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Filmkritik: Die britische Regisseurin Rose Glass erweckt mit ihrem Spielfilm „Love Lies Bleeding“ (OT: „Love Lies Bleeding“, USA, UK, 2024) das Exploitation-Genre zu neuem Leben, findet einen zeitlosen Stil und modernisiert trotzdem dieses Genre.
Lou (Kristen Stewart) fristet ihr Dasein als Mitarbeiterin in einer Muckibude in einer Kleinstadt in New Mexico. Dort regiert ihr Vater (Ed Harris) die Stadt mit all seinen kriminellen Machenschaften im Hintergrund. Als Jackie (Katy O’Brian) in ihr Leben tritt, ändert sich Lous Welt schlagartig. Die beiden verlieben sich schnell, beschließen Jackie für ihren Bodybuilding-Wettbewerb in Las Vegas zu trainieren und träumen von einer gemeinsamen Zukunft.
Rose Glass machte bereits mit ihrem Film „Saint Maud“ (2019) auf sich aufmerksam, erreichte damit aber nicht das Mainstream-Publikum. Das könnte ihr jetzt mit ihrem zweiten Spielfilm gelingen. Denn dieser ist nicht nur erstklassig erzählt und inszeniert, sondern auch hochkarätig besetzt. Die Geschichte stammt aus der Feder der Autorin Weronika Tofilska und Rose Glass selbst. Sie erzählen mit viel Liebe und filmischen Rückgriffen eine queere Liebesgeschichte, die sich allen Widrigkeiten entgegenstellt und erzählerisch ganz im Genre verhaftet ist. Dabei ist der Film gleichzeitig eine Milieustudie, eine Gangstergeschichte und ein Exploitationfilm, ein Genre, das in den 30er Jahren entstand, in den 70er erneuten Aufwind gewann und eine neue Art des Erzählens etablierte. Diesen Drive – eine Mischung aus expliziter Gewalt, selbstbewussten Personen und auch einen Hauch Trash – wendet auch Glass an. Ihre Geschichte rastet kaum, schafft es aber trotzdem, den Figuren Tiefe zu geben. Wunderbar und mit viel authentischem Gefühl fängt sie die frische Liebe ein und zeigt, welche Kraft so etwas mit sich bringen kann. Einige böse Jungs, aber auch ernste Themen wie häusliche Gewalt und viele Genre-Elemente inklusive explizit gezeigter Brutalität und am Ende ein überraschender Kniff machen Love Lies Bleeding zu dem, was er ist.
Natürlich spielen die optische Inszenierung und die Wahl der Darsteller:innen dabei eine große Rolle. Die fiktive Kleinstadt in New Mexico, in der die Geschichte angesiedelt ist, ist der perfekte Ort für die Liebe, dem Entkommen aus dem Kleinstadtmief aber auch den Verbrechen und der Gewalt. Der Film scheint zwar klar im Hier und Jetzt zu spielen, aber der Look des Films ist zeitlos. Passend zum Genre sind auch handfeste Effekte – äußerst explizit und brutal – aber auch erotische Sexszenen gelungen eingebaut. Rose Glass beweist hier einen offenen Blick, der trotz großer Vorbilder etwas Eigenständiges schafft, das die Betrachter:innen sofort in den Bann zieht. Das verdankt der Film natürlich auch der perfekten Chemie zwischen Kristen Stewart („Twilight“-Reihe (2008-2010), „Spencer“ (2021)) und Katy O’Brien („The Mandalorian“ (2019)), deren physische Präsenz und Muskeln real sind, so dass nichts mit CGI beschönigt werden musste. Dave Franco („Scrubs“ (2009-2010), „Warm Bodies“ (2013), „The Disaster Artist“ (2017), „The Afterparty“ (2022)), Jena Malone („The Neon Demon“ (2016), „Tribute von Panem“-Reihe (2013-2015)) und Ed Harris („Die Truman Show“ (1998)) sind in den Nebenrollen großartig besetzt und Harris‘ Frisur wird Kultgeschichte schreiben.
Fazit: „Love Lies Bleeding“ von Rose Glass ist ein zeitloser, queerer Exploitation-Film, der alle Komponenten dieses Genres mit ein paar tollen Einfällen vermixt, stilsicher inszeniert ist und darüber hinaus großartig besetzt ist und damit perfekte Unterhaltung liefert.
Bewertung: 9/10
Kinostart: 18.7.2024
Trailer zum Film „Love Lies Bleeding“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 74. Internationale Filmfestspiele Berlin 2024 – Katalog (Programm ‚Berlinale Special Gala‘)
- Pop Culture Happy Hour, ‚‚Love Lies Bleeding‘ is the queer erotic thriller Kristen Stewart fans have wanted‘, npr.org, 2024
- Brittany Luse, Liam McBain, Jessica Placzek & Veralyn Williams, ‚‚Love Lies Bleeding‘ and the fear and allure of strong women‘, npr.org, 2024
- Eintrag des Films „Love Lies Bleeding“ bei der Produktionsfirma A24
- Oliver Armknecht, ‚Love Lies Bleeding‘, film-rezensionen.de, 2024
- Lida Bach, ‚Love Lies Bleeding – Kritik‘, moviebreak.de, 2024
- Chris O’Falt, ‚Love Lies Bleeding Cinematography: 80s Crime Movie Look‘, indiewire.com, 2024
- Jannek Suhr, ‚Kritik zu Love Lies Bleeding‘, epd-film.de, 2024
- Alexandra Seitz, ‚Love Lies Bleeding: Die Wüste liebt‘, ray-magazin.de, 2024


