschichte selbst den perfekten Feelgood-Ort und die Schauspieler:innen beleben die Figuren überzeugend, so dass man sich 104 Minuten lang wunderbar unterhalten lassen kann.

Bewertung: 7,5/10

Im Streaming zu sehen bei Disney+

Trailer zum Film „Next Goal Wins“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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